Neuerscheinungen
: Durch die Havel doppelt inspiriert

Johannes Wilkes hat die Havel fünf Tage lang von der Quelle bis zur Mündung erradelt und anschließend gleich zwei Bücher geschrieben.
Von
Alexandra Gebhardt
Brandenburg
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Johannes Wilkes beim Baden im Havelquellsee.

privat

2014 beschloss der in Erlangen (Franken) lebende  Mediziner, die Heimat Fontanes auf eigene Fast zu erkunden — mit dem Fahrrad, 371 Kilometer, immer entlang der Havel, von ihrer Quelle auf der Mecklenburger Seenplatte bis zu ihrer Mündung in die Elbe. Fünf Tage saß er dafür im Sattel, hat Land und Leute kennengelernt. „Natürlich ist die Strecke auch schneller zu bewältigen, davon würde ich allerdings dringend abraten. Unterwegs gibt es so viel zu entdecken“, so der 58–Jährige, der sich durch seine Erlebnisse zu „Das kleine Havel–Buch“ und „Der Fall Fontane“ inspirieren ließ. Zwei Werke, in denen auf jeder Seite die Liebe zur Mark durchscheint, für die Wilkes sich allerdings zweier völlig unterschiedlicher Genres bedient.

So beschreibt der am 13. Februar veröffentlichte Kriminalroman „Der Fall Fontane“ fiktiv die spannende Jagd auf einen Mörder, der sein Opfer ausgerechnet im Fontane–Jahr 2019 unter dem Birnenbaum in Ribbeck umbringt. Auf den Leichnam stößt das durch Brandenburg radelnde Paar, Kommissar Mütze und sein Lebensgefährte Karl–Dieter, deren zwischenmenschliche Krise dem Leser abseits des Mordes Einblicke in moderne Beziehungen  gewährt. Sie nehmen sich des Falls an, werden nach und nach in eine blutige Geschichte verwickelt und treffen bei ihren Ermittlungen immer wieder auf einen Mann im Fontane–Kostüm, der ihre Wege kreuzt. Was er mit dem Fall zu tun hat, diese Frage wird nach 282 spannenden Seiten beantwortet. Ein wahrer Lesegenuss – nicht nur für Fontane–Kenner.

Eine ganz andere Form, um seine vielfältigen Erlebnisse entlang der Havel zu verarbeiten, wählte der mehrfache Literaturpreisträger mit dem „Kleinen Havelbuch“, das als eine Art Reisebericht Begegnungen mit den unterschiedlichsten Menschen und deren Leben entlang des Flusses beschreibt. Ein Buchgenre, das Wilkes nicht fremd ist. Bereits im vergangenen Jahr veröffentlichte er „Das kleine Isar–Buch“, das nach dem gleichen Prinzip aufgebaut ist. Vergleichbar sind die beiden Gewässer für den gebürtigen Dortmunder jedoch nicht. „Die Havel hat einen gänzlich anderen Charakter als die Isar. Die Isar hat es bei ihrem Lauf die Alpen hinab sehr eilig, die Havel nimmt sich Zeit, geht oft in die Breite und bildet malerische Seen. Auch wenn es durch Städte wie Berlin oder Potsdam geht, wird es doch nie hektisch, Autos begegnet man nur selten“, so Wilkes, der sich  auf 192 Seiten mit Witz und Charme u.a. den Stationen Berlin, Potsdam, Werder/Havel, Brandenburg an der Havel und Rathenow widmet. Besonders im Gedächtnis geblieben ist dem Autor ein Abend in einer Gastwirtschaft in Plaue. „Wir haben spontan gesungen, und ein Gitarrist klärte mich über das Wesen der Märker auf.“ Er soll Wilkes sagt haben: „Wir sind eigentlich Rheinländer, die mit Havelwasser gewaschen sind“.

Begeistert haben Wilkes in der Havelstadt zudem die restaurierten Kirchen und der Fakt, dass es in Brandenburg eine kleine Backsteinkirche gibt, die man versetzt hat — daher die Verrückte Kapelle. „Eigentlich würde der Havelradweg mitten durch die Kapelle führen. Eine Kirche zu verpflanzen, statt sie abzureißen, spricht das nicht für die Liebenswürdigkeit der Brandenburger?“,  beschreibt Wilkes seine Gedanken, die in diesem Buch abermals auch um Theodor Fontane kreisen.

„An der Havel begegnet man dem großen Märker auf Schritt und Tritt. Aber auch andere bedeutende Menschen haben eine enge Beziehung zur Havel gehabt, Heinrich Schliemann etwa, der Entdecker Trojas, hat seine Kindheit an der Havelquelle verbracht, die Brüder Humboldt an der Bucht am Tegeler See. Albert Einstein hat bei Caputh gesegelt, Max Liebermann hat am Havelufer wunderbare Bilder gemalt, dramatisch war das Ende von Heinrich von Kleist. Ihnen und vielen anderen habe ich nachgespürt, natürlich auch den Preußenkönigen, welche die Havelanhöhen mit ihren Schlössern verziert haben“, beschreibt der 58–Jährige sein Werk, das ab kommenden Monat im Handel zu haben ist und mit 73 Farbabbildungen viele Märker in seinen Bann ziehen und bei anderen durchaus Fernweh auslösen könnte.