Gerade erst das Abitur in der Tasche, war die Premnitzerin Lätizia Panschuk Ende Juli 2021 ins Flugzeug nach Kapstadt gestiegen. Diese Stadt in Südafrika wurde für die sechs folgenden Monate ihr Zuhause. Denn sowohl die Unterbringung als auch die Arbeitsstätte befanden sich in der Metropole nahe dem Kap der guten Hoffnung.

Nicht nur Geparde im „Cheetah Outreach“

Wenige Tage nach der Ankunft erlebte Lätizia ihren ersten Arbeitstag. Schon bei der Planung für ihren Auslandsaufenthalt stand für Lätizia fest, dass sie etwas mit Tieren machen wollte. So gelangte sie zu der Tierschutzorganisation „Cheetah Outreach“, die die junge Frau während ihrer Zeit in Südafrika unterstützte. Diese Organisation hat es sich zum Ziel gesetzt, auf die vom Aussterben bedrohten Geparden aufmerksam zu machen und durch Projekte dieses für Südafrika typische Raubtier zu schützen.
Doch nicht nur Geparden zählen zu den Bewohnern des Outreach-Geländes. Auch Löffelhunde, Servale, Karakale, Schabrackenschakale, Erdmännchen, Hunde und Leopardenschildkröten sind dort zu Hause. Insgesamt müssen sich die Mitarbeiter der Organisation um rund 45 Tiere kümmern.

Erst hocharbeiten, dann Kontakt mit Raubtieren

Zu Lätizias Aufgaben gehörte es zunächst, Schildkröten zu füttern, Gehege zu säubern und Gäste zu begrüßen, die über das Gelände geführt wurden. Erst nach und nach durfte sie dann auch mit den Raubtieren arbeiten. In der Organisation gibt es eine Art Qualifikationssystem, dass alle Mitarbeiter durchlaufen müssen. Zuerst fängt man mit leichten Aufgaben an und arbeitet sich dann immer weiter nach oben, bis man dann die höchste Stufe, die des „Handlers“, erreicht hat.
Es sei eine körperliche sehr anstrengende Arbeit gewesen, wie Lätizia berichtet. Letztlich war sie an fünf Tagen der Woche von 8.00 bis 17.00 Uhr unterwegs und musste auch viele Dinge reparieren. Daneben hatte die Havelländerin nach und nach Vertrauen zu den Tieren aufgebaut und durfte an einem ihrer letzten Arbeitstage den Kopf eines Geparden streicheln.

„Anatolian Shepherd Guard Dog Programme“: Herdenhütehunde für Farmer in Südafrika

Ein Projekt außerhalb ihres Tätigkeitsbereichs hatte es ihr besonders angetan: „Cheetah Outreach“ unterstützt das „Anatolian Shepherd Guard Dog Programme“. Bei diesem werden seit 2005 Anatolische Schäferhunde, eine über 5.000 Jahre alte Rasse, als Welpen an südafrikanische Farmer gegeben, um dann eigenständig ohne menschliches Zutun Schaf-, Ziegen- und Kuhherden zu hüten. Ihr lautes Bellen schützt vor Fressfeinden. Diese sind aktuell eines der größten Probleme von Farmern.
Mehr als 40 Prozent der Farmtiere werden von Raubtieren gerissen, darunter durch Geparde. Häufigste Reaktion darauf ist das Jagen und Töten der Raubtiere. Genau dagegen will das Programm vorgehen. Mit einem Anatolischen Schäferhund sinkt der Verlust in den Herden auf etwa fünf Prozent. „Cheetah Outreach“ sammelt momentan Spenden, um die Hunde kostenlos interessierten Farmern zur Verfügung stellen zu können und verlangt im Gegenzug dafür, dass keine Geparden mehr getötet werden.

Kaum Einschränkungen durch Omikron, aber Maskenpflicht bei der Arbeit

Doch auch neben ihrer Arbeit hat Lätizia einiges erlebt. Sie hat etwa Wanderungen in der Umgebung von Kapstadt unternommen. Auch lernte sie die Metrole von der Wasserseite aus kennen, war Surfen und hat mitunter Wale beobachtet. Freilich war sie häufig in der Stadt unterwegs, hat zahlreiche Leute kennengelernt. Die Corona-Pandemie hat sie dabei nicht sonderlich eingeschränkt.
Die aktuelle Omikron-Variante des Corona-Virus’, die weltweit eine neue Infektionswelle ausgelöst hatte, war im November 2021 erstmals im südlichen Afrika identifiziert worden. Wie stark war Lätizia betroffen? „Es gab zwar einige Ausgangsbeschränkungen und ein Ausschankverbot für Alkohol an bestimmten Tagen, aber im Allgemeinen habe ich davon nicht viel mitbekommen“, erzählt sie. Lediglich bei der Arbeit herrschte Maskenpflicht, was gelegentlich recht anstrengend gewesen sein soll. Wie Lätitizia erläutert, könnten sich die auf dem Outreach-Gelände lebenden Tiere ebenso mit dem Coronavirus infizieren. Das wolle die Organisation durch strenge Regeln auf dem Gelände vermeiden.

Selbst auferlegte Quarantäne im Havelland

Am vorigen Freitag hatte Lätizia Panschuk ihre Rückreise angetreten - mit gemischten Gefühlen. Denn die Menschen und natürlich auch die Tiere in Südafrika waren ihr ans Herz gewachsen. Andererseits warteten Familie, Freunde und die eigenen Haustiere. Es gibt viel zu erzählen, wofür sie in ihrer selbst auferlegten Quarantänezeit reichlich Gelegenheit haben dürfte. Erst danach startet der havelländische Alltag in Premnitz.