Minette von Krosigk wird mit dem diesjährigen Ehrenpreis für Toleranz und Zivilcourage des Landkreises Oberhavel ausgezeichnet. Dies hat die sechsköpfige Jury unter Leitung des Kreistagsvorsitzenden Dr. Wolfgang Krüger beschlossen. Die Auszeichnung, die mit einem Preisgeld in Höhe von 2.000 Euro dotiert ist, würdigt Menschen, die sich durch ihr Engagement und ihren Einsatz für ein weltoffenes und tolerantes Oberhavel einsetzen.

Stolpersteinprojekt 2005 gestartet

Minette von Krosigk startete das Stolpersteinprojekt für Oranienburg bereits im Jahr 2005. Gemeinsam mit Jugendlichen hat sie recherchiert, Veranstaltungen organisiert und Spendengelder gesammelt, um Stolpersteine verlegen zu können. Unterstützt wurde das Projekt vom Forum gegen Rassismus und rechte Gewalt sowie vom Förderverein für interkulturelle Bildung und Begegnung, in denen sich Minette von Krosigk engagiert.

Gemeinsam mit Jugendlichen engagiert

Gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Runge-Gymnasisums und des Georg-Mendheim-Oberstufenzentrums sind in Oranienburg und Freienhagen bis heute 67 Stolpersteine verlegt worden. Minette von Krosigk arbeitet derzeit an einer Dokumentation über das Stolpersteinprojekt. Die Koordinierungs- und Fachstelle „Partnerschaft für Demokratie“ des Kreisjugendrings Oberhavel hatte Minette von Krosigk vorgeschlagen. „15 Jahre unermüdliches Engagement, Arbeit mit vielen Jugendlichen, Kontakt zu Zeitzeugen, und immer wieder das Ziel, die Öffentlichkeit für das damalige Geschehen zu sensibilisieren, zu mahnen und zu erinnern, das ist gerade in der heutigen Zeit wichtiger denn je“, begründete Juliane Lang vom Kreisjugendring den Vorschlag.

Einsatz für Erinnerungskultur in Oberhavel

„Mit Minette von Krosigk haben wir eine sehr würdige Preisträgerin für den Toleranzpreis 2020 auswählen können. Ich bin sehr dankbar für ihr jahrelanges Engagement für die Erinnerungskultur in Oberhavel. Wir brauchen engagierte Menschen wie Frau von Krosigk. Denn ohne sie wäre unser Landkreis um ein Vielfacher ärmer“, betonte Juryvorsitzender Wolfgang Krüger.

Preisverleihung in der Nicolaikirche

Die Preisverleihung erfolgt während der Auftaktveranstaltung zur Interkulturellen Woche Oberhavel am 26. September in der Oranienburger Nicolaikirche. Landrat Ludger Weskamp und der stellvertretende Kreistagsvorsitzende Frank Schönfeld werden den Preis überreichen. Wegen der coronabedingt eingeschränkten Platzkapazität findet die Veranstaltung ausschließlich mit geladenen Gästen statt.

Stolpersteinprojekt


Initiator des Stolpersteinprojekts ist der Kölner Künstler Gunter Demnig, der den ersten Stolperstein 1997 in Berlin-Kreuzberg verlegte. Demnig will damit an die Opfer der NS-Zeit erinnern. Vor deren letzten selbst gewählten Wohnort werden Steine mit einer Gedenktafel aus Messing, in die die Namen der Opfer eingraviert sind, in den Gehweg eingelassen. In inzwischen 1.265 deutschen Kommunen erinnern Stolpersteine an das Schicksal von Menschen, die von den Nazis vertrieben, verfolgt oder ermordet wurden. Stolpersteine gibt es mittlerweile auch in 21 europäischen Ländern. In Oberhavel wurden bisher Stolpersteine in Oranienburg, Hohen Neuendorf, Hennigsdorf, Velten, Kremmen, Freienhagen, Zehdenick und Glienicke verlegt.