Digitalisierung in Angermünde: Wie Senioren fit für Tablet und Smartphone werden

Keine Angst vor Tablet und Smartphone: Simone und Jörg Kuschel von der IG Frauen und Familie wollen in Angermünde Senioren digital fit machen.
Daniela WindolffDer Alltag wird immer digitaler. Von der Online-Buchung von Terminen, über schnellen Informationsaustausch via E-Mail, Whatsapp oder Facebook bis zur digitalen Fahrplanauskunft oder Schriftwechsel mit Ämtern kommt man heute an Smartphone, PC oder Tablet kaum mehr vorbei. Doch nicht jeder kommt damit mühelos klar. „Geh wech mit dem Zeuch!“, hört Jörg Kuschel gerade von älteren Senioren häufig. Er ist Koordinator des Projektes „DigitalPaktAlter“ der IG Frauen und Familie in Angermünde. Der Verein hat im AHA-Projekthaus in der Schwedter Straße 22 ein Begegnungs-, Freizeit- und Bildungszentrum für alle Generationen aufgebaut.
Ein neuer Baustein der zahlreichen Angebote widmet sich einem Thema, das für nicht wenige ältere Menschen eine Hürde ist, die Digitalisierung. „Wir wollen Senioren Berührungsängste vor neuer Technik und modernen Medien nehmen und sie behutsam in die digitale Welt einführen und fit machen für Smartphone oder Tablet. Denn sie ermöglichen heute in vielen Bereichen die Teilhabe in der Gesellschaft“, sagt Jörg Kuschel.
Angermünde ist ein bundesweiter „digitaler Erfahrungsort“
Dafür wird in der Uckermark ein neues Angebot gestartet: „Digital mobil im Alter“, ein digitales Care Paket für Senioren. Angermünde und Prenzlau sind im gleichnamigen Bundesprogramm als sogenannte Erfahrungsorte ausgezeichnet worden, deutschlandweit gibt es 120.
Mitmachen ist ganz einfach, betont Projektkoordinator Jörg Kuschel. „Es ist ein offenes Angebot für jeden, der ganz neu in die Digitalisierung einsteigen möchte oder der sich mehr Unterstützung und Hilfe im selbstständigen Umgang wünscht, ohne jedes Mal die Enkel bitten zu müssen.“ Dabei sind keinerlei Voraussetzungen nötig, weder Wissen noch Geräte oder W-LAN, nur Interesse.
Kostenlose Ausleihe von Tablets
Dank Förderung über das Bundesprogramm, die Stiftung digitale Chancen sowie Telefónica Deutschland /O2 ist das Angebot für die Teilnehmer komplett kostenlos, einschließlich der Ausleihe von Tablets. Über das Förderprogramm konnten insgesamt 19 moderne Tablets für die Uckermark geliehen werden, die nun den Teilnehmern für den Projektzeitraum von 2 Monaten zur Verfügung gestellt werden können. Sie werden über SIM-Karten betrieben und benötigen kein W-LAN.
„Wir bieten hier im AHA-Haus eine Einführung und anschließende Schulungen mit ganz kleinen, überschaubaren Lerneinheiten an, die insgesamt über zwei Monate gehen“, so Kuschel. Die Senioren üben mit den Geräten jeden einzelnen Schritt unter individueller Anleitung, vom Anschalten bis zum Herunterladen und Nutzen von Apps, vom Surfen im Internet über Fotografieren, Anlegen und Verwalten von Ordnern bis zu Fragen rund um die digitale Sicherheit.
Hausbesuche und Einzelsprechstunden
Die Teilnehmer dürfen die Tablets mit nach Hause nehmen, um auch dort jederzeit üben und ausprobieren zu können. „Darüber hinaus bieten wir bereits jetzt schon montags und freitags von 10 bis 12 Uhr persönliche Digitalsprechstunden an, die jeder nutzen kann, der ganz individuelle Fragen oder Probleme hat oder der lieber allein, statt in der Gruppe lernen möchte, aus Angst sich zu blamieren“, informiert Jörg Kuschel.
Und sogar Haus- und Pflegeheimbesuche sind möglich, wenn Senioren nicht mobil sind, die Geräte testen möchten oder Hilfe beim Einrichten oder Anschluss von Smartphone, PC oder Drucker benötigen.
Mit Tanztee und Tablet gegen Einsamkeit
„Für uns ist dieses digitale Angebot auch Bestandteil unserer Einsamkeitsprävention, neben den Begegnungen und offenen Angeboten im AHA-Haus und im AWO-Seniorenheim am Stadtwall, wo wir mehr öffentliche Veranstaltungen auch für Gäste von außen initiieren möchten, zum Beispiel regelmäßigen Tanztee oder Spielenachmittage.
Digitalisierung ermöglicht zum Beispiel die Kommunikation mit Angehörigen auch in der Ferne und eröffnet vielfältige Möglichkeiten des Austausches und Lernens“, resümiert Jörg Kuschel.
Wer neugierig geworden ist oder etwas mehr erfahren möchte, ist zur Informationsveranstaltung am 14. Mai 2024 um 10 Uhr ins AHA-Projekthaus Schwedter Straße 22 eingeladen.
Einladung zum Digitaltag 2024 in Angermünde
Höhepunkt des Projektes ist der Digitaltag Angermünde, zu dem die IG Frauen und Familie und das AWO-Seniorenzentrum am Stadtwall alle interessierten Senioren einladen. Er findet am 6. Juni 2024 von 10 bis 16.30 Uhr im AWO-Seniorenzentrum in der Jägerstraße statt. Neben Präsentationen und Vorführungen digitaler Technik gibt es im Garten ein buntes Programm, unter anderem mit Informationsständen rund um Pflege, Mobilität sowie des Hospizvereins am Drachenkopf, Musik, Kaffee, Tee, Kuchen und Deftiges vom Grill und eine Teststrecke für E-Scooter und Fahrrad-Rikscha. Ab 14.30 Uhr wird zum Tanz mit DJ Bernd Winkler eingeladen.
Kontakt: Telefon 0151 510 525 82, Mail: haus-der-familie@igfrauen.de; AWO-Seniorenzentrum am Stadtwall Telefon 03331 2910; Mail: sz_am-stadtwall@awo-bb-ost.de



