Streit
: Streit um Straßenbenennung in Oranienburg hält an

Die Auseinandersetzung um die Benennung einer Straße nach Gisela Gneist könne nur in Gesprächen beilegt werden, sagt der SPD-Abgeordnete Björn Lüttmann.
Von
Klaus Grote
Oranienburg
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Bagger beseitigen Reste der vormaligen Bebauung am Aderluch, um Platz für eine Wohnbebauung zu schaffen. Eine Straße auf dem Gelände des früheren KZ-Kommandos "Zeppelin" soll nach Gisela Gneist benannt werden, die im Sowjetischen Speziallager inhaftiert war.

Klaus D. Grote

In einem am Freitag veröffentlichten Text, den Lüttmann zusammen mit seinem Praktikanten Julian Burchardt, Student der Sozial-, Bildungs- und Erziehungswissenschaften, verfasst hat, wird noch einmal  die langwierige Namensfindung erklärt. Die Autoren führen den Konflikt vor allem auf fehlende Kommunikation zurück. Diese habe nicht nur die Vorschläge der Straßenbenennungskommission und die Entscheidung der Stadtverordneten geprägt. Es habe schon in der Vergangenheit keine ausreichenden Gespräche zwischen den unterschiedlichen Beteiligten und Opfergruppen gegeben. Lüttmann und Burchardt kommen auf Konflikte in den 1990er-Jahren zurück, die den Graben zwischen den Opfergruppen vertieften.

Feier für Euthanasie-Arzt

Denn während die Opfer des Konzentrationslagers und ihre Angehörigkeit die Singuilarität der Shoah und eine Gleichsetzung des systematischen Massenmordes im Nationalsozialismus mit Verbrechen in Sowjetischen Speziallagern ablehnen, kam es damals auf der anderen Seite zeitweilig zur Relativierungen von NS-Verbrechen. „Ein besonders krasses Beispiel dafür war eine geplante Feier für den ehemaligen Euthanasie-Arzt Hans Heinze, welche im Jahr 1996 durch die Speziallager-Gemeinschaft erst nach Pressereaktionen abgesagt wurde“, schreiben Lüttmann und Burchardt. Insassen der Speziallager waren zwar auch willkürlich, zum Teil jugendliche Verhaftete, aber vor allem auch Kriminelle und NS-Täter.

Die Autoren fordern zum Gespräch auf. „Es muss möglich sein, beider Opfergruppen im Oranienburger Stadtgebiet angemessen zu gedenken“, schreiben sie. Die Gedenkstättenstiftung und der Förderverein der Gedenkstätte Sachsenhausen sollten zu moderierten Gesprächen einladen, in denen zwischen den Interessen vermittelt wird.

Dass bislang nur übereinander und nicht miteinander gesprochen wird, beweist ein Briefwechsel von Bürgermeister Alexander Laesicke. Gegenüber dem „Forum zur Aufklärung und Erneuerung“ bedauert er die Entwicklung und spricht sich dagegen aus, unterschiedliche Opfergruppen gegeneinander auszuspielen. Für das Forum fordern Reinhard Dobrinski und Carola Winkler eine Rehabilitierung von Gisela Gneist, über die falsche Behauptungen veröffentlicht worden seien.

„Ehre mit Füßen getreten“

Dagegen schreibt José Trauffler, Tochter eines luxemburgischen KZ-Häftlings, dem Bürgermeister, dass die Ehre der KZ-Opfer mit dem Straßenbennungsbeschluss mit Füßen getreten worden sei. Sie fordert eine Rücknahme des Beschlusses. Die Gisela-Gneist-Straße wird sich auf dem früheren Gelände des KZ-Außenlagers „Zeppelin“ befinden. Laesicke kündigte in dem Briefwechsel, über den die Stadtverordneten nicht informiert wurden, dagegen an, dass auf einer  Tafel über Gisela Gneist informiert werden solle.

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Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel