Demos
: Mit Greta freitags streiken

Am 29. März demonstriert Greta Thunberg in Berlin. „Fridays for Future“-Unterstützer hat sie nun auch im Havelland.
Von
Silvia Passow
Havelland.
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Eine der Botschaften auf der "Fridays for Future"-Demo am 15. März in Falkensee. Am 29. März kommt mit Greta Thunberg jene schwedische Schülerin ins benachbarte Berlin, die als erste freitags streikte und inzwischen für den Friedensnobelpreis nominiert ist.

Passow

Seit die 16–jährige Schwedin Greta Thunberg im August 2018 den Freitag zum persönlichen Streiktag erklärte und seither freitags zur Schulzeit vor dem  schwedischen Reichstagsgebäude steht, folgen immer mehr Schüler ihrem Beispiel. Als auch die Falkenseer sich beteiligten, protestierten Kinder und Jugendliche in mehr als 100 Staaten. Deutschlandweit streikten zehntausende Schüler/innen für sofortige Maßnahmen gegen den Klimawandel, für den Umweltschutz und für ihre Zukunft.

„Die derzeitigen Maßnahmen zum Klima–, Arten–, Wald–, Meeres– und Bodenschutz reichen bei weitem nicht aus“, heißt es in einer Stellungnahme der „Scientists for Future“, sozusagen das wissenschaftliche Pendant zur Jugendbewegung. 19.000 Forscher aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben dazu eine Stellungnahme unterschrieben, wie es in einer Mitteilung des Potsdam–Instituts für Klimafolgenforschung auf www.pik–potsdam.de heißt. Der Direktor des Instituts, Ottmar Edenhofer, sagt: „Wir sind schon mitten drin, im Klimawandel.“

„Wir schwänzen nicht, wir kämpfen“ — das war eine Botschaft an die Adresse jener Leute in Politik und Ministerien, die die Kinder und Jugendlichen dafür kritisieren, dass sie lieber demonstrieren statt lernen. Aus dieser Richtung wird teils  auch kolportiert, dass es vielen Teilnehmern darum ginge, die Schule zu schwänzen. Entsprechend lautete eine weitere Botschaft aus Falkensee: „Klima–Wandel kann man nicht schwänzen“.

Ein pensionierter Lehrer, der die dortige Demo begleitete, meinte, es gäbe doch Mittel und Wege für einen diplomatischen Weg. So etwa ein Demo–Besuch im Rahmen der Politischen Bildung. Genau das sieht auch der Rathenower Daniel Golze so. Der Rechtsanwalt (und Linke–Kommunalpolitiker) hat im Vorfeld der Demo ein Angebot an Schulen unterbreitet. Seine Kanzlei organisiert Praktika, die die Teilnahme an den Fridays For Future ermöglichen — sozusagen als Teil der Politischen Bildung. Mehr dazu auf seiner Facebook–Seite.

Das Ministerium für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg (MBJS) hat zu den Demonstrationen folgendes Statement abgegeben: „Wir begrüßen es, dass sich die Schülerinnen und Schüler politisch und gesellschaftlich engagieren. Wir haben großes Verständnis für ihr Anliegen, eine nachhaltige Umweltpolitik zu fordern und auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam zu machen. Das unterstützen wir. Die Schülerdemos rücken die Themen noch einmal in den Mittelpunkt des Interesses und veranlassen sicher viele Lehrerinnen und Lehrer, sie im Unterricht zu behandeln. Neben außerschulischen Orten bietet selbstverständlich auch der Unterricht zahlreiche Möglichkeiten, die Themen Umweltschutz und Klimawandel aufzugreifen und zu diskutieren. Viele Schulen tun das. Das ist ein guter Weg. Wir schätzen das Engagement der Schülerinnen und Schüler. Wir weisen aber auch darauf hin, dass die Schulpflicht nicht außer Kraft gesetzt werden darf. Wir vertrauen den Schulen. Sie gehen verantwortungsvoll damit um.“

Haben die Schulen einen Ermessenspielraum? Dazu MBJS–Sprecher Ralph Kotsch auf Nachfrage dieser Zeitung: „In Sachen Schulpflicht haben die Schulen keinen Ermessensspielraum, die ist gesetzlich vorgeschrieben. Die Schulen haben aber die Möglichkeit, die Teilnahme an den Demonstrationen unter bestimmten Kriterien zu ermöglichen.“

Der  Jugendverband des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. weist auf seiner Webseite www.bundjugend.de darauf hin, dass der einfachste Weg an den Kundgebungen teilzunehmen, ohne unentschuldigt zu fehlen, die Befreiung vom Unterricht sei.

Die Seite listet eine Vielzahl von Informationen rund ums Thema auf. Ferner stehen dort Termine wie für einen europäischen Schulstreik am Freitag, 24. Mai. Auch wird auf den Freitag, 29. März, hingewiesen. Da will Greta Thunberg mit Gleichgesinnten in Berlin demonstrieren. Am Tag danach soll sie in Berlin die Goldene Kamera bekommen, den erstmals vergebenen Sonderpreis Klimaschutz. Inzwischen ist die freitags streikende Schülerin sogar für den Friedensnobelpreis nominiert.