Heimatmuseum in Rathenow
: Neuer Standort gesucht - Schleusenplatz war bereits ein interessanter Kandidat

Ein Förderverein will in Rathenow ein Heimatmuseum schaffen. Der aktuell favorisierte Standort am Schleusenplatz war schon vor mehr als 25 Jahren für das Kreismuseum im Gespräch. Woran das Projekt einst scheiterte.
Von
Simone Weber
Rathenow
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Dr. Peter Dietze ist seit Gründung der Vorsitzende des Fördervereins Heimatmuseum der Stadt Rathenow e.V. Der Vereinssitz befindet sich in der Berliner Straße 80, wo es Ausstellungen, Vorträge und Lesungen gibt.

Simone Weber

Aus einer 2008 gebildeten Interessengemeinschaft wuchs im Jahr danach der Förderverein Heimatmuseum der Stadt Rathenow e.V. Seit Gründung agiert Dr. Peter Dietze als Vorsitzender. Der Vereinssitz befindet sich in der Berliner Straße 80, wo es auch Ausstellungen, Vorträge und Lesungen gibt. Doch für ein Museum taugt das vormalige Ladengeschäft nicht.

Im August 2021 hatte sich Dietze mit einem Positionspapier an die Stadt gewandt und erhielt durch Rathausvize Jörg Zietemann zügig Antwort mit der Zusicherung der Prüfung. Zuletzt, im Februar-Ausschuss für Stadtentwicklung, stellte Dietze das Vereinskonzept für ein künftiges Heimatmuseum vor.

Förderverein Heimatmuseum liebäugelt mit Schleusenplatz 4 in Rathenow

„Unsere Archivbestände haben sich im Laufe der Jahre wesentlich erweitert, und unsere Raumkapazität ist weiterhin begrenzt. Deshalb wünschen wir uns einen neuen Standort, der dem Namen Heimatmuseum Rechnung trägt“, so Peter Dietze. Als einen möglichen Standort für ein Heimatmuseum brachte er das Gebäude Schleusenplatz 4 ins Spiel. „Wir möchten, dass dieser Vorschlag ernsthaft geprüft wird. Das Gebäude ist historisch, repräsentativ und in der Innenstadt gelegen. Wir wollen die Stadtbibliothek nicht vertreiben. Durch Zusammenlegung mit Heimatmuseum und Touristinfo könnten Angebote gebündelt und Synergieeffekte genutzt werden. Bibliothek und Heimatmuseum haben bisher Lesungen angeboten. Dies könnte künftig in einem größeren, gemeinsamen Raum stattfinden“, erläuterte der Fördervereinsvorsitzende. „Touristen können durch Heimatmuseum und Touristinfo in einem Gebäude besser angesprochen werden. Und der Tourismusverein könnte sich und seine regionalen Produkte in größeren Räumen besser präsentieren.“

Stadtverordnete wollen vor Ort die Ausgangslage erkunden

Zum nächsten Ausschuss für Stadtentwicklung wird zu einem Vor-Ort-Termin an den Schleusenplatz eingeladen. Dann wollen sich die Stadtverordneten ein konkretes Bild davon machen, wie man dort Angebote wie Bibliothek, Heimatmuseum und Touristinfo bündeln könnte. „Danach sollte es einen entsprechenden gemeinsamen Antrag der Ausschüsse für Stadtentwicklung und Kultur geben“, so Ausschussmitglied Karl-Reinhold Granzow aus der Fraktion Die Linke/Die Partei. „Ein Heimatmuseum gehört zu einer Stadt. Es ist traurig, dass wir seit so vielen Jahren nur diskutieren“, meinte Karsten Ziehm (FDP/Freie Wähler).

Optik-Industrie-Museum ist das havelländische Kreismuseum

Das Museumsthema kam bislang nicht wirklich in Fahrt, auch weil es schon das Optik-Industrie-Museum gibt. Dessen Geschichte ist lang, aber kurz erzählt. Im Jahr 1917 konnte der 1909 gegründete „Havelländer Heimatverein“ zunächst in einem Zimmer im Altstädtischen Rathaus Exponate ausstellen. 1930 entstand dort ein Heimatmuseum mit sechs Räumen. Das Rathaus wurde 1945 zerstört. Was noch an beweglichen Wertgegenständen vorhanden war, wurde durch die Besatzer geraubt.

Einen Neuanfang wagten „Natur- und Heimatfreunde“ im Jahr 1953 mit zwei Räumen in der Rosa-Luxemburg-Straße 5. Noch war die Einrichtung nicht viel mehr als eine Heimatstube. Die Zahl der Exponate wuchs. 1961 bekamen die Initiatoren von der Stadt das Haus am Schleusenplatz 4, um dort ein Heimatmuseum einzurichten. Es zog 1966 in das Nachbarhaus, Schleusenplatz 3, um.

Mitte der 70er Jahre wurden die Kultureinrichtungen der Stadt durch den damaligen Rat des Kreises Rathenow übernommen. Aus dem städtischen wurde ein Kreismuseum, das 1986 in die Rhinower Straße 19d umzog. Im Jahr 2000 wurde es geschlossen und 2004 unter dem Dach des sanierten Kulturzentrums neu eröffnet.

Verstauben Rathenower Exponate im Keller des Kulturzentrums?

Seit 1984 war Dr. Bettina Götze die Leiterin des Kreismuseums und übte die Tätigkeit auch nach Anstellung als Geschäftsführerin der Kulturzentrum Rathenow GmbH aus. Sie verabschiedete sich Ende 2021 vom Posten. Optikpark-Geschäftsführerin Kathrin Fredrich übernahm in zusätzlicher Funktion.

Einige Geschichtsfreunde vermuten, dass im Kulturzentrum gute Stücke aus Rathenow verstauben. Laut Peter Dietze sollte zumindest das dort lagernde Archivmaterial der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Gespräche mit der neuen Geschäftsführerin hätten ihn positiv gestimmt, wie er meinte.

Wie Bettina Götze, eine studierte Museologin, vor etwa fünf Jahre gegenüber BRAWO betonte, hätte der Museumsbestand zu wenig hergegeben, um Stadtgeschichte zu dokumentieren. Eine Ur- und Frühgeschichtliche Sammlung mit tausenden Objekten würde sich derweil im Keller des Kreishauses in Nauen befinden.

Kreismuseum sollte an den Schleusenplatz, Rückzieher der Stadt Rathenow im Jahr 1994

Zudem berichtete Dr. Götze seinerzeit davon, dass es 1993/1994 einen konkreten Plan gegeben hätte, das damalige Kreismuseum zurück an den Schleusenplatz (Hausnummern 2 und 3) zu bringen. Götze hätte das damals als „phantastische Lösung“ betrachtet. Im BRAWO-Beitrag stand: „Die Planungen zur Schaffung eines dortigen Museumsstandorts waren 1994 schon weit fortgeschritten. Der soeben gebildete Landkreis Havelland wollte sich mit der Kreisstadt die entstehenden Kosten teilen. Aber Rathenow winkte diesbezüglich ab, die Geschichte des Kreismuseums nahm einen anderen Lauf.“