Trotz Corona
: In Kremmen hat die Spargelernte begonnen

Malte Voigts vom Spargelhof Kremmen trifft Vorkehrungen für die Erntehelfer auf Polen und Rumänien. Das erste Edelgemüse soll ab Mittwoch verkauft werden.
Von
Marco Winkler
Kremmen
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Yule Zebe ist für die Spargelfelder verantwortlich: Im vorigen Jahr erklärte er unseren Lesern die Abläufe der Ernte.

Wiebke Wollek

Geschäftsführer Malte Voigts hat im Gegensatz zu anderen Bauern – keine Probleme, genügend Spargelstecher zu akquirieren. Mit ihrer Arbeitsbescheinigung könnten sie die Grenzen passieren. „Schon vorher wird bei ihnen Fieber gemessen“, so Voigts. Das Ernteziel für 2020: 1000 Tonnen Spargel. Das hänge aber vom Verlauf des Coronavirus und der Anzahl der Erntehelfer ab. „Sollte der Fall eintreten, dass sich jemand mit dem Virus infiziert, haben wir Quarantänemöglichkeiten geschaffen.“ Ein Haus sei extra dafür bereitgestellt.

Die Helfer werden in diesem Jahr in Gruppen aufgeteilt und somit voneinander getrennt. „Wenn einer erkrankt, können wir zu jeder Zeit die Kontaktkette nachvollziehen.“ Voigts berichtet von einem „höchstmöglichen Hygienemaß“, das er einhält. In die Unterkünfte dürfen nur die Helfer, es gibt keine Gruppendurchmischung mehr, sämtliche Türklinken werden mehrfach desinfiziert, das Mittagessen wird nur zu zweit auf dem Zimmer eingenommen, alle sind auch auf den Feldern mit Desinfektionsmitteln ausgestattet. „Wir schulen sie zudem, was das Händewaschen und den Sicherheitsabstand angeht.“ Malte Voigts will Vertrauen aufbauen. Muss das auch. „In den Heimatländern herrscht große Unsicherheit.“ Es sei nicht auszuschließen, dass Erntehelfer Kremmen schnell verlassen, sollte sich die Situation zu Hause verschärfen oder Familienmitglieder erkranken. Jede Strategie, die er sich momentan zurechtlegt, könnte zudem am Folgetag schon wieder von neuen Nachrichten und Auflagen außer Kraft gesetzt werden.

Uwe Feiler forderte die Bevölkerung jüngst auf, den Landwirten unter die Arme zu greifen. „Es melden sich in der Tat Leute, die uns bei der Ernte unterstützen wollen“, so Voigts. Darunter Physiotherapeuten und Studenten. „Doch Spargelstechen ist kompliziert. Unsere Erntehelfer bestehen aus geschultem Fachpersonal. Sie müssen als Gruppe funktionieren und das nach bestimmten Maßgaben und Vorgaben.“ Noch in der vergangenen Woche hatte er überlegt, die Hilfsangebote auf die Gastronomie zu verteilen. Die sollte am 1. April eröffnen – mit reduzierten Sitzplätzen und einem Tischabstand von zwei Metern. Inzwischen hat Brandenburg aber ein weitreichendes Gastronomie-Verbot erlassen. Nur Außer-Haus-Verkauf ist noch möglich. Wie viele Betriebe ist auch der Spargelhof derzeit der aktuellen Nachrichtenlage komplett ausgesetzt.

Als Erstes werden momentan die Spargelsorten Prius und Gijnlim geerntet. Sie seien vom Aroma etwas lieblicher und nussiger. „Das ist mein Lieblingsgeschmack“, so Voigts. In der ersten Maiwoche folgen die späteren, etwas herberen Sorten Raffaelo und Backlim. Auf das kräftigere Aroma muss der Koch reagieren. „Den Sud durchsetzen wir mit etwas Zucker.“ Die finale Sorte: Grolim. „Aus meiner Sicht ist diese ganz herb.“ Den Unterschied würden aber viele nicht herausschmecken. Dennoch hat er immer wieder Gäste, die sich zu Beginn der Saison wundern, dass der Spargel nicht so kräftig sei. „Dann waren sie im Vorjahr zum Ende der Saison bei uns.“ 15 Sorten hat der Spargelhof im Anbau, 200 Hektar werden mit dem Edelgemüse angebaut (davon 170 im Ertrag, der Rest gehört den Jungpflanzen).

GesunkeneNachfrage

Seit einigen Jahren ist die Spargellust der Deutschen leicht rückläufig. Landwirte wie Malte Voigts reagieren auf die gesunkene Nachfrage. Inzwischen hat er seine Anbaufläche reduziert. Auch die Erntemengen schraubt er damit natürlich herunter. In Spitzenzeiten wurden mehr als 1 300 Tonnen Spargel aus dem Boden geholt. Nun will er dauerhaft 1 000 Tonnen im Jahr produzieren, um wirtschaftlich zu bleiben. ⇥win