Angeln: Mit der Stippe auf Friedfisch

Angler auf historischer Ansichtskarte von den Rathenower Archen.
Peter WittstockVor einem Jahrhundert war die Angelei auf Friedfische noch sehr simpel und weit verbreitet. Fix eine Hasel– oder Weidenrute abgeschnitten, eine dünne Strippe dran gebunden, die Pose aus Gänsefeder oder Kork an dieser befestigt und schließlich mit kleinen Bleistücken oder Kunstperlen ausgeglichen. Zu guter letzt nur noch einen Haken ans untere Ende der Schnur geknotet -fertig!
Es gab damals bereits industriell hergestellte Schnüre und Haken, aber viele Utensilien wurden von passionierten Anglern selbst angefertigt. Viel wurde improvisiert. Eine Generation gab ihre Erfahrungen an die nächste weiter. Es angelten alle gern — vom Senior bis zum Kind. Gute Köder gab es schon immer reichlich. Wer auf Schnecken, Muscheln, Krebsfleisch, Regen– oder Tauwürmer verzichtete, knetete sich Brotreste zu kleinen Murmeln, steckte Maiskörner oder Erbsen auf den Haken.
Eine alte Ansichtskarte zeigt einen im Kahn stehenden Angler, der an den Rathenower Archen festgemacht hat und eine etwa drei Meter lange Rute nutzt. Da im Hintergrund ein weiterer Petrijünger mit Kahn zu sehen ist, scheint es so, dass es sich an den Rathenower Archen um eine durchaus ergiebige Fangstelle gehandelt haben dürfte.
Zahlreiche Anglermotive von damals zeugen davon, dass reichlich westhavelländischer Friedfisch auf heimische Teller und in Räucheröfen gekommen sein muss. Wer wusste, wie, wo, wann und auf was Aale, Brassen (Bleie), Plötzen, Rotfedern etc. beißen, fing sich seine Mahlzeiten. Das Angelzubehör verbesserte sich im Laufe der Zeit drastisch. Bereits in den 1950–er Jahren bildeten sich Schlangen vor Fachgeschäften, in denen Angler bis zu sechs Meter lange Bambusruten ergattern wollten. Wer dann auch noch sogenannte Stachelschweinposen und vergoldete „Westhaken“ besaß, dem war schon vor einem Fang das Anglerglück hold.
Später wurden erste Ruten aus Glasfiber angeboten. Stippangeln bis zu acht Meter Länge und stolzem Gewicht von 1,5 Kilogramm waren allerdings eine Tortur für die Petrijünger bei mehrstündigem Plötzenstippen. Heute können schon kleine Kinder ultraleichte Kohlefaserruten einhändig beherrschen. Monofile– und vor allem geflochtene Schnüre von 0,2 Millimeter Stärke halten beim Drill inzwischen großen Karpfen oder Welsen stand.
Das Geschäft mit der Angelei boomt gegenwärtig weltweit. Allein in Deutschland werden jährlich etwa fünf Milliarden Euro für Angelzubehör ausgegeben. Tendenz steigend. Derweil kann klassische Angelei mit einfachen Mitteln wie in alten Zeiten extrem günstig sein.
In ganz Brandenburg ist das Angeln auf Friedfische ohne Fischereischein für Kinder und Erwachsene möglich. Auch im Westhavelland stippen viele Urlauber. Tages– und Wochenkarten, die zusammen mit der Fischereiabgabemarke, erworben werden können, gibt es in Zoohandlungen, Anglerläden sowie in der Rathenower Touristinfo am Kirchberg.