Der Mann, der am 13. Januar 2020 eine Rathenower Tankstelle an der Rhinower Landstraße überfallen hatte, ist am Donnerstag vom Landgericht Potsdam freigesprochen worden. Das Gericht konnte, wie es mitteilte, nicht ausschließen, dass der 22-jährige Rathenower schuldunfähig war, als er mit vorgehaltener Schreckschusspistole in den Verkaufsraum marschierte und von der Kassiererin 355 Euro erbeutete.
Weiterhin wurde die Unterbringung des Mannes in einer Entziehungsanstalt angeordnet, diese Maßregel aber zur Bewährung ausgesetzt. Jetzt muss sich der Mann aus Rathenow für die nächsten fünf Jahre rechtstreu verhalten, regelmäßig in einer Fachklinik vorstellen, der verordneten medikamentösen Behandlung unterwerfen und durch Drogenscreenings seine Abstinenz beweisen. Dafür wird ihm ein Bewährungshelfer an die Seite gestellt.

Täter aus Rathenow: psychische Erkrankung und Drogenmissbrauch zur Tatzeit

Die vom Gericht bestellte psychiatrische Gutachterin hatte beim Angeklagten zur Tatzeit sowohl eine psychische Erkrankung wie auch einen Drogenmissbrauch festgestellt und hielt auch eine Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus für angezeigt. Ihr gegenüber hatte er viel von befehlenden und bedrohlichen Stimmen gesprochen - diese Aussage aber in der Hauptverhandlung nicht wiederholt. Für diesen Umschwung hatte die Gutachterin auch den Eindruck verantwortlich gemacht, den das psychiatrische Krankenhaus bei dem Mann hinterlassen haben könnte. Er war zunächst in Untersuchungshaft gekommen, später in der Psychiatrie untergebracht worden. Er selbst nannte auch Drogenabstinenz und Reflektion als Ursachen für die veränderte Einschätzung an.
Das Gericht folgte mit seiner Entscheidung dem Antrag des Verteidigers. Die Staatsanwältin hatte beantragt, den Mann wegen einer schweren räuberischen Erpressung in Tateinheit mit Nötigung - und unter Einbeziehung einer weiteren Strafe - zu einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren zu verurteilen. Der Verantwortliche konnte erst dingfest gemacht werden, als er von seiner damaligen Partnerin nach einer Auseinandersetzung angezeigt worden war.
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