Braunkohle: Durchs Welzower Fenster sehen, wie Tagebau funktioniert
Diesen Namen trägt eine Aussichtsplattform, die wie ein querformatiger Fensterrahmen wirkt. Von der einen Seite, in Richtung Welzow geschaut, ist Leben zu sehen. In der anderen Richtung öffnet sich ein Panoramablick in den rund 80 Quadratkilometer großen Tagebau Welzow-Süd. Das jährliche Produktionsvolumen beträgt dort mehr als 20 Millionen Tonnen Braunkohle, die im nahe gelegenen Kraftwerk „Schwarze Pumpe“ verstromt werden.
„Der liebe Gott schuf die Lausitz, der Teufel schob Kohle darunter“ - so lautet ein wendisch-sorbisches Sprichwort. Vom Welzower Fenster aus kann der interessierte Tourist sehen, wie tief die Braunkohle liegt und wie sie abgebaggert wird. Irgendwo in südöstlicher Richtung befand sich das 2006 aufgelöste Haidemühl. Das war der Geburtsort von Werner Bader (1922-2014), der Vorsitzender des Kulturfördervereins Mark Brandenburg war. Ín seinem havelländischen Wahlheimatort Görne hatte er einen Stein seines Elternhauses stets aufbewahrt.
Wie Haidemühl sind 16 andere Orte durch den Braunkohleabbau in Welzow-Süd von der Landkarte verschwunden. Immerhin wurde Haidemühl als Ortsteil von Spremberg neu gegründet.
Das Welzower Fenster wurde in einem denkwürdigen Jahr errichtet. 2014 stimmte die rot-rote Landesregierung der Erweiterung des Tagebaus um ein Teilfeld zu. Damals erhielt der schwedische Energiekonzern Vattenfall die notwendige Planungssicherheit. Noch im selben Jahr verkündete er, sich aus der Lausitz verabschieden zu wollen. Greta Thunberg war zwar noch eine unbekannte Grundschülerin, aber in Schweden entwickelte sich bereits ein grünes Gewissen. Wegen Abbaus und Verstromung von Braunkohle in der Lausitz drohte Vattenfall erheblicher Imageschaden. Was die Erweiterung nun betrifft, liegt der Ball bei der neuen Tagebaubetreiberin Leag, die 2020 entscheidet, ob sie im genehmigten Teilfeld aktiv werden will oder nicht. Zwei wendisch-sorbische Dörfer namens Prozym und Sibirska stehen sozusagen auf der Kippe.
In die seit Montag laufenden Koalitionsverhandlungen für ein rot-schwarz-grünes Regierungsbündnis ging die Partei Bündnis90/Die Grünen mit einer sogenannten „Roten Linie“, über die es für sie kein Hinaus geben soll. Die Grünen lehnen neue Tagebaue bzw. Erweiterungen ab. Das könnte sich als Knackpunkt in den Verhandlungen erweisen. Grüne Verhandlungsführerin ist übrigens die Havelländerin Ursula Nonnemacher.
Fest steht bereits, dass die Braunkohleverstromung spätestens 2038 in Deutschland endet. Bis dahin dürfte Welzow noch zahlreiche Touristen begrüßen, die sich für Braunkohle interessieren. Im Ort befindet sich mit dem „excursio“ genannten Besucherzentrum eine Anlaufstelle. „Von hier aus starten regelmäßig exklusive Erlebnistouren in den aktiven Tagebau Welzow-Süd mit seiner imposanten Großgerätetechnik sowie in die faszinierende Bergbaufolgelandschaft“, so wird online auf welzow.de eingeladen. Am 5. Oktober heißt es „Von der Kohle zum Strom“. Geboten wird eine Besichtigungstour in Tagebau und Kraftwerk.

