Gesprächsgast: Landrat Roger Lewandowski vor Publikum in der Villa am See

Landrat Roger Lewandowski war Gast eines Gesprächs in der Villa am See.
Simone WeberFrüh brachte der Vater dem jungen Roger Politik näher. Er war gelernter Bäcker und Konditor und viele Jahre Stadtrat in Berlin–Charlottenburg. „Als ich 18 Jahre alt war, starb mein Vater früh, und ich wollte meiner Mutter nicht auf der Tasche liegen und folgte dem Wunsch meines Vaters Beamter zu werden“, so Lewandowski. Eine berufliche Karriere in der Berliner Senatsverwaltung für Inneres folgte. „Mit dem Regierungswechsel zu Rot–Grün Ende der 80er Jahre und meiner Versetzung ins langweiligste Referat, das für Beamtenbesoldung und Versorgung, dachte ich kurz an einen Ausstieg. Aber nach erneutem Regierungswechsel kam ich als Mitarbeiter eines Senators in die unmittelbare Politik“, so der Lewandowski.
Nach seinem Umzug 1994 nach Falkensee trat er der CDU bei, und die schickte ihn 2003 als Kandidaten für den Posten des Ersten Beigeordneten in die Landkreisverwaltung. 2016 wurde Lewandowski als Nachfolger von Burkhard Schröder zum Landrat gewählt. „Bisher habe ich keinen Tag im Landkreis, in der Verwaltung und als Landrat bereut.“
„Beim ersten Treffen war ich von seinem vielfältigen historischen Wissen überrascht“, sagte Stefan Behrens, der Fragen zu Lewandowskis politischen Visionen und zur Entwicklung des Havellands stellte. „Im Jahr 2016 stand das Havelland beim jährlichen Ranking in vielfältige Kriterien aller 402 deutschen Landkreise auf Platz 361. Mittlerweile steht das Havelland rund 50 Plätze weiter oben.“ Ziel seiner Politik sei es, dass sich die Menschen im Havelland wohlfühlen, gern bleiben und andere dazukommen — vor allem in die ländlichen Regionen. „Im Osthavelland haben die Menschen, die aus Berlin rausziehen und noch in der Hauptstadt arbeiten, oft das Problem, eine Identität zum Havelland zu entwickeln. Im ländlicheren Westhavelland sind die Menschen stärker verwurzelt. Aber da gibt es mehr strukturelle Probleme.“
Rahmenbedingungen dazu kann der Landkreis schaffen. Für den Landrat sind Themen wie der ÖPNV und die Sicherung einer breiten gesundheitlichen Versorgung wichtig. Auf dem Gebiet der wirtschaftlichen Entwicklung sieht er das wachsende Problem der Fachkräftesicherung. „Ein Mittel, junge Leute eine berufliche Perspektive im Havelland aufzuzeigen, ist die jährliche Berufemesse des Landkreises im MAFZ. Auch Flüchtlinge müssen stärker, auch als Fachkräfte, integriert werden“, so der Landrat weiter. „Zur Ansiedlung neuer Unternehmen sind weiche Standortfaktoren wie ÖPNV, wie ein schneller Bahntakt nach Berlin, Kitas, Schulen, Internet oder Grundstückspreise wichtig.“