Theo Trebs in „Fall for me“: Das sagt er zu Erotik, Netflix-Erfolg und seiner Heimat

Theo Trebs und Svenja Jung spielen die Hauptrollen im Netflix-Film „Fall for me“, der auf Mallorca gedreht wurde. Im Erotik-Thriller geht es zur Sache. Warum die Erotik für den Schauspieler aus Birkenwerder wichtig war.
Julia Terjung/Netflix- Theo Trebs aus Birkenwerder spielt die Hauptrolle im Netflix-Erotik-Thriller „Fall for me“.
- Der Film wurde auf Mallorca gedreht und erreichte Platz 1 der Netflix-Charts in 40 Ländern.
- Intimitätscoach sorgte am Set für sichere Bedingungen bei den Sex-Szenen.
- Story: Affäre, Geheimnisse und Drama zwischen Verführung und Familienstreit.
- Trebs: Rolle als Verführer und Heimatverbundenheit prägen seine Karriere.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wenn ein Intimitätscoach am Set ist, steht fest: Es wird heiß. Im Netflix-Film „Fall for me“ knistert es nicht nur ein bisschen zwischen Svenja Jung und Theo Trebs. Der auf Mallorca gedrehte Erotik-Thriller eroberte in Windeseile die weltweiten Netflix-Charts. Mit dabei ist Theo Trebs aus Birkenwerder – als geheimnisvoller Verführer.
„Fall for me“ ist ein Sommer-Überraschungserfolg. Er landete auf Platz 1 der Netflix-Charts in knapp 40 Ländern, darunter Italien, Brasilien, Kolumbien, und sicherte sich in mehr als 90 Ländern eine Top-10-Platzierung. Global also ein großer Hit für den Streamingdienst.
Die Story ist simpel. Als Lilli (Svenja Jung) ihre Schwester Valeria (Tijan Marei) auf Mallorca besucht, erfährt sie von deren übereilter Verlobung und den Plänen, das Grundstückserbe ihrer toten Mutter zu verkaufen. Das kommt ihr natürlich nicht geheuer vor. Bei ihrer Recherche lernt sie Nachtclub-Manager Tom (Theo Trebs) kennen. Eine heiße Affäre beginnt. Doch Tom spielt offenbar ein doppeltes Spiel.
Worum es im Netflix-Film „Fall for me“ geht
Erotik, Drama, Geheimnisse, traumhafte Kulissen: Klingt ein wenig nach Edel-Seifenoper im ZDF. Regisseurin Sherry Hormann („Irren ist männlich“, „Altes Land“) liefert eine leichte Sommergeschichte, farbenfroh und sinnlich unter der mallorquinischen Sonne inszeniert. Gedreht wurde teilweise an von Massentourismus unberührten Orten. „Wenn es bei aller Kritik eine große Stärke des Films gibt, ist es die Schönheit der Bilder“, so Theo Trebs im Gespräch.

Theo Trebs aus Birkenwerder spielt die Hauptrolle in der deutsche Netflix-Produktion „Fall for me“. Sein großer Durchbruch?
Julia Terjung/NetflixViele Kritiker finden die Geschichte vorhersehbar und in etwa so dünn und durchsichtig wie ein Stück Cellophan. Der Film setzt neben den wunderschönen Kulissen auf Verführung, weibliche Lust und den Körpereinsatz von Svenja Jung („Unter uns“, „Fucking Berlin“, „Die Mitte der Welt“) und Theo Trebs, der sagt: „Das Projekt hat viel Spaß gemacht.“
Was hat ihn an der Rolle gereizt? Die Erotik aus der Perspektive der Frau habe ihn bei den ersten Drehbuchentwürfen angesprochen. „Das fand ich sehr interessant und nicht so machomäßig, wie man es vielleicht sonst kennt.“ Trotz Fortschritt: Noch immer sei auch die Regie-Branche von Männern dominiert. „Die Chance, große Filme zu drehen, ist ungerecht verteilt.“ Für ihn war deshalb Regisseurin Sherry Hormann ein weiterer Grund, die Rolle anzunehmen.
Tom Sommer sei eine klassische Figur. „Er spielt ein Spiel. Das kennt man aus den Ripley-Filmen.“ Er bezieht sich auf die Adaptionen der Romane von Patricia Highsmith (die berühmteste: „Der talentierte Mr. Ripley“ mit Matt Damon, Jude Law und Gwyneth Paltrow). „Dadurch entsteht eine doppelte Spannung im Spiel selbst.“ Auch in den Ripley-Geschichten spielt Erotik eine große Rolle.
Für die Sex-Szenen in „Fall for me“ stand dem Schauspielduo und der Crew der Intimitätskoordinator Florian Federl zur Seite. Laut Theo Trebs geht es beim Intimitätscoaching, hervorgegangen aus der MeToo-Bewegung, vor allem um die Sicherheit für alle Beteiligten, um Regeln und Absprachen.
So wurden die Körper für Berührungen nach dem Ampelsystem eingeteilt: Grün heißt „Ja“, Gelb „frag mich vorher“ und Rot „nicht berühren“. Gerade für Frauen sei ein sicherer Rahmen bei der Arbeit wichtig, um Grenzen aufzeigen zu können. „Die Szenen sind mit großem Respekt gegenüber den Spielpartnern entstanden.“ Auch er habe sich zu jeder Zeit sicher gefühlt.

