2006 startete im Land Brandenburg ein Modellprojekt. Neben zwei anderen war das Havelland eine Modellregion für ein zu schaffendes „Netzwerk Gesunde Kinder“. 2007 begann die praktische Umsetzung. Sowohl der Landkreis als auch die Havelland-Kliniken agieren von Anfang an gemeinsam als Projektträger. Dieses Zusammenspiel zweier starker Partner sei einzigartig geblieben unter den inzwischen 21 Netzwerken, so die hauptamtlich tätige Projektkoordinatorin Andrea Thiele. Sie sieht darin das Erfolgsrezept. Nirgends sonst ist die Familienbetreuung umfangreicher. Wie sie im Beisein von Landrat Roger Lewandowski (CDU) und Jörg Grigoleit, Geschäftsführer der kreiseigenen Havelland-Kliniken, zuletzt ausführte, sei sie aber etwas betrübt, dass sich dieser Mehraufwand nicht in der Höhe der Zuwendungen widerspiegele. Um in den Genuss der maximalen Zuwendungshöhe von 165.000 Euro vom Land Brandenburg zu kommen, muss lediglich 10 Prozent Eigenkapital zur Verfügung stehen. Im Havelland sorgen Landkreis und Kliniken für das Eigenkapital und weitere Mittel.

Zwischen Rathenow und Falkensee etwa 70 Familienlotsen für fast 700 Kinder

Zur Veranschaulichung griff Andrea Thiele auf Zahlen von Ende November 2021 zurück. Sieben der 21 Netzwerke betreuten seinerzeit jeweils weniger als 100 Familien. Die Zahl der Kinder bewegte sich in diesen sieben Netzwerken zwischen zwölf und 102. Im Ehrenamt waren dort jeweils zwischen sieben und 37 Lotsen tätig. In der Spitze bestand das havelländische Netzwerk mit 685 Kindern bzw. zu betreuenden Familien. Dazu kamen 22 schwangere Frauen. Im Havelland engagierten sich 69 Netzwerk-Lotsen.
Was ihr Job ist und wie sie sich zum Wohle der jüngsten Einwohner (bis 3 Jahre) engagieren, zeigt ein kurzer Imagefilm, der online auf www.netzwerk-gesunde-kinder.de zu finden ist. 2021 absolvierten die havelländischen Familienlotsen 2.219 Hausbesuche, was deutlich weniger war als vor Corona. 2019 waren es 2.974 Besuche. Unter den hiesigen Lotsten am längsten mit dabei ist Christiane Endler (seit 2008). Schon 2007, als das havelländische Netzwerk in die praktische Phase überging, stieß Hebamme Doris Richter hinzu. Im April des Jahres hatte Andrea Thiele die Projektkoordinierung übernommen. Mit am Anfang von allem (2006) stand Dr. Babette Dietrich, die seitens der Havelland-Kliniken immer noch im und für das Netzwerk tätig ist.

Ministerium für Bildung, Jugend und Sport für die Netzwerke und die finanziellen Zuwendungen zuständig

Jörg Grigoleit, Geschäftsführer der Havelland-Kliniken-Unternehmensgruppe, sieht sich bestätigt darin, dass man für das havelländische Netzwerk eine Kombination aus Haupt- und Ehrenamt entwickelt hat. Indessen kann er sich noch gut an die Anfangszeit erinnern. Etwa an die Eröffnung des Netzwerks, bei dem auch Dagmar Ziegler (SPD), damalige brandenburgische Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Familie zu Gast war. Inzwischen ist das von Britta Ernst (SPD) geführte Ministerium für Bildung, Jugend und Sport für die Netzwerke und die finanziellen Zuwendungen zuständig.
Das havelländische Netzwerk hat zwei Standorte: in Nauen unter dem Dach der Havelland-Kliniken, in Rathenow seit einem Jahr in der Jahnstraße 2 („Jahnchen“). „Schwangerenfrühstück“, wo Hebammen in lockerer Runde mit werdenden Müttern frühstücken und plaudern, wurde zuletzt nur im „Jahnchen“ angeboten. Am 11. Mai saßen dort 16 schwangere Frauen mit am Tisch. Nächster Termin ist am 15. Juni. Zuvor, am 23. Mai, um 9.30 Uhr ist Premiere für eine Frühstücksrunde in Falkensee. Diese findet im Eltern-Kind-Treff Falkenhorst, Habichtstraße 7, statt. Mehr Infos zu Terminen und Angeboten wie Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse, Stillberatung und Babymassagen gibt es online. Ferner ist dort zu erfahren, wie man Teil des Netzwerks werden kann.