Ein durchaus denkwürdiges Objekt ist jener etwa zehn Meter hohe Obelisk, der sich im Osten des Landkreises Havelland erhebt. Denn in den Granit geritzte kyrillische Schriftzeichen sind Beleg dafür, dass sich dort einst ein geschichtlicher Kreis geschlossen hat. Ab 1903 hatte der preußische König und deutsche Kaiser auf dem Hasenheideberg an ein Manöver erinnern wollen, das Friedrich der Große dort mit zehntausenden Soldaten abhalten ließ. Das geschah in Friedenszeiten des Jahres 1753. Der nächste Krieg nahte seinerzeit.

Krieg mit Russland zunächst kaum denkbar

Noch Anfang des 18. Jahrhunderts bestand friedliche Koexistenz zwischen dem 1701 gegründeten Königreich Preußen und dem russischen Zarenreich. 1716 hatte der sogenannte Soldatenkönig, Friedrich Wilhelm I., sogar einen spektakulären Handel angebahnt. Er vermachte dem Zaren das Bernsteinzimmer zum Preis von mehreren hochgewachsenen russischen Soldaten, die fortan im preußischen Königs- bzw. Leibregiment („Lange Kerls“) dienen mussten. Insgesamt waren die Zeiten noch eher friedlich für Preußen. Ein Krieg mit Russland war kaum denkbar. Das änderte sich ab 1740 dramatisch, nachdem Friedrich II., der Sohn des Soldatenkönigs, den Thron bestiegen hatte.
Nicht nur auf dem Sockel des Obelisken in der Döberitzer Heide sind vielfältige Schriftzeichen eingraviert worden. Der Obelisk wurde Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet und sollte an Manöver erinnern, die Friedrich der Große dort abhalten ließ.
Nicht nur auf dem Sockel des Obelisken in der Döberitzer Heide sind vielfältige Schriftzeichen eingraviert worden. Der Obelisk wurde Anfang des 19. Jahrhunderts errichtet und sollte an Manöver erinnern, die Friedrich der Große dort abhalten ließ.
© Foto: Sandra Euent
Seit Mai neuer König, fiel der von Großmachtgelüsten getriebene Friedrich II. schon im November in Schlesien ein, das damals zu Österreich gehörte. Preußen löste den Ersten Schlesischen Krieg (1740-1742) aus, bei dem Russland nun Teil der gegnerischen Allianz war. Preußens Allianz behielt die Oberhand. Auf den Ersten folgte der Zweite Schlesische Krieg (1744/1745), der den schlesischen Besitz sicherte und Preußens Stellung stärkte. Das von Zarin Elisabeth I. beherrschte Russland hatte diesmal nicht zu den Gegnern gehört.

Oderbruch, Kartoffeln und Militärmanöver im Havelland

König Friedrich II. wusste nur allzu gut, dass die Lage sich schnell wieder ändern könnte. In seinem Reich setzte er Entwicklungen in Gang, die man heute durchaus als Vorbereitung auf den nächsten Krieg betrachten könnte. Denn der König brauchte mehr Volk, das ihm Soldaten bescheren sollte, und Grundnahrungsmittel, um die wachsende Bevölkerung zu ernähren. Also ging er daran, das Oderbruch trocken zu legen. 33 neue Dörfer entstanden bis 1753.
Im selben Jahr ließ er in der Döberitzer Heide ein Manöver mit mehr als 40.000 Soldaten abhalten. Derweil brachte der König Kartoffelpflänzlinge unter sein Volk. Weil der Anbau nicht so recht in die Gänge kam, folgte im März 1756 der erste von mehreren Kartoffelbefehlen. Die Zeit drängte.