In seiner Rolle als mysteriöser Barkeeper gibt es ein Verführungsspiel zwischen Tom Sommer (Theo Trebs) und Lilli Funke (Svenja Jung).
Julia Terjung/NetflixDie weibliche Sicht steht bei „Fall for me“ im Vordergrund. Es geht ausschließlich um den Orgasmus der Frau (für den Tom Sommer sorgt), durchaus stylisch in Szene gesetzt. Trotz nackter Haut: Pornografisch ist in dem Hochglanzstreifen nichts. Die Altersfreigabe ab 18 Jahren überrascht daher etwas. Über die Authentizität streng choreografierter Liebesszenen lässt sich streiten. Klar ist: Die Kamera schwenkt weg, sobald die Gefahr besteht, zu voyeuristisch zu werden und die Intimsphäre versehentlich aufzudecken.
Aus feministischer Sicht – Wie sexistisch oder klischeehaft ist das Frauen-Männer-Rollenspiel? – könnte der Film für Gesprächsstoff sorgen. Die Frauen sind in der Geschichte diejenigen, die einander misstrauen und bekriegen, die auf die offensichtlichen Maschen der Männer hereinfallen, ihnen bedingungslos folgen, kaum dass sie einen geheimnisvollen Blick von ihnen erhaschen und oben ohne vor ihnen stehen. Gleichzeitig fordern die Frauen die Befriedigung ihrer Lust ein, bekennen sich zu ihrer Sinnlichkeit.
Theo Trebs schaut meist verführerisch-mysteriös, präsentiert seinen trainierten Körper und versucht, die Nuancen der nicht besonders komplex angelegten Figur herauszuarbeiten. Seine Rolle ist freizügig: Sex auf dem Balkon, am Strand, in der Küche. „Mein Brot als Schauspieler ist der Körper und die Interaktion“, sagt er. „Ich wusste, worauf ich mich einlasse. Die Erotik im Film ist durchaus gelungen.“ Reduzieren lassen will er sich auf eine sexy Rolle als Verführer aber nicht.
Es ist eine neue Erfahrung für den 30-Jährigen, von Medien als „Hottie“ bezeichnet und nach seinem Liebesleben befragt zu werden. Seine Rolle kann zudem als „Thirst Trap“ gelesen werden. Der Begriff („Durstfalle“) wird im Social-Media-Bereich für Fotos und Videos verwendet, die durch bewusste Freizügigkeit Aufmerksamkeit erregen und sexuelles Verlangen auslösen sollen. Für Theo Trebs steht eher sein Charakter im Fokus. Der Verführer, der sich ein sicheres Leben aufbauen will, und daran durchaus scheitert. „Es geht um den Inhalt.“
Theo Trebs als Kind in „Das weiße Band“ – mit Geschwistern
Theo Trebs kommt aus einer Schauspielfamilie. Seine Mutter Dorothea Trebs gründete die erfolgreiche Schauspielagentur Kokon in Birkenwerder. Theo Trebs und seine Geschwister schafften es alle in renommierte Filme. So stand er mit Lilli und Enno im oscarprämierten Film „Das weiße Band“ von Michael Haneke vor der Kamera. Er ist als Ferdinand, Sohn des gewalttätigen Gutsverwalters, der seine Kinder mit harten Strafen erzieht, zu sehen.

Theo Trebs und Svenja Jung spielen die Hauptrollen in „Fall for me“. International könnten beide größere Bekanntheit erlangen.
Julia Terjung/NetflixTheo Trebs hatte da schon Schauspielerfahrung, spielte in „Hexe Lilli – Der Drache und das magische Buch“ sowie „Krupp – Eine deutsche Familie“ mit. Es folgten Rollen in „Rammbock“, „Der ganz große Traum“, „Oh Boy“, dem Märchen „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ (2013), „Die Freibadclique“. Zudem war er in zahlreichen Krimis zu sehen, darunter in mehreren „Tatort“-Folgen, „Heiter bis tödlich“, „Morden im Norden“ und „Ein Fall für zwei“.
Trebs ist gelernter Schauspieler. Er schloss sein Schauspielstudium an der Ernst-Busch-Hochschule in Berlin ab und steht seitdem abseits von Film- und Serienproduktionen im Theater auf der Bühne. Der Unterschied zu Netflix? „Es ist textlastiger und ein Abend ist ein Abend, es gibt kein Zurück. Beim Film hat man viele neue Versuche, wenn etwas nicht klappt.“ Am Theater entwickeln sich Stücke, wirken lebendiger, die Publikumsreaktion ist direkt.
Auch wenn er seinen Erfolg nicht anhand der Reichweite messen will – „Eine hohe Einschaltquote heißt nicht, dass der Film gut ist“ –, der Netflix-Hit „Fall for me“ könnte ein weiterer Karrieresprung für den Schauspieler aus Oberhavel sein. In Birkenwerder ist er aufgewachsen, dort lebt seine Familie. „Das klingt jetzt kitschig, aber es ist meine Heimat.“
Er hält es mit einem Uwe-Johnson-Zitat aus dem Gundermann-Film von Andreas Dresen: „Heimat ist dort, wo die Erinnerung sich auskennt.“ Auch wenn er inzwischen längst in Berlin lebt, Freunden zeigt er nach wie vor gerne das Briesetal. „Die Gegend ist wirklich schön.“ In Birkenwerder kennt er sich aus. „Es ist der Inbegriff von Heimat für mich, egal, wo ich auf der Welt ich gerade bin.“
Aktuell steht er in Warschau für „1949“ von Regisseur Pawel Pawlikowski – sein Film „Ida“ gewann 2015 den Oscar als bester fremdsprachiger Film – vor der Kamera. Ende August wurde mit dem Dreh begonnen. In dem Drama geht es um die Beziehung von Thomas Mann (gespielt von Hanns Zischler) zu seiner Tochter Erika Mann (Sandra Hüller). Beide begeben sich auf einen Roadtrip durch das zerstörte Deutschland. „Meine Rolle ist allerdings nur klein“, sagt Theo Trebs.



