Hermes: Jetzt auch durch Paketberge im Gerede
Der Tatverdächtige ist kein Hermes–Angestellter. Davon ist auszugehen, da das 100–prozentige Tochterunternehmen des Otto–Konzerns auf der sogenannten „letzten Meile“ des Versands auf die Dienste von „Servicepartner“ genannten Subunternehmen setzt, die Pakete und Warenlieferungen zu den Empfängern bringen. Schon hierbei hat Hermes im Laufe der letzten 16 Monate medial gelitten.
Im September 2017 gab es eine Razzia in Gierstädt im thüringerischen Kreis Gotha. Dabei soll laut Angaben auf www.thueringen24.de ein Netzwerk illegaler Paketboten aufgeflogen sein. Die Rede ist von 35 illegal eingewanderten Männern aus Moldawien, der Ukraine und Weißrussland, denen mit gefälschten Papieren die Einreise gelungen war und die für einen Hermes–Subunternehmer bei der Zustellung tätig werden sollten. Laut weiteren Infos auf der Webseite gingen die Ermittlungen von der Bundespolizei in Halle (Sachsen–Anhalt) aus, die das Netzwerk in mehreren Bundesländern verfolgte. Nach WDR–Recherchen gingen im November des Jahres bei einem Hermes–Subunternehmer in Euskirchen (Nordrhein–Westfalen) 16 illegal eingereiste Männer aus Moldawien ins Netz.
Ins Visier der Ermittler geriet auch ein Transportunternehmen in Harrislee (Schleswig–Holstein), das als „Servicepartner“mit Hermes in Geschäftsbeziehungen stand. Anfang Juni 2018 gab es gleichzeitige Razzien in Schleswig–Holstein, NRW und Niedersachsen. Der Norddeutsche Rundfunk zitiert auf www.ndr.de die Bundespolizei, laut der gegen fünf Hauptbeschuldigte ermittelt werde wegen gewerbs– und bandenmäßigen Einschleusens von Ausländern sowie Urkundenfälschung und Verschaffens von amtlichen Ausweisen.
Trotz am 14. Juni erfolgter Eröffnung des Hermes–eigenen Logistikcenters im havelländischen Ketzin kam das Unternehmen 2018 nicht aus den Negativschlagzeilen. Denn auf die Razzien im Juni folgte ein Großeinsatz des Zolls im August, diesmal bei einem Hermes-„Servicepartner“ in Langenhagen–Schulenburg (Niedersachsen). Dort wurden 60 Osteuropäer überprüft. Wie die Hannoversche Allgemeine auf www.haz.de berichtet, ´waren von den Männern aus Litauen, Weißrussland, Rumänien, Bulgarien und der Ukraine nur 14 ordnungsgemäß angemeldet. Zwei Weißrussen und 31 Ukrainer hielten sich illegal in Deutschland auf.
Beim Zusteller, der bis zuletzt etwa 1.000 Lieferungen hortete, handelt es sich wohl nicht um einen illegal eingereisten bzw. nicht ordnungsgemäß angemeldeten Osteuropäer. Denn BILD veröffentlichte einen typisch deutschen Vornamen. Indes setzte Ende 2018 offenbar ein Umdenken bei Hermes ein, was die bislang fast ausschließliche Zusammenarbeit mit „Servicepartnern“ auf der „letzten Meile“ betrifft. Die Wirtschaftswoche berichtet auf www.wiwo.de über die von Hermes in Erwägung gezogene Einstellung von etwa 1.000 Fahrern. In Köln und Kassel soll es entsprechende Testläufe mit 30 bzw. 50 direkt angestellten Mitarbeitern geben. Insgesamt sollen derzeit rund 10.000 Leute für die mit Hermes kooperierenden Subunternehmen Pakete und Waren zustellen.

