Wasserstoff ist aktuell ein energiepolitisches Schlagwort. Schon länger ist davon in Premnitz die Rede. 2019 hatte Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) von der Idee erfahren, am Standort Wasserstoff produzieren zu wollen. Jetzt kennt die Bundestagsabgeordnete Sonja Eichwede (SPD) den Stand der Dinge. Die Politikerin traf sich zu Wochenbeginn mit Christian Gerstädt, Geschäftsführer und Mitinhaber der Neue Energien Premnitz GmbH. Im Beisein von Bürgermeister Ralf Tebling (SPD) erläuterte Gerstädt, wie etwa aus nicht recyclebaren Rotorblättern von Windkraftanlagen Wasserstoff hergestellt werden könnte. Das Projekt hat bereits einen Vorlauf von etwa vier Jahren.

In Premnitz geplante Plagazi-Plasmolyse würde Strom sparen

Das Unternehmen, das jährlich 7.500 Tonnen hochreinen Wasserstoff (H2) herstellen will, ist Teil der auf Recycling spezialisierten Richter-Unternehmensgruppe. 2019 trug diese sich mit dem Plan, sich auf der früheren Viskose-Fläche im Industriepark Premnitz (IPP) anzusiedeln. Darüber berichtete man seinerzeit vor Ort dem bekanntermaßen sehr wasserstoffaffinen Brandenburger Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD).
Er erfuhr auch davon, dass sich die Investoren beim Unternehmen Plagazi in Schweden ein patentiertes Verfahren anschauen wollten, bei dem Wasserstoff durch sogenannte Plasmavergasung, bei Temperaturen von mehr als 3.000 Grad entsteht. Hier ist von Plasmolyse die Rede.
Herkömmlicherweise wird Wasserstoff durch energieintensive Elektrolyse gewonnen. Mit Plagazi soll der hohe Energiebedarf zum Großteil durch innere Kreisläufe selbst gedeckt werden, was sehr viel Strom spart. Gerstädt sprach nun von einer 75-prozentigen Ersparnis. Die Ansiedlung ist inzwischen erfolgt, und die Schweden sitzen mit im Boot, was die von der Neue Energien Premnitz GmbH angestrebte H2-Produktion betrifft.

Neue Energien Premnitz GmbH macht Bau eines Werks von finanzieller Förderung abhängig

Eine Investition von 88 Millionen Euro steht jetzt im Raum. Gegenüber der SPD-Bundestagsabgeordneten sagte Gerstädt, dass sich das Vorhaben im umweltrechtlichen Genehmigungsprozess befinden würde. Den Bau eines Werks ab 2023 machte er aber von Fördermitteln abhängig. Das wirtschaftliche Risiko ist offenbar zu hoch. Neue Technologien seien über Banken nicht finanzierbar, wie Gerstädt darlegte. Ferner vermisst er eine politisch klare Linie in Deutschland für den Übergang zur Wasserstoffwirtschaft. Überdies werde hier auf reine Elektrolyse und H2-Importe fokussiert.
Im Kern setzt Christian Gerstädt auf Sonder- bzw. Technologie-Förderung des Bundeswirtschaftsminsteriums, wie er Sonja Eichwede mit auf den Weg nach Berlin gab. Bei Förderung könnte die Bundesregierung sehen, ob mit dem Plagazi-Verfahren hergestellter Wasserstoff für sie Sinn macht oder nicht. Gerstädt zeigt sich indessen überzeugt vom Vorhaben.