Bauernprotest in Brandenburg
: Bauern blockieren A11 in Pfingstberg, so ist die Lage

Wütende Landwirte und Unterstützer protestieren auch in der Uckermark gegen die aktuelle Politik. Die Stimmung an der Autobahn A11 ist trotz klirrender Kälte aufgeheizt.
Von
Daniela Windolff,
Oliver Voigt
Angermünde
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Bauern-Protest in der Uckermark: Landwirte blockieren seit den frühen Morgenstunden des 8. Januar 2025 mit Traktoren die Zufahrt zur A 11 in Pfingstberg.

Bauernprotest an der Autobahn in der Uckermark: Landwirte blockieren seit den frühen Morgenstunden mit Traktoren die Zufahrt zur A11 in Pfingstberg.

Daniela Windolff
  • Bauern blockieren seit morgens die A11-Zufahrt in Brandenburg aus Protest gegen das Mercosur-Abkommen.
  • Kritik: Importvorteile Südamerikas gefährden deutsche Landwirtschaft und regionale Strukturen.
  • Forderungskatalog soll an Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt übergeben werden.
  • Unternehmer zeigen Solidarität: Hohe Kosten und Belastungen betreffen alle Branchen.
  • Polizei leitet Verkehr um, weitere Protestaktionen sind derzeit unklar.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Bei klirrender Kälte von minus 12 Grad harren Bauern seit den frühen Morgenstunden an der Autobahnzufahrt zur A11 in Pfingstberg aus. Heißer Tee, Feuerschale und hitzige Gespräche heizen ihnen ein. „Wir sind als Land immer bei Wind und Wetter draußen“, winken die ab. Mit Traktoren und Transportern haben sie seit morgens um 7 Uhr die Zufahrt in Richtung Berlin blockiert.

Es ist ihre Antwort auf das geplante Freihandelsabkommen Mercosur, das den Handel mit Staaten in Südamerika, vor allem Importe von Agrarprodukten wie Fleisch, erleichtern und Zölle senken oder ganz abschaffen will. Deutsche Landwirte sehen darin eklatante Wettbewerbsnachteile.

Zu den Protesten in Brandenburg hat der Bauernbund Brandenburg aufgerufen, der gleichzeitig die Landesgruppe Brandenburg in der bundesweiten Initiative Freie Bauern bildet. „Niemals werden wir das Freihandelsabkommen mit Mercosur akzeptieren“, heißt es im Protestaufruf auf der Webseite des Bauernbundes Brandenburg.

Bauernprotest: Frust der Landwirte in der Uckermark wächst

Darüber sind sich die Demonstranten in Pfingstberg einig. „Es reicht. Wir werden immer mehr geknebelt und von der Politik nicht gehört“, schimpft ein Landwirt aus Mittenwalde. Er beteiligte sich schon 2024 an den großen Bauern-Demos. „Gebracht haben sie nichts. Aber Nichtstun ist auch keine Option.“

Damals war die Erhöhung der Dieselsteuer der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Heute ist das Mercosur-Abkommen. Aber es gehe um viel mehr. „Das Mercosur-Abkommen steht sinnbildlich für einen Kurs, der regionale Strukturen schwächt: Lebensmittel würden über tausende Kilometer importiert, oft unter niedrigeren Umwelt-, Sozial- und Produktionsstandards, als sie in Deutschland gelten. Das gefährdet nicht nur heimische Betriebe, sondern auch Versorgungssicherheit und Vertrauen der Verbraucher“, erklärt Stefan Hennig aus Templin.

Protest aus der Uckermark richtet sich auch an Hanka Mittelstädt

Er hat für die Protestgruppe der Uckermark einen Forderungskatalog aufgestellt, der an die Brandenburger Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt (SPD) übergeben werden soll. Sie ist von Hause aus Landwirtin und stammt aus der Uckermark.

Bauern-Protest in der Uckermark: Landwirte blockieren die Zufahrt zur A11 in Pfingstberg. Mit Plakaten an den Traktoren machen sie ihre Wut und ihre Forderungen sichtbar.

