Wohngebiet am Aderluch
: Oranienburg würdigt acht Frauen mit Straßennamen

Die Straßenbenennungskommission bleibt bei ihren Namensvorschlägen für das neue Wohngebiet am Aderluch. Die Namensliste der Gedenkstättenstiftung soll bei weiteren neuen Straße berücksichtigt werden.
Von
Friedhelm Brennecke
Oranienburg
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Neues Wohngebiet: 187 Häuser entstehen derzeit am Aderluch auf dem Gelände des ehemaligen KZ-Außenkommandos "Zeppelin", das später Staatsreserve und Quelle-Lager war. Acht neue Straßen erschließen das Areal zwischen Aderluch und Bahndamm.

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„Nach zwei längeren Sitzungen, in denen hart um eine historisch ausgewogene Namensliste gerungen und ein guter Kompromiss gefunden wurde, legten wir im Dezember 2019 unsere Vorschläge vor“, so Dirk Blettermann (SPD) als Vorsitzender der Straßenbenennungskommission. Der Hauptausschuss nahm die Liste am 2. März einstimmig an. Dabei hatte die Gedenkstättenstiftung bereits im Mai vorigen Jahres eine Liste mit acht Namen ehemaliger KZ-Häftlinge, darunter aber nur eine Frau, eingereicht. Aktuell schob die Stiftung eine Liste mit Frauennamen nach.

„Wie steht es jetzt um unseren Konsens?“, fragte Blettermann am Donnerstagabend in die Runde. „Diese Sitzung ist entbehrlich. Der Bürgermeister hätte unseren Vorschlag nicht zurückziehen dürfen“, kritisierte Daniel Langhoff (FDP). Seine Fraktion stehe zu der Liste, die dank guter Recherche der Gleichstellungsbeauftragten erstellt wurde. Auch die Vertreter der übrigen Fraktionen signalisierten Zustimmung. „Es ist ein hart errungener Konsens, der alle zuvor festgelegten Kriterien erfüllt, ausgewogen ist und beiden Seiten der doppelten Historie von Sachsenhausen gerecht wird“, sagte Thomas Ney (Piraten/FWO).

Widerspruch kam nur von Elke Kästner (Linke). Sie fand, dass für den Standort des früheren KZ-Außenkommandos „Zeppelin“ am Aderluch auf Namen  ehemaliger Häftlinge zurückgegriffen werden müsse. Die Namen der Kommission könnten für weitere neue Straßen eine Verwendung finden. Über die Bedeutung des Standortes habe sie erst jetzt durch die Stiftung erfahren, so Elke Kästner.

Stiftungsdirektor Axel Drecoll sagte, dass rund 700 Männer Zwangsarbeit am Aderluch leisteten. Vieles sei aber noch zu erforschen. Er begrüße es, wenn die Stadt mit Namen ehemaliger KZ-Insassen einen klaren historischen Bezug gerade zu diesem, der Gedenkstätte so nahen  Standort, herstellen würde. Das habe eine hohe Symbolkraft, sei aber allein Entscheidung der Stadtverordneten. Auch Andreas Meyer, Vize-Präsident des Internationalen Sachsenhausen Komitees (ISK), bat darum, die Vorschläge der Stiftung nicht zu ignorieren. Michael Ney (CDU) sprach sich dafür aus, die von der Gedenkstätte übermittelten Namen bei künftigen Straßenbenennungen zu berücksichtigen.

Sowohl Andreas Meyer als auch Bürgermeister Alexander Laesicke (parteilos) räumten ein, dass die Kommunikation beim sensiblen Thema Straßennamen zwischen Stiftung, ISK und Stadt  hätte besser funktionieren müssen. „Diese Extra-Runde hat sich gelohnt, weil jetzt alle zur Erkenntnis gelangten, bei den vielen gemeinsamen Themen zwischen Stadt und Gedenkstätte rechtzeitig miteinander zu kommunizieren“, so Laesickes Fazit.

Diese Frauennamen werden vorgeschlagen

Hildegard-Busse-Straße(Planstraße A);

Ida-Ihle-Straße(Planstraße B);

Marie-Bieber-Straße(Planstraße C);

Elise-Zorn-Straße(Planstraße D);

Galina-Romanowa-Straße(Planstraße E);

Rosa-Broghammer-Straße(Planstraße F);

Gisela-Gneist-Straße(Planstraße G);

Jette-Bath-Straße(Planstraße I).⇥bren