Tempo 30 in Oranienburg
: Nach Chaos und Streit – neue Regelung für Germendorf

Tempo 30 nur nachts oder den ganzen Tag über? In Germendorf (Oranienburg) gab es deshalb Forderungen, Umsetzungen, Streit und Chaos. Jetzt greift eine neue Regel für den Verkehr.
Von
Marco Winkler
Germendorf
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2023 gab es Proteste gegen Tempo-30-Abschnitte in Germendorf. Der Ortsteil von Oranienburg wollte die Begrenzung nur nachts. Jetzt gibt es neue Regelung für den Verkehr. (Symbolbild)

Paul Zinken/dpa

Im Oranienburger Ortsteil Germendorf wurde erst über die Lärmbelästigung durch lauten Autoverkehr debattiert, dann über die Anordnung des Landkreises, auch tagsüber die Geschwindigkeit zu reduzieren, heftig gestritten. Der Kreis musste zurückrudern. Jetzt gibt es eine neue Regelung für die Dorfstraßen, wie die Stadtverwaltung am Montag (4.03.) mitteilte.

Im zweiten Halbjahr 2023 galt auf der Germendorfer Dorfstraße, der Kremmener Allee, der Veltener Straße sowie der Hohenbrucher Straße tagsüber aus Lärmschutzgründen abschnittsweise Tempo 30. Allerdings nicht lange. Es gab Einwendungen und die Regelung wurde kurze Zeit später zurückgenommen.

Kritik an Tempo-30-Chaos in Germendorf

Vorausgegangen waren eine Ortsbeiratsforderung und ein Stadtverordnetenbeschluss, der Tempo 30 in den Nachtstunden vorsah. Die Straßenverkehrsbehörde sah allerdings auch tagsüber eine Lärmbelästigung und ordnete abschnittsweise ganztägig Tempo 30 an. Die Stadt gab dafür ihr Einverständnis. Mehrfach wechselten sich im Ort Tempo 30 und 50 ab. Der Ortsbeirat war damit unzufrieden. Ständiges Beschleunigen und Abbremsen wirke sich negativ auf Verkehr und Lärm aus, argumentiert der Ortsbeirat. Es mag tagsüber laut sein, aber Beschwerden gebe es nachts, hieß es.

Nach Protesten ob des Schilderwaldes und Kritik an der Landkreisanordnung wurde wieder Tempo 50 installiert. Jetzt soll, so teilt es die Stadtverwaltung mit, Tempo 30 nur noch nachts gelten. „Mit der neuen Anordnung wird nun dem Beschluss der Oranienburger Stadtverordnetenversammlung Rechnung getragen, wonach die Stadt darauf hinwirken sollte, die tagsüber geltende Geschwindigkeitsbegrenzung auf die Nachtstunden zwischen 22 und 6 Uhr zu beschränken“, teilt Stadtsprecherin Eike-Kristin Fehlauer mit. „Das entspricht auch dem ebenfalls von der Stadtverordnetenversammlung beschlossenem Lärmaktionsplan.“

Tempo 30 in den Nachtstunden sei das Ergebnis eines erneuten Anhörungsverfahrens unter Beteiligung der Stadt, des Landesbetriebes Straßenwesen, des Landkreises und der Polizei. „Bis spätestens zum 5. April werden die entsprechenden Schilder aufgestellt, ab dann gilt die Regelung“, so Fehlauer.

Tempo 30 zeigt tagsüber keine Wirkung

Grundlage für die aktuelle Entscheidung ist ein Lärmschutzgutachten, wonach die Herabsetzung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit in den Nachtstunden einen wirkungsvollen Beitrag zum Schutz der Anwohnerinnen und Anwohner liefert.

Neu ist offenbar die Information, dass Tempo 30 tagsüber keine Wirkung zu zeigen scheint. „Zwar werden im Kreuzungsbereich der Landes- und Kreisstraßen auch tagsüber die Richtwerte der Lärmschutzrichtlinie überschritten, jedoch würde dies auch bei Tempo 30 noch der Fall sein“, so die Stadt.

Als zielführend sieht die Stadt deshalb „passive Lärmschutzmaßnahmen“ an. „Betroffenen Anwohnerinnen und Anwohnern wird darum empfohlen, sich an den Baulastträger ihrer Straße zu wenden, um gegebenenfalls eine Förderung, beispielsweise von Lärmschutzfenster, in Anspruch zu nehmen“, so Fehlauer.