Alphabetisierung: Neues Lerncafé in Angermünde lockt Wissbegierige an

Deutschlernen im Lerncafé: Carsten Ablaß übt mit Maryam (l.) und Nahid aus dem Iran mit Lernprogrammen am Computer. Das neue Projekt nutzt Räume im Jugendkulturzentrum "Alte Brauerei".
Daniela WindolffMaryam ist jedoch keine Schulanfängerin, sondern eine erwachsene Frau und ihr Lehrer Carsten Ablaß Dozent an der Volkshochschule Uckermark. Er leitet das regionale Grundbildungszentrum, das nun mit einem neuen Angebot auch in Angermünde am Start ist. Nach erfolgreichen Erfahrungen in Prenzlau und Templin öffnet nun auch in Angermünde ein Lerncafé, durch Corona zwar etwas verspätet, doch die ersten Café-Gäste schauen bereits neugierig herein. Auf der Suche nach geeigneten Räumen, die auch etwas Atmosphäre ausstrahlen und Getränke oder kleine Snacks anbieten, wurde man im Jugendkulturzentrum „Alte Brauerei“ in der Heinrichstraße fündig, ganz in der Nähe zum Bahnhof.
Auch Nahid ist ins Lerncafé gekommen. Die beiden Frauen sind Iranerinnen und leben erst seit wenigen Monaten in Deutschland. Sie wollen Deutsch lernen und dafür ist das neue Lerncafé eine gute Adresse, nicht allein, weil es nur einen Katzensprung zu ihrer Wohnunterkunft entfernt liegt. Hier muss man sich nicht anmelden, kommt einfach vorbei, kann jederzeit wieder gehen und wird ganz individuell betreut. Geöffnet ist jeden Donnerstag von 13 bis 16 Uhr. „Das Lerncafé ist ein offenes, niedrigschwelliges Angebot für Menschen, die ihre Deutschkenntnisse verbessern möchten, die besser lesen und schreiben wollen oder ganz von vorn mit den ersten Buchstaben beginnen“, erklärt Projektleiter Carsten Ablaß. Auch PC-Kenntnisse werden vermittelt, Hilfe beim Lernen für Prüfungen, bei den Hausaufgaben oder bei Bewerbungsschreiben geboten. Anliegen ist es, ein kostenloses Angebot zu schaffen, das jeder unverbindlich und individuell ausprobieren kann. „Viele schaffen es nicht, zu festen Kursterminen zu kommen oder haben Hemmungen, sich anzumelden. Für sie ist das Lerncafé eine Alternative. Man kommt einfach, egal wann und wie lange.
Nahid ist schon zum dritten Mal hier und nutzt die volle Öffnungszeit des Lerncafés aus. Sie überbrückt damit die lange Wartezeit auf einen Deutsch- und Integrationskurs und hat schon deutliche Fortschritte gemacht. Maryam fängt erst mit den allerersten deutschen Wörtern an und hat vorher noch nie an einem PC gesessen. Carsten Ablaß und seine Dozenten können sich auf ganz unterschiedliche Lernniveaus und Vorkenntnisse einstellen. Sie nutzen spezielle Lernsoftware und Materialien.
Ort der Begegnungen
Das Lerncafé ist allerdings ursprünglich gar nicht für Ausländer entwickelt worden, sondern für deutsche Muttersprachler, die Lernbedarf beim Lesen, Schreiben oder Formulieren haben. Als die Flüchtlinge kamen, öffnete man das Angebot auch für sie, eben für alle Deutschlerner. Aber auch Englisch, Mathe oder Hilfe bei Internetrecherchen wurde hier schon angeboten.
„Unsere Gäste kommen mittlerweile aus ganz unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Altersklassen, vom Fahrschüler, der für die Prüfung lernt, über den Jugendlichen, der seine Deutschnote verbessern möchte, den Jobsuchenden, der eine Bewerbung schreiben muss, behinderte Menschen, denen das Lesen und Schreiben schwer fällt oder Flüchtlinge, die Deutsch lernen wollen“, erzählt Carsten Ablaß. „Diese Vielfalt und Offenheit macht den besonderen Reiz und die lockere Atmosphäre hier aus. Das Lerncafé ist auch ein Ort der Begegnung und des Austausches.“
Das Lerncafé im Jugendkulturzentrum "Braue"
Das Lerncafé ist ein offenes kostenloses Lernangebot der Volkshochschule für Erwachsene, die Lernbedarf in den Grundlagen haben, die ihr Lesen und Schreiben verbessern wollen die deutsch lernen wollen, die Unterstützung beim individuellen Lernen wünschen, die Begegnung und Austausch wünschen. Die Briefe, Mails, Bewerbungen oder Lebensläufe am PC schreiben wollen.
Die Besucher werden, unabhängig von PC-Erfahrungen bei der Benutzung von Lernportalen im Internet unterstützt. Sie lernen den Umgang mit Windows.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Geöffnet ist donnerstags von 13 bis 16 Uhr.
