Ausbildung in der Uckermark: Wie regionale Firmen gegen Influencer-Träume kämpfen

Berufsmesse 2025 in Angermünde: Mehr als 40 Unternehmen aus Ostbrandenburg präsentieren in der Mehrzweckhalle im Einstein-Gymnasium aktuelle Ausbildungsberufe für künftige Schulabgänger. Die Vielfalt ist riesig.
Daniela Windolff- Berufsmesse 2025 in Angermünde: 40 Aussteller zeigen vielfältige Ausbildungsangebote.
- Jugendliche suchen sichere Jobs: Verwaltungs-, Pflege- und Gesundheitsberufe im Trend.
- Handwerksbetriebe kämpfen mit Nachwuchsmangel, Influencer-Träume schrecken ab.
- Förster-Ausbildung modernisiert: Natur, Technik und Nachhaltigkeit im Fokus.
- Ergotherapieschule Angermünde stark nachgefragt: 108 Bewerbungen für 26 Plätze 2025.
Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.
Wie auf dem Jahrmarkt bieten Unternehmen und Einrichtungen in Uckermark und Barnim ihre Ausbildungsplätze feil. Sie gehen auf Messen und direkt in die Schulen, werben einfallsreich mit bunten Ständen, Aktionen, Praktika und Präsenten. Das Angebot an Ausbildungsberufen ist riesig. Die Nachfrage eher verhalten. Sind Schulabgänger mit der Vielfalt überfordert? Treffen Unternehmen nicht den richtigen Ton? Gehen die Erwartungen aneinander vorbei?
Bei der jüngsten Berufe- und Ausbildungsmesse der Unternehmervereinigung Uckermark in Angermünde hatten beide Seiten Gelegenheit, in lockerer Atmosphäre miteinander in den Austausch zu kommen. Mit 40 Ausstellern aus Nordostbrandenburg in der Mehrzweckhalle am Einstein-Gymnasium wurde ein neuer Rekord geknackt.
„Wir waren schon nach kurzer Zeit komplett ausgebucht und mussten vielen interessierten Firmen absagen“, gesteht Organisator Volker Herrmann von der Unternehmervereinigung Uckermark.
Angermünde zeigt Berufe von A wie Anlagenbau bis Z wie Zoll
Von A wie A&W Schwedt (Apparate- und Wärmetauscherbau) bis Z wie Zoll präsentierten sich in Angermünde Industrie- und Handwerksbetriebe, Finanz-Dienstleister, Pflege- und Gesundheitsunternehmen, Verwaltungen, Behörden, Kammern bis hin zu Polizei und Bundeswehr.

Zukunft Bundeswehr: Die Karriereberatung der Bundeswehr informierte Schüler in Angermünde über vielfältige zivile und militärische Ausbildungs- und Studienangebote. Das Thema ist hochaktuell.
Daniela WindolffDoch was interessiert Jugendliche heute? Welche Unternehmen ziehen an? Auffallende Gestaltung der Stände, Mitmachaktionen und Werbegeschenke sind eine Seite. Tatsächlich schlenderten viele Schüler in Grüppchen neugierig und offen für alles durch die große Halle. Jolie Scholz und Lea Marie Brosch, Neuntklässlerinnen des Einstein-Gymnasiums, waren überrascht von der Vielfalt der Ausbildungsmöglichkeiten und Unternehmen in der Region. „Wir wussten gar nicht, was es hier alles gibt und wo man eine Ausbildung machen kann“, so Lea Marie.
Allein dafür lohne sich die Messe: Wirtschaft, Ausbildung und Jobs in der Region sichtbar machen, Unternehmen hautnah mit direkten Ansprechpartnern präsentieren, statt darauf zu warten, im Internet gefunden zu werden, sagt Volker Herrmann zufrieden.
Dafür nehmen die Unternehmen den personellen und zeitlichen Aufwand einer Messe in Kauf, auch wenn sich der Erfolg selten messen lässt, wie Florian Blank, Kaufmännischer Leiter der Firma Apparate & Wärmeaustauscherbau GmbH Schwedt, gesteht.
Jugendliche schrecken vor körperlicher Arbeit zurück
Das Unternehmen produziert auf dem PCK-Gelände in Schwedt Anlagen für Industriekunden in ganz Deutschland und Europa. Größter Kunde ist das PCK. „Wir spüren die Verunsicherung über die Zukunft der Raffinerie auch in unserem Unternehmen. Aber wir können durch den Ausbildungsverbund vor Ort mit PCK, Leipa und anderen starken Unternehmen Sicherheit und gute Perspektiven bieten“, so Blank. Doch das ist das kleinere Problem.
„Wir sind ein Handwerksbetrieb und bilden Industriemechaniker aus. Das bedeutet auch körperliche und mitunter schmutzige Arbeit. Das schreckt heute viele junge Leute ab, die sich nicht mehr anstrengen wollen und von einer Karriere als Influencer träumen“, räumt Marcel Weber ein, der als Konstrukteur im Unternehmen arbeitet.
PCK Schwedt gehört zu den besten Ausbildungsbetrieben
Auch im PCK selbst ist die Verunsicherung über die Zukunft der Raffinerie in Schwedt zu spüren. Dabei war und ist noch immer PCK einer der besten und mehrfach ausgezeichneten Ausbilder in Brandenburg und ganz Deutschland. „Wir haben weiterhin viele Bewerber, weil auch unsere Qualität der Ausbildung bundesweit geschätzt wird. Unsere Azubis sind überall hoch angesehen. Aber wir bieten ihnen auch in Schwedt weiterhin gute Perspektiven“, versichert Kai Tauchert, Ausbildungsleiter im PCK.

