Ein Eisenhut voller Münzen: Um 1900 sollen, so ist es in Rathenow überliefert, zwei Jungen den spektakulären Fund in der Neustadt gemacht haben. „Die Kunde von dem Schatz im Eisenhut verursachte in der ganzen Stadt ein lebhaftes Buddeln. Überall suchte man nach unterirdischen Gängen und Schätzen“, so schrieb der promovierte Historiker Rudolf Guthjahr (1904-1988) im Rathenower Heimatkalender des Jahres 1968.

Silbermünzen aller Art

Bei Erscheinen der Publikation war der Autor als Stadtarchivar tätig. Der Fund soll aus Silbermünzen aller Art und Größe bestanden haben: Taler, Dukaten, Silbergroschen etc. 2016 hat Autor Eugen Gliege diese Story in seinem damals erschienenen Buch „Die Stadt Rathenow in alten Bildern und Geschichten“ mit aufgenommen.

Schatz dem Bürgermeister ausgeliefert

Der Fundort befand sich offenbar in einem Kellergewölbe bzw. Kellergang unter dem damaligen Rathaus der Neustadt, wo die Schleusenstraße auf die Berliner Straße trifft. Vom 1945 stark beschädigten Rathaus steht kein Stein mehr. Wie Guthjahr ferner überlieferte,  sollen die Jungen  mit ihrem Schatz von den Eltern erwischt worden sein und hätten diesen dem Bürgermeister ausliefern müssen. Von 1893 bis 1906 war Fritz Koblanck der ranghöchste Rathenower. Ein Heimatmuseum und einen Betreiberverein gab es noch nicht.

Ein Helm, wie ihn König Gustav II. Adolf trug

Was aus den Münzen und dem Eisenhut wurde, wie ihn laut Guthjahr die schwedischen Reiter im Dreißigjährigen Krieg trugen, ist völlig unklar. Wer wissen will, wie ein solcher Kopfschutz überhaupt aussah, sollte das Etikett des Pilsners namens Ur-Krostitzer betrachten. Es zeigt das Konterfei des schwedischen Feldherren Gustav II. Adolf (1594-1632) mit Helm. Der König soll Anfang September 1631 in Krostitz bei Leipzig eine Kanne Bier in einem Zug gelehrt haben und mit dem Trunk sehr zufrieden gewesen sein.

Rathenow mehrfach geplündert

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648) war Rathenow zum Ziel dreier Streitparteien geworden. Die Stadt musste 1626, 1627, 1630, 1636 und 1641 Truppendurchzüge, Einquartierungen und Plünderungen über sich ergehen lassen, wie im Sachbuch „Das Havelland um Rathenow und Premnitz: eine landeskundliche Bestandsaufnahme“ (Böhlau-Verlag/2017) berichtet wird. 

Errichtung der Neustadt erst ab 1733

Neben kaiserlichen und brandenburgischen Truppen waren auch schwedische Einheiten durch Rathenow gezogen.  Allerdings gab es damals noch gar keine Neustadt. Erst ab 1733  wuchs das noch sehr kleine Rathenow über die von Havelwasser umflossenen Mauern der Altstadtinsel hinaus.