Dass sich mit der Kraft der Sonne Strom produzieren lässt, ist allgemein bekannt. Dass indessen typische DDR-Plattenbauten mit Flachdächern wie gemacht sind für Photovoltaikanlagen, hat sich im Havelland noch nicht herumgesprochen. Die bislang einzigen Häuser, die hier zu diesem Zweck ausgerüstet wurden, befinden sich in der Stadt Rhinow. Der sogenannte „Mieterstrom“ fließt seit voriger Woche.
Auf den drei Blöcken der Wohnungsgesellschaft Westhavelland (WWH) in der Straße der Jugend befinden sich jetzt insgesamt 178 Solarmodule, die jährlich etwa 170 Megawatt Strom liefern sollen.

Projektstart in Rhinow war im Herbst 2019

Im WWH-Auftrag hatte das Tochterunternehmen, die Westhavelländische Service- und Immobiliengesellschaft (WSI), das Projekt seit Herbst 2019 voran getrieben. Geschäftsführerin Melanie Kolbatsch-Weremschuck war seinerzeit an die in Berlin ansässige Solarimo GmbH, ein Start-up-Unternehmen, heran getreten. Der Betriebsschalter wurde Ende März 2022 umgelegt.
Das Projekt hat die WWH praktisch nichts gekostet, stattdessen bekommt sie sogar Geld. Denn sie verpachtet die Dachflächen für 20 Jahre, mit der Option zur Verlängerung um weitere fünf Jahre. Die Kosten für Anschaffung, Installation und Betrieb der Photovoltaikanlagen trägt die Solarimo GmbH allein.

Potentielle Kundschaft: 32 Wohneinheiten in jedem der drei Plattenbauten

Das Unternehmen produziert nun auch in Rhinow Strom, der direkt zu jenen Mietern fließt, die einen Solarimo-Vertrag abgeschlossen haben. In jedem der Blöcke gibt es 32 Wohneinheiten. Solarimos Ziel ist es, mindestens 70 Prozent der Mieter zu versorgen. Überschüssiger Strom wird ins Netz eingespeist. Wird mehr verbraucht, als die Sonne liefern kann, gibt es ebenso „grünen“ Strom aus Wasserkraft.
„Mieterstrom“ nennt sich das Konzept. Laut Firmenangaben im Internet wurden deutschlandweit erst etwa 100 Projekte umgesetzt, rund 7.000 Wohneinheiten beziehen Solarimo-Mieterstrom. Eine Verpflichtung zum Abschluss eines Versorgungsvertrags haben auch die Rhinower Mieter nicht. Sie können frei wählen. Doch könnte der Preis überzeugen: Laut deutschem Mieterstromgesetz muss der Kilowattpreis mindestens zehn Prozent unter dem des örtlichen Grundversorgers liegen.
Melanie Kolbatsch-Weremschuck und Kundenbetreuer Stefan Schneider, der WSI-seitig eng mit Solarimo zusammengearbeitet hat, zeigen sich zufrieden. Sie haben einen kleinen, aber durchaus beispielgebenden Beitrag zur Energiewende im Havelland geleistet.