Open Air: Nach Unwetterpause stieg die Stimmung weiter
Mit dem Titelsong als erstem Lied stimmte sie gleich zu Beginn einige gefühlvolle Balladen mit ruhigen Tönen an. „Ich glaube, ich habe noch nie so sah an meinem Heimatdorf gespielt“, begrüßte die im nahen Schönhausen (Elbe) aufgewachsene Sängerin die rund 1.400 Zuschauer vor der Bühne im Mühlenhof. „Ich erinnere mich noch, dass ich mich mit meiner damaligen Freundin bestimmt alle zwei Monate in den Zug gesetzt habe und in die Rathenower Schwimmhalle gefahren bin.“
„Wir gingen auf die gleiche Schule“, erzählte Sebastian Groß, der heute die einzig verbliebene Bäckerei im Ort betreibt. An der POS „Hans Beimler“ in Schönhausen sei er eine Klasse über Annett gewesen. Er findet es „toll, dass sie Deutsch singt“. Als er seinerzeit ihren ersten Song, „Das Spiel“, im Radio hörte, hätte er die Schulkameradin von einst sofort an ihrer Stimme erkannt. „In der Bäckerei läuft MDR Sachsen–Anhalt im Radio. Die spielen auch immer wieder ihre Lieder. Wenn Annett doch mal hin und wieder Verwandte und Freunde besucht, kauft ihre Mutter bei uns Stachelbeer–Baiser–Torte.“
In den ersten 40 Minuten stellte Annett Louisan vor allem neue Lieder des aktuellen Albums, wie die Ballade „Zweites erstes Mal“, vor. Schon beim zweiten Lied tanzten einige Pärchen am Rande der Stuhlreihen zur Musik. Allerdings zogen allmählich dunkle Wolken auf, der Wind frischte auf, und viele Zuschauer zogen mitgebrachte Regenponchos über.
„Wir waren seit heute Vormittag auf diese Situation vorbereitet“, unterbrach ein Mitglied der Tour–Crew um 20.40 Uhr das Konzert und bat die Zuschauer aus Sicherheitsgründen in das Mühlengebäude. Einzelne Blitze zuckten, es donnerte ein wenig, und etwas Regen fiel auch. Aber die Fans harrten aus. Nach einer Stunde zogen die ersten Fans zurück und forderten mit Pfiffen und Rufen die Band wieder auf die Bühne. Inzwischen war der Regen stärker, aber ab 22.00 Uhr ging das Konzert weiter. Nur wenige Fans waren gegangen.
„So was habe ich noch nie erlebt, das ist so toll, dass ihr noch da seid — jetzt erst recht!“, so Annett Louisan, die genauso viel Lust auf das Konzert hatte, wie die Zuschauer, die sich jetzt, im anhaltenden Regen, dicht vor der Bühne drängten. Darunter war auch Denise Kemnitz. „Ich höre ihre Musik seit zirka zehn Jahren“, sagte die Rathenowerin, die nun auch ihre 14–jährige Tochter Emilia damit angesteckt hat.
Mutterliebe wurde mit dem Titel „Meine Kleine“ deutlich. Diesen hat Annett aus Sicht ihrer Mama geschrieben, wie sie 1977 mit Annett schwanger war. „Straße der Millionäre“ erinnert die Sängerin an den Mauerfall 1989. Nach insgesamt zehn Titeln forderten die Zuschauer noch insgesamt vier Zugaben, die Annett Louisan und ihre Band gern gaben. Darunter ältere Lieder wie „Drück die 1“ (2008), den ersten Hit „Das Spiel“ (2004) und natürlich das „Prosecco–Lied“.
„Leute, Ihr wisst, ich würde die ganze Nacht für Euch singen“, so Annett Louisan, entspannt mit Zigarette und an einem Sekt–Glas nippend. „Ich danke Euch fürs Zuhören. Danke für Alles!“
Durch die besondere Situation mit mehr als einer Stunde Pause wegen der Unwetterwarnung und dem im Regen fortgesetzten Konzert wird es für viele Fans, aber wohl auch für Annett Louisan ein unvergessener Abend bleiben. Die Sängerin, die die deutsche Sprache so gekonnt wie kaum eine andere in ihren Liedern einsetzt, gab mit ihrer Band ein sehr gutes Livekonzert, bei der man Spielfreunde spürte. Zum Konzert–Ende um 23.10 Uhr hatte dann auch der Regen aufgehört.