Bauern-Protest in der Uckermark: Landwirte blockieren die Zufahrt zur A11 in Pfingstberg. Mit Plakaten an den Traktoren machen sie ihre Wut und ihre Forderungen sichtbar.

Daniela Windolff

„Die vergangenen Jahre haben deutlich gemacht, wie wichtig regionale Betriebe, kurze Lieferketten und eine verlässliche Versorgung sind. Krisen, unterbrochene Lieferketten und steigende Preise haben gezeigt, dass Versorgungssicherheit kein Selbstläufer ist, sondern politisch abgesichert werden muss“, so Hennig.

Unternehmer aus der Uckermark zeigen Solidarität

Gleichzeitig würden viele Betriebe in Deutschland eine stetig steigende Steuer- und Abgabenlast, hohe Energiepreise und wachsende Unsicherheit erleben. „Das betrifft nicht nur die Landwirtschaft, sondern auch Handwerk, Mittelstand, Dienstleister und Industrie“, schimpfen die Bauern.

Stefan Hennig ist selbst kein Landwirt, sondern betreibt die Fahrgastschifffahrt in Templin. „Ich unterstütze die Bauernproteste aus Überzeugung, weil die Politik in unserem Land alle Branchen beutelt und die wirtschaftliche Situation immer schwieriger wird. Wir müssen Solidarität zeigen“, so Hennig.

Deshalb steht am Donnerstagmorgen auch Torsten Raelert mit seinem Transporter neben den Traktoren an der A11-Zufahrt in Pfingstberg. Er ist Gastronom und betreibt die Pension „Waldesruh“ in Lychen. „Die gegenwärtige wirtschaftliche Entwicklung betrifft uns alle, ob Landwirte, Handwerk, den gesamten Mittelstand. Auch die Gastronomie hat in den vergangenen Jahren arg gelitten, gerade durch Corona, steigende Kosten, CO₂-Steuer und, und, und. Die Bauern produzieren Lebensmittel, wir verarbeiten sie. Doch wir stehen ganz am Ende der Kette. Wenn die Leute wenig Geld haben und sparen müssen, fällt als Erstes der Restaurantbesuch aus“, sagt Torsten Raelert.

Wer arbeitet, produziert und Arbeitsplätze schafft, wird zunehmend belastet, mit spürbaren Folgen für Investitionen und Beschäftigung, kritisieren die Demonstranten und verweisen aktuell auf die Schließung der Eberswalder Fleischfabrik.

Bauernproteste: „Appell aus der Mitte der Gesellschaft“

„Unser Anliegen ist kein Protest einzelner Gruppen, sondern ein breiter Appell aus der Mitte der Gesellschaft. Es geht um Arbeitsplätze, regionale Wirtschaft, soziale Stabilität und die Frage, wie widerstandsfähig unser Land in Zukunft sein soll“, erklärt Stefan Hennig.

Deshalb harren sie gemeinsam in der Kälte aus. Beamte der Polizeiinspektion Uckermark sind vor Ort und weisen Autofahrer ein, die auf die A11 fahren wollen. Sie zeigen Ausweichstrecken. Blaulichtfahrzeuge und dringende Transporte dürfen passieren. In den frühen Morgenstunden ist eigentlich Berufsverkehr, der allerdings an diesem Tag gering ausfällt. Die Protestaktion war angekündigt, viele Kraftfahrer und Pendler haben sich darauf eingestellt und sind entweder schon vor der Sperrung oder gleich Ausweichstrecken gefahren.

Die angekündigten Bauern-Blockaden an der A 11 in Gramzow und Joachimsthal fanden nicht statt. Hier waren die Zufahrten frei. Ob es weitere Protestaktionen der Bauern geben wird, ist offen.

Das Bündnis für die Agrarwende „Wir haben es satt“ ruft am 17. Januar 2026 zu einer Demo und einem Trecker-Konvoi nach Berlin auf.