Das ist neu im westlichen Havelland und wahrscheinlich auch weit darüber hinaus: Genossenschaftswohneinheiten in Form von Einfamilienhäusern. Die Wohnungsbaugenossenschaft (WBG) in Premnitz lässt 17 Häuser in der Premnitzer Bunsenstraße bauen, um diese zu vermieten. Grundsteinlegung war am Dienstag. Bis 30. März 2023 soll das Projekt vollendet sein. Als Generalunternehmerin agiert die örtliche Rampf Bau GmbH. Das Unternehmen hat Ende 2021 den Zuschlag erhalten. Vertragsabschluss war im Februar 2022 - gerade noch rechtzeitig.
In der Rückblende ergeben sich für WBG-Vorstand Henry Ketter einige Gründe zur Annahme, alles richtig gemacht zu haben. Dass die Zahl der Interessenten das Angebot an den entstehenden 120-Quadratmeter-WE mit Terrasse, Garten und Garage weit übertrifft, ist dabei nur Nebensache.
Das Projekt hatte eine dreijährige Vorlaufzeit: „von der Idee bis zum heutigen Tag“, so Ketter. Wo einst Plattenbauten rückgebaut wurden, konnten nicht einfach Eigenheime entstehen. „Denn die Infrastruktur passte nicht“, erklärte der Bauherr. Im Zusammenspiel mit der Stadtverwaltung und anderen gelang es, bestehende Leitungen, darunter eine Hauptwasserleitung, so umzuverlegen, dass sie dem Plan nicht mehr im Weg waren. Dass die favorisierte Fernwärme bundespolitisch jemals besser dastehen könnte, als das Heizen mit fossilen Energieträgern, konnte niemand ahnen. Auch nicht, dass es ab Februar 2022 zur Preisexplosion und zu Versorgungslücken bei Baumaterial kommen würde.

Poroton-Steine können seit vier Wochen nicht mehr bestellt werden

Da Josef Rampf, Geschäftsführer der Generalunternehmerin, etwas Vorsprung bei der Beschaffung hatte, dürfte das Projekt nicht unter Mangelerscheinungen leiden, die zu Verzögerungen führen könnten. Etwa Poroton-Steine, wie sie in der Bunsenstraße verbaut werden, lagern für alle 17 Häuser ausreichend auf der Baustelle. Seit etwa vier Wochen könnten aber keine dieser Steine mehr bestellt werden, so Rampf. Indessen hätten sich Kosten für Material, das dem KfW-40-Standard für energieeffiziente Wohnhäuser entspricht, in etwa verdreifacht.
Ebenso noch rechtzeitig hatte die WBG ihren Kredit über 2,4 Millionen Euro bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) unterschrieben. Inzwischen ist die Vergabe dieser Fördermittel deutschlandweit zum Problemfall geworden. Darüberhinaus steigen nun die Zinsen.
Da noch rechtzeitig beantragt, zahlt die WBG für ihre 2 Millionen Euro von der Deutschen Kreditbank (DKB) nur 1,1 Prozent, während die Bauzinsen jetzt längst über 2 und stellenweise sogar schon bei 3 Prozent liegen. Der Rest der Gesamtinvestitionssumme von sechs Millionen Euro speist sich aus Eigenkapital der Premnitzer Wohnungsbaugenossenschaft, der Henry Ketter seit nunmehr 30 Jahren vorsteht. Die örtliche WBG war 1990 aus der Premnitzer Arbeiterwohnungsbaugenossenschaft (AWG) hervorgegangen.
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