Einmarsch in Sachsen löste Siebenjährigen Krieg aus

Im August 1756 überfiel die preußische Armee ohne vorherige Kriegserklärung das Königreich Sachsen. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation erklärte wenige Monate später Preußen den Reichskrieg. Kaiser Franz I. aus dem Hause Habsburg-Lothringen war ein Sohn der österreichischen Regentin, die sich ohnehin in Opposition zu Preußen befand. Am 22. Januar 1757 begründeten Österreich und Russland eine gemeinsame Allianz gegen Friedrich II. Der sogenannte Siebenjährige Krieg nahm seinen Lauf.
Den Tiefpunkt der Ereignisse erreichte der König am 12. August 1759 in der Schlacht bei Kunersdorf (heute Kunovice, wenige Kilometer östlich von Frankfurt/Oder). Die preußische Armee unterlag der österreichisch-russischen Allianz. Erheblich geschwächt, konnte Friedrich II. eine russische Besetzung Berlins nicht verhindern, zu der es vom 9. bis 12. Oktober 1760 kam. Zur Besatzungsmacht gehörten Teile vom Armeekorps des Generalleutnants Sachar Grigorjewitsch Tschernyschow. Eben noch Kriegsgegner, musste er 1762 die Fronten wechseln. Was war geschehen?

Neuer Zar war Preußenfreund und Verehrer Friedrichs II.

Ende 1761 war die Zarin gestorben. Mit Peter III. hatte ein ausgemachter Preußenfreund und Verehrer Friedrichs II. den russischen Thron bestiegen. Peter III. schloss im Frühling 1762 Frieden mit Preußen, darüber hinaus stellte er ein 15.000 Mann starkes Hilfskorps unter Kommando von Generalleutnant Tschernyschow zur Verfügung. Das militärische Bündnis währte zwar nur ein halbes Jahr - bis zur Ermordung von Peter III. Doch dessen Nachfolgerin Katharina I. beließ den Frieden. Russland war ausgeschieden aus dem Siebenjährigen Krieg, der 1763 endete.
Preußen war nun neben Frankreich und Großbritannien im Westen, Österreich in der Mitte und Russland im Osten die fünfte Großmacht in Europa. 1764 unterzeichneten Preußen und Russland einen Vertrag, der ein Defensiv- und Offensivbündnis besiegelte. Nach der Teilung Polens, an der auch Österreich Anteil hatte, grenzten die Staaten aneinander.

Preußen, Österreich und Russland: Dreikaiserabkommen von 1873

1812 verzettelte sich der französische Kaiser Napoleon beim Versuch, Russland zu erobern. Er leitete dadurch selbst das Ende seiner Regentschaft ein. Im Laufe des 19. Jahrhunderts spitzte sich die Rivalität zwischen Österreich und Preußen um die Vorherrschaft im deutschsprachigen Raum zu. Im Deutschen Krieg (1866) siegte das von Preußen dominierte norddeutsche Staatenbündnis.
Nach dem gesamtdeutschen Sieg gegen Napoleon III. (1871) erfolgte die Ausrufung des deutschen Kaiserreichs, das ebenso preußisch dominiert war. 1873 unterzeichneten der deutsche, der österreichische und der russische Regent das sogenannte Dreikaiserabkommen. Russland kündigte es wenige Jahre danach aber wieder auf.
Als Wilhelm II. im Jahre 1903 den Obelisken in der Döberitzer Heide aufstellen ließ, inzwischen handelte es sich um einen regelmäßig genutzten Truppenübungsplatz, bestand ein Dreibund zwischen Deutschland, Österreich und Italien. 1907 trat Russland dem Bündnis (Entente) zwischen Frankreich und Großbritannien bei.

Obelisk in Döberitzer Heide mit kyrillischen Schriftzeichen

Auf den Ersten Weltkrieg (1914-1918) folgte der Zweite Weltkrieg (1939-1945). Die russische bzw. sowjetische Besatzungsmacht übernahm 1947 den Truppenübungsplatz in der Döberitzer Heide. Irgendwann in den Jahren bis 1992 haben Leute die kyrillischen Buchstaben in den Granit des Obelisken geritzt.
Durch Beitritt der DDR zur Bundesrepublik wurde auch der Osten Deutschlands zum NATO-Territorium. Zum 1. Januar 1995 wurden die in den neuen Bundesländern stationierten Einheiten der Bundeswehr in die Bündnisstruktur integriert. Die Osterweiterung setzte sich fort: Inzwischen gehören auch Polen, Tschechien, Ungarn, Lettland, Litauen, Estland, Rumänien, Bulgarien, Slowenien, Slowakei, Kroatien, Albanien und Montenegro zum westlichen Militärbündnis. Jüngstes Mitglied ist Nordmazedonien, das 2020 beitrat. Aktuell strebt Russland insbesondere danach, einen möglichen NATO-Beitritt der Ukraine zu verhindern.