Corona
: Klinikum Schwedt kehrt zu OP-Alltag zurück

Wegen Corona musste das Asklepios Klinikum Uckermark in Schwedt Operationen aufschieben. Nun kehrt Normalität zurück.
Von
Eva-Martina Weyer
Schwedt
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Wegen Corona musste das Asklepios Klinikum Uckermark in Schwedt Operationen aufschieben. Nun kehrt die Normalität zurück. Oberarzt Matthias Bach untersucht eine Patientin mit Krampfadern.

Oliver Voigt

Über 30 Millionen Deutsche haben ein Venenleiden. Das ist nicht immer ein kosmetisches Problem, sondern vor allem ein medizinisches.

Komplikation durch Zögern

Oberarzt Matthias Bach vom Asklepios Klinikum Uckermark ist froh, dass er nach den Corona-Lockerungen wieder operieren kann. Er hat sich auf die Varizenchirurgie spezialisiert. Seit 1999 arbeitet er im Bereich Gefäßmedizin des Klinikums und sagt: „So eine Lage wie mit Corona hatten wir noch nie. Zwei Wochen durften wir geplante OP gar nicht machen. Dann wurde gelockert und mit ambulanten Operationen begonnen. Jetzt ist es mit stationären OP losgegangen.“

Der Oberarzt ist erleichtert, dass er seine Patienten wieder behandeln kann. Er hat wegen aufgeschobener Operationen bei manchen von ihnen ein Verschlimmern des vorher bestehenden Krankheitsbildes gesehen.

So ist es zu Thrombosen, Embolien und sogar offenen Beinen gekommen. „Die Patienten haben sich nicht ins Krankenhaus getraut, weil sie Angst vor Ansteckung hatten. Gott sei Dank ist keiner von ihnen gestorben. Wir konnten alle erfolgreich behandeln. Aber es gab Komplikationen dabei, weil zu lange gewartet wurde“, sagt Matthias Bach. „Die Leute sterben eher an den Begleiterscheinungen von Corona, als durch das Virus selbst.“

Aufsteigende Venenthrombosen und daumendicke Krampfadern, bei denen die Gefahr einer Lungenembolie bestand, hätten er und seine Kollegen selbstverständlich operiert – trotz strenger Corona-Beschränkungen.

Gerade haben die Gefäßmediziner ein neues Ultraschallgerät in Betrieb genommen. Das Klinikum hat 50 000 Euro ausgegeben. Der Ultraschall macht deutlich, wo in den Beinen das Blut nicht mehr zum Herzen fließt und typische Beschwerden mit Krampfadern und Schmerzen verursacht. „Das neue Gerät läuft super. Damit untersuche ich meine Krampfaderpatienten, die ich operieren will“, erläutert Matthias Bach.

Ein leichter Eingriff ist die OP nicht. Es kann zu Komplikationen kommen wie Nachblutungen, Thrombosen und Embolien. „Deshalb ist die Nachsorge so wichtig. Die Patienten müssen auch nach der OP optimal betreut werden“, sagt der Oberarzt. „Kompressionsstrümpfe, Wundkontrolle, Kontrollultraschall und Mobilisation wie Spazierengehen sind ganz wichtig."Die Klinik für Gefäßmedizin wendet zunehmend neue Methoden der Behandlung an. Jetzt geht es nicht mehr so oft darum Krampfadern zu ziehen, sondern sie mit Hochfrequenzstrom zu veröden. Der Vorteil: Weniger Schmerzen und Nervenschäden. Matthias Bach hat dazu Kurse absolviert und ein Zertifikat erworben. „Man muss sich sehr viel Zeit nehmen für die neuen Methoden. Es ist eine Sisyphusarbeit an den Varizen.“

Alles über das Coronavirus und seine Folgen für Brandenburg und Berlin in unserem Corona-Blog.

Auf Warnzeichen achten

Er warnt, dass auch kosmetische Anliegen von Patienten nicht auf die leichte Schulter genommen werden sollten. Schon Besenreiser könnten ein Warnzeichen für tiefer liegende Probleme sein. Der Oberarzt bedauert: „Die ganze Gefäßdiagnostik liegt im Argen, weil zu wenig niedergelassene Ärzte über ein Ultraschallgerät verfügen und den Patienten einfach mal untersuchen können. Ich rate jedem Patienten, hartnäckig zu bleiben. Wenn Gefahr im Verzug ist, dann die Rettungsstelle aufsuchen. Wir haben hier schon schlimme Sachen gesehen. An einer Thrombose kann man sterben.“

Nach Corona-Lockerung wieder Sprechstunde

Blickfang Beine heißt die Sprechstunde von Matthias Bach, die er dienstags abhält (03332 534553). Da berät er zu Behandlungsmöglichkeiten von Krampfadern (Varizen). "Wir können auch schöne Beine machen. Aber vor allem wollen wir Schlimmeres verhindern. Die medizinische Notwendigkeit steht im Vordergrund."⇥emw