Auf der Landstraße von Rathenow über Bamme nach Brandenburg an der Havel - Liebhaber entspannter naturnaher Überlandtouren haben ihre Freude an der durchaus kurvenreichen Wegeführung. An der Straße erinnert aber nichts daran, dass mit ihrem Bau einst neue infrastrukturelle Zeiten anbrachen.

Ablehnung durch den Landadel

In Rathenow stadtein- und auswärts ist von Bammer Landstraße die Rede. Es ist die erste von der Stadt ausgehende Chaussee gewesen. Im Grunde war das Projekt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts vom damals noch mächtigen Landadel der Region nicht gewollt. „Die Gutsbesitzer waren an überregionalen Verkehrsstrukturen nicht interessiert und wollten ihren bestimmenden Einfluss auf alles öffentliche Geschehen erhalten“, so der geschichtsinteressierte Rathenower Dieter Seeger in einem vor Jahren veröffentlichten Beitrag über die revolutionären Zeiten Mitte des 19. Jahrhunderts (1848/1949).

Arbeitsbeschaffungsmaßnahme des 19. Jahrhunderts

So kurios das auch klingt, handelte es sich beim damaligen Straßenbauprojekt sozusagen um eine frühindustrielle Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. „Wie in vielen anderen deutschen Städten litt auch in Rathenow das Wirtschaftsleben unter der seit 1847 herrschenden Wirtschaftskrise. Als unter dem Einfluss der revolutionären Ereignisse die Arbeiter stärker mit ihren Forderungen nach Arbeit und sozialer Sicherheit hervortraten, versuchte der Magistrat sie durch Notstandsarbeiten ruhig zu stellen. Der lange geplante Bau der Chaussee nach Brandenburg über Bamme, Mützlitz wurde begonnen“, wie Seeger weiter ausführt.

Achtjährige Bauzeit

Das Projekt startete am 8. Mai 1848. Acht Jahre später war die Straße fertig. Aktuell ist sie zwischen Rathenow und Bamme wegen Sanierungsarbeiten für noch etwa anderthalb Jahre voll gesperrt. Die Umleitung erfolgt über die B188 und Nennhausen.