Wenn Panzer auf dem Truppenübungsplatz Klietz das Schießen mit scharfer Munition üben, ist Kanonendonner - je nach Windrichtung - bis weit ins Westhavelland oder in die Altmark zu hören. Im Herbst 2021 wurde es ohrenscheinlich lauter bzw. intensiver als sonst.
Etwa sechs Wochen lang übten dort Leopard-2-Besatzungen. Die Volksstimme in Sachsen-Anhalt schrieb Mitte Dezember von „Panzerwochen“. Hängen die Übungen mit Entwicklungen in Osteuropa zusammen?

Übungen haben zwei bis drei Jahre Planungsvorlauf

Laut Hauptmann Patrick Becker, er ist Presseoffizier auf dem Truppenübungsplatz Klietz, waren die sechswöchigen Übungen lange im Voraus geplant. Becker spricht von zwei bis drei Jahren Vorlauf. Gegenwärtige Planungen beinhalten Übungen in den Jahren 2023 bis 2025.
Bei den Übungen im vorigen Herbst handelte es sich also nicht um kurzfristige Reaktionen auf etwaige Bedrohungsszenarien an der Ostflanke der NATO. Wobei sich aber Besatzungen des Panzerbataillons 203 in Klietz auf einen in diesem Jahr anstehenden Auslandseinsatz vorbereitet haben.

Aktuell Panzerbataillon 414 im litauischen Rukla zuständig

Bei der seit Februar 2017 in Litauen bestehenden enhanced Forward Presence (eFP) handelt es sich um eine multinationale Kampftruppe (engl. Battlegroup) unter deutscher Führung. Es gibt in Osteuropa vier eFP. Sie resultieren aus den vorherigen Entwicklungen in der Ukraine und auf der Halbinsel Krim, die Russland für sich beansprucht. Ihre erste Auslandsreise hatte die neue Bundesverteidigungsministerin, Christine Lambrecht (SPD), im Dezember 2021 ins litauische Rukla geführt, wo die Bundeswehrangehörigen der eFP stationiert sind. Aktuell ist das Panzerbataillon 414 aus Bergen (Niedersachsen) dort im Einsatz.
Leopard 2 auf Klietzer Schießplatz

Bildergalerie Leopard 2 auf Klietzer Schießplatz

Im Februar 2022 übernimmt Panzergrenadierbataillon 411, im Sommer kommt Panzerbataillon 203

Es wird halbjährlich rotiert - samt Personal und Technik. Denn die NATO-Russland-Grundakte von 1997 verbietet es dem westlichen Bündnis, Kampftruppen dauerhaft in einem der früheren Warschauer Vertragsstaaten zu stationieren. Im Februar 2022 übernimmt das Panzergrenadierbataillon 411 aus Viereck (Mecklenburg-Vorpommern) das eFP-Kommando in Rukla. Längst steht fest, dass es im Sommer 2022 durch das Panzerbataillon 203 aus Augustdorf (Nordrhein-Westfalen) abgelöst wird. Schießtraining gab es zuletzt in Klietz.

Befähigung für Auslandseinsatz nachgewiesen

Laut Hauptmann Becker beschränkte sich die Übung für die Augustdorfer nicht nur auf den scharfen Schuss. Denn für den Auslandseinsatz musste das Panzerbataillon 203 erst seine Befähigung unter Beweis stellen. Im Grunde ähnelte der Aufenthalt in Klietz einem Trainingslager. Daneben übten im Herbst 2021 weitere Panzerverbände, weil jede Besatzung mindestens einmal pro Jahr scharf schießen muss. So ist es vorgeschrieben. Tatsächlich war es im Herbst ein massiertes Übungsgeschehen, so Becker.
Über den Jahreswechsel gab es keine Schieß-Aktivitäten auf dem Truppenübungsplatz. Zum Auftakt ab 17. Januar 2022 werden aber keine Panzer in Klietz erwartet.