Berufemesse im Einstein-Gymnasium Angermünde: Das PCK Schwedt gehört von Anfang an zu den Ausstellern. Das Interesse junger Menschen ist groß.
Daniela WindolffBesonders im Trend junger Leute liegen heute Verwaltungsberufe im öffentlichen Dienst. Die bieten unter anderem das Finanzamt Angermünde und die Stadtverwaltung Angermünde an. Sichere Büro-Jobs, geregelte Arbeitszeiten, Tariflohn, mitunter Beamtenstatus, das sind Zugpferde in unsicheren Zeiten.
Jolie und Lea Marie interessieren sich für Ausbildungsberufe im Finanzamt Angermünde, das auch Kurzpraktika in den Herbst- und Sommerferien zum Schnuppern anbietet.
Finanzamt bietet Schnupper-Praktikum in den Herbstferien
Das Finanzamt sei besser als sein Ruf, denn es geht um Geld für das Gemeinwohl, die Gesellschaft, betont Ausbildungsberater Sebastian Schmidt. Auch das Job-Spektrum nach der Ausbildung sei sehr vielfältig, vom Finanzamt über, Steuerbüros über Kommunalverwaltungen, Ministerien bis zur Wirtschaft.
Die Stadtverwaltung Angermünde nutzt den Heimvorteil der Berufsmesse vor der Haustür, um für eigenen Nachwuchs zu werben. Hier kann man nicht nur Verwaltungsfachangestellte(r) werden, sondern auch Erzieher, IT-Fachmann oder Fachangestellte(r) für Bäderbetriebe.

Berufsmesse Angermünde 2025 im Einstein-Gymnasium: Die Stadtverwaltung Angermünde präsentiert Ausbildungsberufe von IT-Fachmann über Erzieher bis Bademeister.
Daniela WindolffIn der Uckermark zum Traumberuf Förster
Ganz neu auf dem Jahrmarkt der Möglichkeiten präsentiert sich der Landesbetrieb Forst Brandenburg und die Waldarbeitsschule Kunsterspring. Das altbackene romantische Image des Försters mit grünem Lodenmantel, Vollbart und Dackel hat ausgedient.
Forstwirt, Förster ist heute ein vielseitiger, anspruchsvoller, moderner Job, der Natur, ökologisches Wissen, Nachhaltigkeit, Revier-Betreuung, schwere Maschinen und moderne Technik und - ja auch - Verwaltungsaufgaben vereint, erklärt Paul Wildgrube, Leiter der Waldschule Schwedt. Judith Lenz, Revierleiterin der Försterei Berkholz-Schwedt, schwärmt: „Ein Job zwischen Bäumen, Himmel und Büro. Wer das für sich entdeckt, hat einen Traumberuf.“ Erste Erfahrungen bietet auch ein Freiwilliges Ökologisches Jahr in der Forst.

Traumberuf Förster: Judith Lenz (l.), Revierförsterin in Berkholz/Schwedt, und Paul Wildgrube, Waldschulleiter in Schwedt, erläutern Schülern Vielfalt und Ausbildungswege zum Förster.
Daniela WindolffJugendliche suchen sichere Jobs in unsicheren Zeiten
Jobs mit sicherer Perspektive in unsicheren Zeiten finden junge Leute auch im Gesundheits- und Pflegebereich, der immer mehr Interesse bei Schulabgängern findet, konstatiert Volker Herrmann. Da präsentierten zahlreiche Ausbildungsunternehmen in der Region, von der GLG über Medizinische Schule Prenzlau bis Kursana Schwedt, ihre Angebote und Möglichkeiten.
Keine Nachwuchssorgen hat da seit ihres 30-jährigen Bestehens die Schule für Ergotherapie Angermünde. „Unsere Plätze sind heiß begehrt, wie auch unsere Absolventen“, freut sich Schulleiterin Britta Grill. Für die 26 Ausbildungsplätze 2025 gab es 108 Bewerbungen. Ergotherapeuten sind bundesweit und weltweit gefragt. Die Schule vermittelt auch ihre Absolventen in das internationale Austauschprogramm „Apex“, ein Anreiz für viele junge Menschen, in den Beruf und in die weite Welt zu schnuppern.
Eine Ausbildung in der Uckermark als Startrampe in die Welt. Das öffnet jungen Menschen aus der Region neben der vertrauten Sicherheit auch ganz neue Perspektiven. „Nichts ist unmöglich, wenn wir es hier gemeinsam machen“, zeigt sich Volker Herrmann zuversichtlich.



