Handwerk in Friesack: Gottschalk hat Pech mit Lehrlingen

Zu Besuch bei der Gottschalk Baudenkmalpflege GmbH: HWK-Vorstandsmitglied Brita Meißner und Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig (re.) im Gespräch mit Juniorchef Thomas Gottschalk.
Weber„Die Auftragslage ist für uns super. Wir arbeiten viel im Bereich Kirchensanierung“, erzählte Juniorchef Thomas Gottschalk kürzlich seinen Besuchern. Im Büro saßen mit ihm HWK–Hauptgeschäftsführer Ralph Bührig und HWK–Vorstandsmitglied Brita Meißner.
„Trotzdem fehlen uns, wie auch anderen Betrieben, Fachkräfte. In den letzten zehn Jahren hatten wir fast immer einen Lehrling. Aber kaum einer kam bis zur Prüfung. Sie sind aus unterschiedlichen Gründen vorher gegangen. Die Jugendlichen haben heute andere Interessen und möchten einen handwerklichen Beruf eher ungern erlernen. Auch die Werbung für unseren Beruf wie auf der Ausbildungsmesse des Landkreises in Paaren/Glien in den letzten Jahren war erfolglos. Da würde ich mir mehr Unterstützung durch die Politik wünschen“, so Gottschalk.
Er selbst wollte ursprünglich Elektriker werden, bekam aber keine passende Lehrstelle. Daher wurde er Maurer im väterlichen Betrieb und qualifizierte sich später zum Meister. Derzeit hat das Handwerksunternehmen sechs Angestellte.
„Die Handwerkskammer macht sich gerade Sorge um den Erhalt alter Handwerkstechniken“, so Ralph Bührig. „Bei der Werbung für Azubis im Handwerk gehen wir jetzt auch schon in siebente Klassen, und wir unterstützen auch Auslandspraktika von Azubis. Aktuell gibt es in unserem Handwerkskammerbereich 800 freie Lehrstellen.“
Gerade in den Berufsgruppen Fliesenleger, Gebäudereiniger und Raumausstatter hatte die Aufhebung des Meisterzwangs im Jahr 2004 zu Gunsten so genannter „Ich–AGs“ negative Auswirkungen, vor allem im Bereich der Ausbildung. Im Februar soll noch das Ende 2019 verabschiedete Gesetz zur Wiedereinführung des Meisterzwangs in den Gewerken Fliesenleger und Raumausstatter in Kraft treten.
Es war eine große Besuchsrunde, die HWK–Vertreter am Dienstag durch die Region drehten. In Friesack ging es ferner in die Töpferei–Werkstatt „Keramik vom Rhinkanal“ von Nicole Willmann. Sie schilderte unter anderem ihre praktischen Probleme mit der neu eingeführten Bonpflicht. Die Handwerkskammer sieht möglicherweise Ausnahmetatbestände, wenn Händler etwa auf Märkten ihre Waren anbieten. Weitere Besuche, auch HWK–Präsident Robert Wüst war unterwegs, gab es in der Fleischerei der Agrargenossenschaft Gülpe in Rhinow und bei ISE Industrie Service Elektro in Rathenow.