Wohnen in Oranienburg
: Mehr Wohnungen in der Innenstadt – die Visionen für die Stadt

Oranienburg hat das Flächenpotenzial für 60.000 Einwohner. Wo sollen sie wohnen? Es gibt Visionen, wo überall neue Häuser entstehen könnten.
Von
Marco Winkler
Oranienburg
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Wie soll Oranienburg in zehn, 15 Jahren aussehen? Welche Flächen bleiben grün, auf welchen Grundstücken könnten Wohnungen entstehen? Jetzt wurden Visionen vorgelegt.

Marco Winkler/UmbauStadt

Wie soll sich Oranienburg in den nächsten zehn bis 15 Jahren entwickeln, welche Schwerpunkte sind wichtig, welche Ideen gibt es? Vor allem Wohnraum ist knapp. Der Bedarf an Erholungsflächen und einem gesunden Innenstadtklima sind mit einer Lückenbebauung abzuwägen. Einige Visionen werden aktuell immer konkreter.

Als Grundlagen für die Zukunft von Oranienburg dienen das Integrierten Stadtentwicklungskonzept (INSEK), das derzeit fortgeschrieben wird, und eine Neufassung der Wohnbaulandentwicklungsstrategie (WBELS), die das Wachstum steuern soll. Leitbilder und mögliche Maßnahmen wurden am Dienstag (26. September) auf einem Zukunftsforum im Oranienwerk vorgestellt.

Oranienburg hat Platz für 60.000 Einwohner

Zwischen 2011 und 2022 ist Oranienburg um 15 Prozent gewachsen, nächstes Jahr wird die 50.000-Einwohner-Marke geknackt. „Oranienburg verfügt über umfangreiche Wohnbaulandpotenziale“, heißt es auf INSEK-Seite. Laut einer Studie gebe es genug Flächen für 60.000 Menschen in der Stadt. Nicht nur die Kita- und Infrastruktur muss mitwachsen, auch der steigende Bedarf an Strom stellt die Stadt vor Herausforderungen. Nachhaltigkeit und Klimaschutz spielen immer größere Rollen.

Die Stadt braucht eine Leitlinie als Richtschnur, die eine Gesamtbetrachtung beinhaltet. „Versiegeln wir Flächen durch eine Bebauung oder lassen wir die Natur dort? Kann das Einfamilienhaus noch das Ziel einer nachhaltigen und klimaangepassten Stadtentwicklung sein?“, fragte sich der ehemalige Baustadtrat Frank Oltersdorf bei seinem Abschied aus der Verwaltung. Er sprach von moderner innerstädtischer Verdichtung. Wie die aussehen könnte, wollen INSEK und WBELS zeigen. Die umsetzenden Stadtplaner von UmbauStadt haben bisher – unter anderem durch Bürgerbeteiligung – knapp 80 Maßnahmen gesammelt. Wir blicken auf einige Zukunftsideen, welche die Stadt nachhaltig prägen könnten.

Die Brachflächen gegenüber vom Schloss sollen verschwinden, im Fischerkiez könnten Wohnungen entstehen. Die hellroten und roten Gebäude zeigen, wie die Flächen an der Havel sich entwickeln könnte.

Marco Winkler/UmbauStadt

Spannend wird die Ecke rund um das Schloss. Hinter dem Schlosspark könnte eine Gartensiedlung entstehen – zwischen Kanal und Havel. Auf dem Schloss gegenüberliegenden Parkplatz will die Stadt das historische Rathaus und spätere Hotel Eilers als Verwaltungs- und Dienstleistungsgebäude wiederaufbauen. 2025 könnte der Bau starten. Auf den Grafiken von StadtUmland sind weitere Gebäudekomplexe zu sehen, unter anderem auf der kompletten Brachfläche zwischen dem späteren Hotel Eilers und der Havelstraße.

