Bürgerdialog
: Heikles Heimspiel für Merkel

Mit Blick auf die Situation im Osten Deutschlands räumte sie ein, "dass Sachen liegen geblieben sind“.
Von
Mathias Hausding
Schwedt
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  • Rund 70 Frauen und Männer wurden von der "Märkischen Oderzeitung", der IHK Ostbrandenburg und dem Sportverein TSV Blau-Weiß 65 Schwedt benannt, um am Bürgerdialog mit Angela Merkel teilzunehmen.

    Rund 70 Frauen und Männer wurden von der "Märkischen Oderzeitung", der IHK Ostbrandenburg und dem Sportverein TSV Blau-Weiß 65 Schwedt benannt, um am Bürgerdialog mit Angela Merkel teilzunehmen.

    Udo Krause
  • Angela Merkel begrüßt Dominik Müller und dessen Schauspielkollegen. Im großen Saal sprach sie mit Theaterleuten.

    Angela Merkel begrüßt Dominik Müller und dessen Schauspielkollegen. Im großen Saal sprach sie mit Theaterleuten.

    Oliver Voigt
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Russland? China? Trump? Vor Beginn des Bürgerdialogs am Dienstagnachmittag in den Uckermärkischen Bühnen war das Rätselraten groß, um welche Themen sich die Fragen der MOZ-Leser wohl drehen werden. Die große Weltpolitik spielte dann eine sehr kleine Rolle. Anderthalb Stunden lang ging es um Dinge, die vielen Menschen in der Uckermark sehr nah sind: Ärztemangel, Niedriglöhne, hohe Kita-Gebühren, Windkraftausbau, Klagen über zu viel Bürokratie, Stärkung des Ehrenamts, die Zukunft des PCK oder die Integration von Flüchtlingen.

Dennis Singert aus Passow wollte zum Beispiel wissen, wie erreicht werden kann, dass weniger Menschen bis nach Berlin oder weiter zur Arbeit pendeln müssen? Andere forderten von Merkel ein Bekenntnis zu fairen Löhnen im Pflegebereich und zu Mindestrenten, die ein würdevolles Leben im Alter garantieren. Und natürlich kam auch die Frage, ob das mit der Grenzöffnung im Sommer 2015 wirklich sein musste.

Die Uckermärkerin Merkel antwortete auf jede Frage sehr ausführlich. Sie legte dar, vor welchen Überlegungen sie bei ihren Entscheidungen steht und dass es oft darum geht, den richtigen Ausgleich zwischen verschiedenen Interessen zu finden. Mit Blick auf die Situation im Osten Deutschlands räumte sie ein, "dass Sachen liegen geblieben sind“. Sie sei lange davon ausgegangen, dass die Bundesländer Kraft genug haben, den Aufschwung zu schaffen. Als es vor zehn Jahren um die Bankenrettung ging oder später um die Flüchtlingsströme, habe das viel von ihrer Aufmerksamkeit erfordert. "Und mein Tag hat auch nur 24 Stunden“, sagte Merkel auf die Frage, ob sie Entwicklungsdefizite im Osten womöglich zu spät erkannt hat. In ihren Antworten auf kritische Fragen etwa zur Pflegeproblematik bedauerte sie, keine fertigen Lösungen präsentieren zu können. Den Wunsch nach weniger Bürokratie, wenn Vereine sich um Fördergelder bemühen, könne sie gut verstehen. Aber die Rechnungshöfe würden sehr genau darauf schauen, dass der Veruntreuung von Geldern durch Schwarze Schafe vorgebeugt werde.

Teilnehmer des Bürgerdialogs lobten im Anschluss die präzise und authentische Art der Kanzlerin. Axel Fachtan, der die Flüchtlingspolitik kritisch hinterfragt hatte, sagte: „Es ist gut, dass sie sich diesen Fragen stellt.“ Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl (SPD) zog ein ähnliches Fazit: „Wenn man den Dialog mit den Bürgern sucht, kommt das gut an.“ Er freute sich darüber, dass Schwedt „eine tolle Bühne für diese Veranstaltung war“. Uckermark-Landrätin Karina Dörk (CDU) zeigte sich davon beeindruckt, „wie Angela Merkel die Dinge ausdiskutiert und sich auch Fragen widmet, für die andere zuständig sind“.

Die Schwedter Theaterleute hoffen indes, dass der freundliche Besuch noch ein Nachspiel hat. Im gemeinsamen Gespräch vor dem Bürgerdialog sei es gelungen, der Kanzlerin das besondere Profil der Uckermärkischen Bühnen mit ihren über 100 Mitarbeitern zu erklären, sagte Noch-Intendant Reinhard Simon.

Hoffen auf mehr Fördermittel

Als Theater in der Fläche und an der Grenze zu Polen habe man eine wichtige Funktion für ein funktionierendes Europa. Dies müsse sich in einer besseren Bundesförderung widerspiegeln. „Wir brauchen Planbarkeit“, sagte Simon. Er hoffe, dass es nach dem Treffen zu konkreten Verbesserungen kommt.

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Hier beginnt der Infotext fett danach wieder normal⇥Autor XXX