Verschmutzung
: Ärger auf der Havelinsel in Birkenwerder

Sigmar Schmidt ist Pächter der Havelinsel in Birkenwerder, von den dortigen Obstbäumen verdient er sein Geld. Vermehrt stellt er fest, dass das Gelände und die Natur respektlos behandelt werden.
Von
Amy Walker
Birkenwerder
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  • Abgesägte Äste: Das ist nur eines der Bäume, das offensichtlich illegal für Brennholz verwertet wurde.

    Abgesägte Äste: Das ist nur eines der Bäume, das offensichtlich illegal für Brennholz verwertet wurde.

    Amy Walker
  • Sigmar Schmidt, der Pächter der Havelinsel, findet bei einem Rundgang mehrere Bierflaschen im hohen Gras.

    Sigmar Schmidt, der Pächter der Havelinsel, findet bei einem Rundgang mehrere Bierflaschen im hohen Gras.

    Amy Walker
  • Ein Angler hat hier sein Zelt aufgebaut: Auf dem Privatgrundstück bleiben immer mehr Menschen länger, als sie sollten.

    Ein Angler hat hier sein Zelt aufgebaut: Auf dem Privatgrundstück bleiben immer mehr Menschen länger, als sie sollten.

    Amy Walker
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Was auf der Insel erlaubt ist, ist spazieren gehen. Eigentlich auch ohne Hund – denn das ist Wasserschutzgebiet“, erklärt Sigmar Schmidt. Er ist mit seinen Nerven am Ende. Der Pächter der Havelinsel in Birkenwerder hatte sich das Leben als Landwirt so nicht vorgestellt. Aber wie er vermehrt beobachten muss, wird das Land, das er pachtet und mit dem er sein Geld verdient, immer respektloser behandelt. Vor allem seit den Corona-Maßnahmen kommen vermehrt Menschen auf die Insel, da sie anderswo nicht ungestört sind. Es werden Corona-Partys gefeiert, danach darf Sigmar Schmidt den Müll einsammeln. Besucher kommen zum Baden und Picknicken. An den Bäumen wird offensichtlich herumgesägt, um Brennholz für Lagerfeuer zu schaffen. Einige Angler bauen auf der Insel ein Zelt auf, um sich für längere Zeit niederzulassen. Sigmar Schmidt hat um die Obstbäume Drahtgitter gewickelt, um sie vor den Bibern zu schützen. „Die Gitter finde ich auf der Insel verteilt. Und ich weiß, dass der Wind die nicht dahin getragen hat“, so Schmidt.

Insgesamt wird das Land wie ein Stadtpark behandelt – dabei handelt es sich um einen Rückzugsort für die Natur. Besonders verärgert war Sigmar Schmidt vor zwei Jahren bei der Apfelernte. Er macht aus den Äpfeln von der Streuobstwiese Saft, den er in seinem „Hof Margalith“ in Marwitz verkauft. „Wenn du 2000 Kilo Äpfel erwartest, und nur 400 am Ende hast, dann ist das ganz schön bitter.“ Er weiß, dass Inselbesucher gerne das Obst pflücken, da er die Spuren von Menschen um die Bäume erkennt. Das sei aber Diebstahl.

Gemeinde soll eingreifen

Der Eigentümer der Havelinsel, Thor Alexander Dahn, steht voll und ganz hinter den Aussagen seines Pächters. Beide Männer sind der Meinung, dass das Problem nicht hauptsächlich bei den Anwohnern liegt, sondern dass es andere sind, die „scheinbar nicht lesen können, dass das ein Privatgrundstück ist“, so Schmidt. Besonders verärgert war der Landwirt als neulich der rbb-Wettermann Alexander Dieck in einem Interview mit einer Zeitung berichtete, wie gerne er auf der Insel Fahrrad fährt. „Das ist verboten! In dem ganzen Text waren mehrere Verstöße gelistet.“ Er schüttelt nur den Kopf.

Es geht nicht nur darum, dass Sigmar Schmidt durch den Missbrauch der Insel Geld verliert. Das Gebiet ist Landschaftsschutzgebiet und Wasserschutzgebiet. „Hier leben ganz viele Tiere, die sich hier zurückziehen könnten. Zum Beispiel Fasane. Die sind Bodenbrüter, deshalb ist es wichtig, das Hunde hier angeleint werden“, erklärt der Pächter. Auf der Insel leben auch Biber, Rehe, Blindschleichen – eigentlich ein Naturparadies. Beim Rundgang findet Sigmar Schmidt eine tote Blindschleiche: "Von einem Pferd zerdrückt, ganz klar. Mit Pferd darf man natürlich nicht herkommen.“ In der Vergangenheit wurden nach Angaben der Männer auch schon Rehe von Hunden gerissen. Besonders für den Schutz des Grundwassers ist es jedoch wichtig, dass jeder Hundebesitzer die Hinterlassenschaften wieder mitnimmt. „Wir haben hier sehr qualitativ hochwertiges Wasser. Das bleibt aber nicht so, wenn es voller Fäkalien ist“, sagt Thor Alexander Dahn. Die Verschmutzung geschieht selbstverständlich auch durch Menschen. „Wenn jemand hier mehrere Stunden verbringt und Bier trinkt, dann muss der natürlich irgendwann aufs Klo. Der pinkelt dann aber auf den Brunnen“, so Dahn weiter.

Was kann also getan werden, um die Situation zu verbessern? Sigmar Schmidt hat sich schon hilfesuchend an die Gemeindevertreter gewendet. Das Mindeste, was er verlangt, ist Schadensersatz in Höhe von 5 000 Euro für die verlorene Ernte. Damit ist das Problem aber nicht aus der Welt geschafft. „In Birkenwerder gibt es keinen richtigen Hundeauslaufplatz“, sagt Dahn. Wenn weniger Hundebesitzer die Insel nutzen würden, wäre es schon ein Schritt in die richtige Richtung. Auch müsse die Öffentlichkeit stärker darauf hingewiesen werden, dass die Havelinsel zum Spazierengehen geeignet ist, nicht jedoch fürs lange Verweilen. „Es geht hier um das Ausmaß. Wenn 50 Menschen auf der Insel sind, sind das zu viele. Ich will eigentlich kein Tor aufbauen, und allen den Zutritt verwehren. Aber die Gemeinde muss helfen, das zu regeln“, sagt der Eigentümer. Nicht jedes Land ist für Menschen da.

Infokasten

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel.⇥kürzel