Mit Büchern aus der Sammlung von Hans-Jürgen Thiedig (Berlin) will das im vergangenen Jahr in Kleßen eröffnete Kinderbuchmuseum Havelland ab 8. August 2021 einen Überblick über knapp 200 Jahre der Märchenbuch-Produktion geben. Dabei werden Märchen in Erinnerung gerufen, die Anstrengungen derjenigen beschrieben, die Märchen gesammelt und aufgezeichnet haben, Autoren und Illustratoren vorgestellt und Wege in das Labyrinth der Deutung von Märchen aufgezeigt.

Eine Reihe rarer deutscher Volksmärchen-Bücher

Die von Museumsleiterin Birgit Jochens kuratierte Ausstellung bietet damit Anregungen zu einer bewussten Auseinandersetzung mit Märchen, die - weil Märchen so selbstverständlich zu unserer Kultur gehören und weil sie gewöhnlich der Lebenswelt des Kindes zugeordnet werden - oft vernachlässigt wird. Ausgestellt wird eine Reihe rarer deutscher Volksmärchen-Bücher wie Franz Graf von Poccis Blaubart (1845), ebenso seltene Kunstmärchen-Bücher der Romantik, Gustav Dorés Rotkäppchen-Illustrationen (1862), die zu den berühmtesten Darstellungen dieses Märchens gehören, und vom Jugendstil geprägte Märchenbücher wie von Gertrud Caspari.
Dargestellt wird auch, wie die einzigartigen, zwischen 1907 und 1909 entstandenen Illustrationen Otto Ubbelohdes den Märchen der Brüder Grimm den Weg in die japanische Kultur geebnet haben.

1925 für eigene Kinder geschrieben und illustriert

Als Höhepunkt der Schau gilt das Märchenbuch, das Marie Bruns-Bode um 1925 für ihre eigenen Kinder geschrieben und illustriert hat. Die erstgeborene Tochter Wilhelm von Bodes, des Generaldirektors der Berliner Museen, gab mit ihrem bislang unveröffentlichten Kinderbuch über eine Puppengesellschaft einen Einblick in das Familienleben des Berliner Bürgertums. 

Zur Nachahmung anregen

Dass Märchen für viele Menschen auch heute noch Bedeutung haben, beweisen Märchen und Mitteilungen über Märchen, die Museumsfreunde und -freundinnen aus Brandenburg und Berlin eigens für diese Schau geschrieben und für die Ausstellung zur Verfügung gestellt haben.
Welches Märchen für ihr Leben Bedeutung hat, darüber berichten auch 35 Menschen aus unterschiedlichen Herkunftsländern, die heute in Rheinland-Pfalz leben. Mit der Vorstellung dieses Volkshochschulprojekts möchte das Kinderbuchmuseum in Kleßen zur Nachahmung anregen.