Auch die Fläche zwischen Berliner Straße und Neringstraße ist bebaut, an der Spitze Richtung Schloss blickend ist ein neues Wohngebäude zu sehen. Ebenso sind auf dem Areal zwischen Neringstraße und Havel Wohnblöcke hinter der Stadtbibliothek bis zur Kreisverwaltung skizziert. Weiter geht es auf der anderen Havelseite zum Fischerkiez mit den vielen Kleingärten. Hier sehen die Stadtplaner großes Potenzial, Wohnungen zu bauen. Viel Beton, wenig Grün? Parallel zu mehr Flächenversiegelungen baut die Stadt gerade einen neuen Park an der Walther-Bothe-Straße.

Die Grafik zeigt in der Mitte die Bahnüberführung in der Bernauer Straße. Auf der Brachfläche an der Rungestraße könnten Wohngebäude entstehen, jenseits der Bahntrasse ebenfalls.

Marco Winkler/UmbauStadt

Für die Bernauer Straße gibt es seit Jahren zahlreiche Ideen und Abwägungen. Das Zentrum Oranienbugs soll als „multifunktionaler, zentraler urbaner Erlebnis- und Einzelhandelsstandort“ gesichert werden, die Aufenthaltsqualität steigen. In den Stadtentwicklungsideen sind auch ein Umbau zur Fußgängerzone oder eine „Verengung der Fahrbahn durch Wegfall des Mittelstreifens“ zu finden.

Die 11.000 Quadratmeter große Brachfläche an der Rungestraße ist auf den Grafiken mit einzelnen Wohnblöcken abgebildet. Die Fläche gehört der Woba. Deren neuer Geschäftsführer Christian Urban könnte sich eine Mischung aus Wohnungen und Gewerbe vorstellen. Auch die Flächen hinter den Bahngleisen bieten linker- und rechterhand Potenzial für Bebauung. Angedacht ist am Bahnhof ein Tunneldurchstich zur Neustadt.

Spannend sind die Pläne für den Pendlerparkplatz an der Stralsunder Straße. Es könnten laut Stadtplaner mehrere kleine Parkhäuser und Wohnungen entwickelt werden. Auch der Garagenkomplex zur Havel hin könnte verschwinden.

Marco Winkler/UmbauStadt

Interessantes Potenzial wird auf dem jetzigen Parkplatz zwischen Stralsunder und Lehnitzstraße gesehen. Die Politik machte im Juli 2023 den Weg frei für ein Parkhaus. Bis Ende des Jahres soll ein Konzept vorliegen. Laut des bisherigen Stadtentwicklungskonzeptentwurfs könnten dort auch zwei kleinere Parkhäuser entstehen und die restliche Fläche mit Wohngebäuden bestückt werden. Auf der anderen Seite der Lehnitzstraße zur Havel hin, wo aktuell ein Garagenkomplex angesiedelt ist, sei ebenfalls Potenzial für ein neues Wohngebiet. Daneben, wo der Stadthof neu entstehen soll, könnte ein drittes Parkhaus Platz finden.

Zahlreiche Projekte in den Ortsteilen

Die Ortsteile wurden gesondert betrachtet. Es gibt zahlreiche kleinere und größere Projekte. Die Ortskerne sollen entwickelt werden, innovative Arbeitsmodelle müssten gefördert, Geh- und Radwegen ausgebaut werden. Für Lehnitz sei ein neuer Spielplatz nötig, für Sachsenhausen das Mehrgenerationenhaus, ein Havelpfad von Sachsenhausen in die Kernstadt ist aufgelistet, ebenso wie die Reaktivierung vom alten Bauernmarkt und der Bahnstrecke Zehlendorf-Liebenwalde.

Die Arbeit an dem Strategiepapier und der Wohnungsstrategie ist nicht abgeschlossen, sie geht weiter. Im November soll es eine weitere Online-Beteiligung geben, die finalen Entwürfen könnten im Frühjahr 2024 den Stadtverordneten zur Beschlussfassung vorliegen.