Er gilt als Erfinder des Ritterromans: Friedrich de la Motte Fouqué (1777-1843). Mit seinem in Nennhausen geschriebenen Märchen von der „Undine“ wurde der Havelländer weltberühmt. Auch darin wird ein Ritter zum Handlungsträger. Das ritterliche Schwert stand Pate in frühester Kindheit des späteres Erfolgsdichters und begleitete ihn fortan.
Viele Kinder können sich in Fantasiewelten begeben und dabei Märchenhaftes erleben. Fouqué war ein ausgesprochen fantasiebegabter Junge, aus dem ein Dichter wurde und dem die nach ihm benannte Bibliothek in Brandenburg an der Havel aktuell eine Ausstellung widmet. Titel: „Der märkische Don Quijote“. Es ist eine sonderbare Fügung, dass die Einrichtung in der Altstadt keine 50 Meter von der Roland-Statue entfernt ist, die Fouqué nachhaltig prägte. Zu seinen Lebzeiten stand der Roland in der benachbarten Neustadt und sozusagen auch mal am Bett des kleinen Friedrich, der sehr früh lesen und schreiben konnte.

Im Fiebertraum: Roland am Bett des Kindes in Sacrow

Das Licht der Welt hatte Fouqué im dritten der drei historischen Brandenburger Stadtkerne erblickt, das war auf der Dominsel. In seiner selbst verfassten Lebensgeschichte berichtet der Dichter von der Gestalt des Rolands, die sich „in des Knaben Geist“ eingeprägt hatte. Nach Umzug ins osthavelländische Sacrow hatte das schwer erkrankte Kind einen Fiebertraum: Der Roland stand am Bett und wollte Friedrich sein Schwert in die Hand drücken. „Ach du großer Roland, laß ab von mir! Dein riesengroßes Schwerdt zu tragen, bin ich ja noch viel zu klein“, will Fouqué gesagt haben.
Wie in der Lebensgeschichte weiter dargestellt, wuchs im allmählich genesenden Knaben die Lust an Waffen. Sein Arzt schenkte ihm sogleich einen tartarischen Pfeil aus Asien, den der kleine Friedrich in seiner Fantasie zur Ritterlanze umgestaltete. Das Kind wollte sogleich auf seinem braunen Schaukelpferd eine Attacke reiten. Friedrich, kurz Fritz genannt, wurde mit der Lanze in der Hand auf das Ross gesetzt. Nach wenigen Schwüngen drohte dem entkräfteten Knaben eine Ohnmacht, „und man mußte ihn ins Bette zurücktragen, den über seine Schwäche schmerzlich Weinenden.“
Die Krankheit überstanden, fuhr die Familie zu einem Bade-Aufenthalt nach Lauchstädt (heute Saalekreis/Sachsen-Anhalt). Es kam zu einem Abstecher nach Halle. Und dort fügte sich zu imaginärem Schwert des Rolands und der Lanze aus dem Pfeil eines Tartaren der erste Ritter, den Fouqué nun sah, obgleich es sich nur um eine alte Ritterrüstung handelte.

Großvater war Großmeister eines nach Ritter Bayard benannten Ordens

Dass aus dem Jungen mal ein Berittener mit Bewaffnung werden würde, war ihm im Grunde per Abstammung bereits in die Wiege gelegt. Die Titel - Baron de Thonnayboutonne, Baron de Saint-Surin, Seigneur de la Greve - hatte der hugenottische Urgroßvater aus Frankreich vererbt. Der Großvater hatte in Diensten des preußischen Königs gestanden. Beide waren sich freundschaftlich verbunden. Vor Thronbesteigung (1740) hatten sie einem von Kronprinz Friedrich gegründeten Ritterorden angehört - benannt nach einem furchtlosen französischen Ritter namens Bayard. Deshalb der Name Bayard-Orden. Heinrich August de la Motte Fouqué war dessen Großmeister.
In seiner späteren Militärkarriere brachte er es bis zum Generalleutnant, starb 1774 und erlebte daher die Geburt des Enkels nicht. Der Monarch selbst, Friedrich II., war Pate des Kindes, das nach ihm benannt wurde.

Vom Kürassier zum Freiwilligen Jäger - Fouqués Degen hängt noch heute in Nennhausen

Vor den verlorenen Kriegen gegen Napoleon war Friedrich de la Motte Fouqué ein Kürassier, in den Befreiungskriegen gehörte er den „Freiwilligen Jägern“ an. Die Waffe, mit der er in den Kampf ritt, hängt in der Kirche zu Nennhausen. Auf einem Schild darunter steht in pathetischen Worten: „Dieses Schwerdt hat Friedrich Baron de la Motte Fouqué im Jahre 1813 zur Vertheidigung des Vaterlandes ehrlich geführt und es zu Gottes Lob und Preis für den Sieg der gerechten Sache hierher geweihet am 13ten Januar 1814“.Freilich handelt es sich um kein Schwert. Fouqués Waffe war ein typisch preußischer Degen.