Dr. Knuth Dohse aus Hermsdorf hat die Initiative "Offene Nachbarschaft" ins Leben gerufen. Er protestiert damit gegen die Idee des Reinickendorfer Verkehrsausschusses, die Schildower Straße und die Elsestraße an der Grenze zu Glienicke vorübergehend für den motorisierten Durchgangsverkehr zu schließen. "Dann ist Glienicke für uns so weit weg wie Frohnau", sagte er am Montag auf einer Einwohnerversammlung. Gut 150 Besucher kamen in die Schulmensa. Trotz Einladung blieben Vertreter des Bezirksamtes sowie der Bezirksverordnetenversammlung dem Informationsabend fern.
Bürgermeister Hans-Günther Oberlack (FDP), Gemeindevorsteher Uwe Klein (SPD) und Dezernent Matthias Rink betonten übereinstimmend, dass die Sperrung von Durchgangsstraßen inakzeptabel sei. Sie forderten die Bezirkspolitiker von Reinickendorf auf, gemeinsam eine Lösung zu erarbeiten, um das Verkehrsproblem in der Region in den Griff zu bekommen. Sie plädierten dafür, den öffentlichen Personennahverkehr weiter auszubauen. "Der ÖPNV ist kein Allheilmittel. Er sollte aber für eine Vielzahl von Pendlern so interessant werden, dass sie ihr Auto stehen lassen", sagte Oberlack, der ein weiteres Mal den Vorwurf von Reinickendorfer Seite zurückwies, nichts zur Lösung des Verkehrsproblems getan zu haben. Er verwies nicht nur auf den Kiezbus und auf das interkommunale Verkehrskonzept, das derzeit in Abstimmung mit Reinickendorf und Pankow erarbeitet wird, sondern auch auf Pläne im Mühlenbecker Land, am S-Bahnhof Mönchmühle ein Parkhaus zu bauen sowie die Heidekrautbahn zu reaktivieren.
Sondersitzung einberufen
Inzwischen ist auf Antrag der Fraktion SPD/Piraten eine Sondersitzung des Glienicker Gemeindeparlaments einberufen worden (10. März, 18 Uhr, Schulmensa). Dann soll der Bürgermeister ermächtigt werden, rechtliche Schritte gegen den Beschluss zur Sperrung der Straßen einlegen zu können, sollte die Bezirksverordnetenversammlung Reinickendorf diesen Beschluss am 11. März fassen. Er soll einen Einspruch gegen diesen Verwaltungsakt einlegen, eine Einstweilige Verfügung gegen die Umsetzung erwirken und im Falle der Ablehnung des Glienicker Einspruchs rechtlich dagegen vorgehen. Oberhavels Verkehrsdezernent Rink versprach, die Gemeinde dabei zu unterstützen. Begründet wurde dieser Antrag unter anderem mit einem Vertrag zwischen Oberhavel und Reinickendorf über die gegenseitige Hilfe in Notlagen. "Wenn die Straßen gesperrt sind, hat der Notarztwagen vom Humboldt-Krankenhaus einen längeren Anfahrtsweg", so Uwe Klein. Karsten Wundermann (B90/Grüne), Vorsitzender des Glienicker Infrastrukturausschusses, begrüßte den Vorschlag. "So gewinnen wir Zeit, um eine gemeinsame Lösung zu finden. Er kündigte an, dass eine gemeinsame Sitzung mit dem Reinickendorfer Verkehrsausschuss geplant ist.
Protest vorm Rathaus
Ein Besucher forderte am Montag die Gegner der Straßensperrungen auf, am 11. März zur Bezirksverordnetenversammlung vor dem Reinickendorfer Rathaus zu demonstrieren: "Wir müssen laut sein."
Thema im Kreistag
Auch auf dem nächsten Kreistag von Oberhavel spielt der Themenkomplex eine Rolle. Die Fraktion FDP/Piraten beantragt, bessere Busanbindungen zu den S-Bahnhöfen in Reinickendorf zu schaffen sowie die geplanten Straßensperrungen zu verhindern.
Online-Petition
Der Glienicker Reiner Preuß hat eine Online-Petition gestartet. Inzwischen haben mehr als 800 Personen den Aufruf "Gemeinsam gegen Straßensperrungen Berlin/Glienicke – für vernünftige Lösung für alle Betroffenen" unterzeichnet. Der Glienicker Kommunalpolitiker Dirk Steichele hat eine Unterschriftensammlung gestartet. 300 Namen stehen bereits auf der Liste, die in mehreren Glienicker Geschäften ausliegt.

Zitate aus dem Publikum


"Schade, dass Reinickendorf nicht da ist"

"Die B 96 ist jetzt schon voll."

"Das ist egoistisch von wenigen Bewohnern der Waldseesiedlung. Viele von uns kaufen in Glienicke ein oder besuchen dort Freunde und Verwandte."

"Gesunder Menschenverstand hätte beide Seiten weitergebracht."

"Wir brauchen auf der B 96 die Heerstraßen-Lösung."

"Der Bus steht im Stau."

"Ich habe das Gefühl, dass mit den Blumenkübeln absichtlich eine Eskalation herbeigeführt wird."

"Es sollten weitere Straßenverbindungen zwischen Glienicke und Reinickendorf geöffnet werden."

"Der Karlsplatz sollte wieder geöffnet werden."

"Das mit den Pflanzkübeln ist eine absurde Idee."

"In Glienicke kollabiert alles." zeit