Zurück im Leben
: Tessa lässt den Blutkrebs hinter sich

Die 24-jährige Tessa Szereiks aus Birkenwerder ist vier Jahre nach der Diagnose „Blutkrebs“ auf dem Weg zurück ins Leben.
Von
Markus Baluška
Birkenwerder
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Markus Baluska

Vor ziemlich genau vier Jahren hat Tessa Szereiks die Diagnose bekommen: Leukämie, also Blutkrebs. Wenn die fast 24-Jährige aus Birkenwerder über die vergangenen vier Jahre spricht, erzählt sie etwa so, als hätte sie ein Glas Milch verschüttet. Jammern kennt die bemerkenswerte Frau nicht. Ihr Motto lautet: „Nie aufgeben, es geht immer vorwärts, man darf sich selber nie aufgeben.“

Inzwischen macht Tessa mit großer Freude eine Ausbildung zur Bürokauffrau bei BASF in Berlin. Die Stelle wollte sie eigentlich schon ein Jahr früher antreten. Aber wegen der Stammzelltransplantation konnte sie im Jahr 2017 noch nicht anfangen. Ihr Arbeitgeber wusste von Anfang an Bescheid über Tessas Gesundheitszustand und hat auf die Birkenwerderanerin gewartet. „Die mochten mich wohl und fanden mich gut“, sagt Tessa heute augenzwinkernd dazu.

Auch bei den Kolleginnen und Kollegen trifft sie auf viel Verständnis. Alle drei Wochen fehlt sie einen Tag. „Dann bekomme ich einen Beutel“, erzählt sie. Das ist eine Infusion, die sich über mehrere Stunden hinzieht, mit der ihr immer noch sehr schwaches Immunsystem unterstützt wird. „Mein Immunsystem ist auf der Stufe von Aids“, beschreibt sie ihre gesundheitlichen Einschränkungen und spricht das so cool aus, wie andere beschreiben, dass sie sich in den Finger geschnitten haben. Dabei nervt es sie, wenn sie nichts tun kann. Oder wie Tessa Szereiks es ausdrücken würde: „Ich bin froh, dass ich jetzt wieder etwas tun kann.“

Seit sie erfahren musste, dass sie an Blutkrebs leidet, hat die junge zierliche Frau etwa ein Viertel ihrer Zeit im Krankenhaus verbracht. Etwa ein Jahr lang schlafen in Krankenzimmern, die sie sich mit fremden Menschen teilen musste. Ein Jahr lang Essen aus der Klinikküche. Und ein Jahr lang nicht im eigenen Badezimmer duschen können. Und das alles kommentiert sie: „Schlimmer geht immer.“

Der Optimismus und die Lebensfreude sind in jeder Hinsicht beeindruckend. Dabei ist sie noch lange nicht das, was allgemein als gesund bezeichnet wird. Sie ist sehr anfällig für Infekte. Gerade im Winter muss sie höllisch aufpassen, dass sie nicht von irgendjemand angeniest wird. Die Gefahr ist vor allem auf dem täglichen Weg zur Arbeit in der S-Bahn groß. Erst vor Kurzem musste sie eine veritable Grippe verkraften. Natürlich hat sie das geschafft. Die Diagnose Blutkrebs hat das Leben von Tessa Szereiks öfter durcheinander gewirbelt. Nach etwa 18 Monaten mit heftiger Chemotherapie und anstrengenden Bestrahlungen hieß es erst einmal, „Tessa, du bist geheilt“.

Doch ihr Körpergefühl signalisierte ihr etwas anderes. Eine weitere Blutuntersuchung brachte kurz vor Weihnachten im Jahr 2016 die brutale Gewissheit: Der Krebs im Blut ist nicht besiegt, jetzt kann nur noch eine Stammzelltransplantation helfen. Vor gut 20 Monaten wurde eine geeignete Spenderin gefunden, und die Behandlung wirkt. Ganz langsam wird Tessa wieder gesünder. „Ich habe ein gutes Gefühl“, sagt sie, auch wenn es noch eine Zeit lang dauern werde. „Ich kann ganz gut mit meinen Einschränkungen leben und mich darauf einstellen.“

Pläne für die nahe Zukunft hat die zierliche junge Frau auch. Sie will auf absehbare Zeit aus dem Elternhaus in Birkenwerder ausziehen in eine kleine Wohnung in der Hauptstadt. „Ich will alleine wohnen“, sagt die starke Persönlichkeit. „Denn Wohngemeinschaften hatte ich im Krankenhaus in der den letzten Jahren genug.“ Außerdem will sie ihre Ausbildung gut fertig bringen, und sie freut sich darauf, möglichst bald wieder gesund reisen zu können.

Ganz wichtig ist Tessa Szereiks, dass möglichst viele Menschen die Knochenmarkspenderdatei unterstützen.