Dürre
: Fische zappeln auf dem Trockenen

Extremer Wassermangel und ausgetrocknete Teiche bedrohen die Existenz der Karpfenfischerei an der Blumberger Mühle.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
Jetzt in der App anhören

Krisenberatung am ausgetrockneten Teich: Fischer Klaus-Peter Gensch (Mitte) hat CDU-Politiker Jens Koeppen, Gregor Beyer vom Forum Natur, den CDU-Landtagskandidaten Andreas Meyer und Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes, um Hilfe gerufen.

Oliver Voigt

Die Karpfen zappeln auf dem Trockenen, doch Fischer Klaus-Peter Gensch steht das Wasser bis zum Hals. Am großen Welseteich, dort wo alljährlich im Herbst das große Abfischen als Volksfest stattfindet, sind statt der 23,5 Hektar großen Wasserfläche nur noch Pfützen und Rinnsale zu sehen. „Der Wasserstand ist um 1,60 Meter gesunken und der Teich stellenweise komplett verlandet“, beschreibt Fischer Klaus-Peter Gensch die Folgen der anhaltenden Trockenheit im zweiten Jahr in Folge. Seine Karpfen zappeln im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Trockenen und verenden. Wo sie noch Wasser finden, sinkt der Sauerstoffgehalt trotz Pumpen dramatisch. „Wir können deshalb nicht füttern, weil das noch mehr Sauerstoff binden würde. Fische, die überleben, wachsen aber nicht.“

Buffet für Kormorane

Zu den Verluste durch Wassermangel kommen Fraßschäden, denn der flache Wasserstand macht aus den Teichen ein gedecktes Buffet für Kormorane, Fischadler, Fischotter und Co., die im Naturschutzgebiet der Blumberger Teiche, die der Fischer vom Nabu gepachtet hat, nicht ver- oder gejagt werden dürfen. Klaus-Peter Gensch rechnet in dieser Saison mit Verlusten von über 150 000 Euro, die er auch nicht durch andere Standbeine wie das Stör-Wiederansiedlungsprogramm für den Baltischen Stör oder die Mast von Kaviar-Stören kompensieren kann. Denn auch in diesen Anlagen ist der Wassermangel dramatisch zu spüren. Kommt keine Entschädigungshilfe vom Staat, muss Fischer Gensch seinen Betrieb aufgeben. Bisher erhalten Teichwirtschaften Ausgleichszahlungen nur für Fraßschäden oder durch Ausfälle durch zu hohe Wassertemperaturen, nicht aber für Dürre und Wassermangel. Außerdem sind es nur maximal 30 000 Euro innerhalb von drei Jahren. Die hat Fischer Gensch durch Schäden von Biber und Kormorane in den vergangenen zwei Jahren schon fast aufgebraucht. Deshalb hat er einen Hilferuf an die Politik gestartet und bekommt auch Unterstützung vom Landesfischereiverband Berlin-Brandenburg. Geschäftsführer Lars Dettmann fordert seit Jahren für die Teichwirtschaft eine vergleichbare Entschädigung wie die Landwirtschaft. Gemeinsam mit Fischer Gensch, den CDU-Politikern Jens Koeppen und Andreas Meyer, sowie Gregor Beyer vom Forum Natur trafen sie sich nun zu einer Krisenberatung vor Ort an den ausgetrockneten Blumberger Teichen, wie schnell geholfen werden kann und welche politischen Instrumente mittel- und langfristig notwendig sind, um die Teichwirtschaft in Brandenburg und bundesweit am Leben zu erhalten. Dazu gehöre die Berücksichtigung des Klimawandels ebenso wie der Umgang mit geschützten Arten wie Biber oder Kormoran, über dessen Bejagung kontrovers gestritten wird, obwohl sich die Bestände stabilisiert haben.

Wie inszeniert kreisen Fischadler und Kormorane über den Teichen und bedienen sich an den hilflosen Karpfen, die auf dem Präsentierteller liegen. „An dem Artenreichtum sieht man, welche unersetzbare Naturschutzarbeit der Fischer hier leistet. Aber wir produzieren ja hier kein Vogelfutter.“ Deshalb müsse auch über den Schutzstatus bestimmter Arten neu nachgedacht und die Entschädigung verbessert werden, wie zum Beispiel für Schäfer bei Schäden durch den Wolf. „Ist der Fischer erst weg, verlanden die Teiche und wertvolle Biotope sind verloren. Dann gibt es hier nur noch Schilf und Schwarzwild“, sagt Lars Dettmann. Oder man müsste Landschaftsgärtner engagieren, um die Teiche zu pflegen, die weitaus teurer sind und nicht die Wertschöpfung einer Fischerei bringen. Jens Koeppen verweist auf eine neue Richtlinie zu Ausgleichszahlungen, die 2016 auf Druck der CDU-Fraktion im Land erarbeitet wurde, die allerdings bis heute nicht notifiziert wurde. Koeppen will nachhaken, ob sie überhaupt schon beim Bund eingereicht wurde. Die Verwaltungsbürokratie arbeite viel zu träge, so lange können bedrohte Betriebe gar nicht warten.

Ausgleichszahlung für Schäden

Zur Entschädigung der Teichwirte für Schäden, die durch geschützte Arten wie Kormoran, Silber- und Graureiher, Fischotter und Biber entstehen, hat das Land 2018 eine Richtlinie erlassen, die jedoch bisher nicht die tatsächlichen Schäden und keine Ausfälle durch Dürre und Wassermangel berücksichtigt. Bislang fehlt eine bundesweite Richtlinie und ein europäisch abgestimmtes Management. In einigen Bundes- und europäischen Ländern dürfen Kormorane und Biber geschossen werden und werden als Wildbret verwertet.⇥dw