Der an den Energiemärkten ohnehin schon exorbitant gestiegene Gaspreis erhöht sich zusätzlich um drei gesetzliche Gasumlagen. Wie die meisten anderen Energieversorger sehen sich nun auch die Stadtwerke Schwedt aufgrund der Mehrkosten gezwungen, diese zum 1. Oktober an ihre Kunden weiterzugeben, heißt es in einer Presseerklärung der Stadtwerke.
„Selbst die besten Analysten haben nicht mit derartigen Preisentwicklungen gerechnet“, beginnt Dirk Sasson, Geschäftsführer des Unternehmensverbundes Stadtwerke Schwedt, die Gaspreisentwicklung an den Börsen seit dem letzten Jahr einzuschätzen. Neben der Verzehnfachung der Beschaffungskosten seit Herbst 2021 sind es drei neue Gasumlagen, die ab 1. Oktober 2022 zusätzlich zu Buche schlagen.
Stadtwerke-Kunden hätten in den letzten Monaten von der mittelfristigen Beschaffungsstrategie des kommunalen Energieversorgers profitiert. Große Energiemengen wurden bereits vor Längerem zu günstigen Konditionen beschafft, kleinere Mengen müssen zu aktuellen Marktpreisen zugekauft werden. Jeder Energieversorger fährt hier eine andere Strategie.
Wer sich zum Zeitpunkt sehr niedriger Preise langfristig eindeckt, kann seinen Kunden derzeit die besseren Preise bieten.

Langfristig und vertraglich festgelegten Preise können nicht gehalten werden

Neukunden können so allerdings nicht mehr versorgt werden, viel zu teuer ist der Energienachkauf an den Terminmärkten geworden. Wer einen neuen Gasanbieter sucht, muss tief in die Tasche greifen, sofern der Versorger überhaupt noch Neukunden aufnimmt. Die langfristig und vertraglich festgelegten Preise können Gasimporteure, wie Uniper, schlicht nicht mehr halten. Die Gasbeschaffungsumlage soll diese Preisverwerfungen nun ausgleichen.
Alle Verbraucher finanzieren diese mit, so auch die Schwedter Stadtwerke-Kunden. Für die insgesamt rund 60 GWh müssen sie nun rund 1,8 Millionen Euro mehr aufbringen. „Wir können daher das aktuelle Preisniveau nicht länger abfedern. Um eine nachhaltige Versorgung auch zukünftig sicherstellen zu können, müssen wir diese Mehrkosten an die Verbraucher weitergeben“, erläutert Sasson.

Verbraucher werden in den nächsten Tagen per Post informiert

Faktisch jeder deutsche Anbieter von Gastarifen und -produkten hat Preissteigerungen angekündigt. „Unsere Kunden erhalten die Information zur geänderten Gaspreislage ab dem 1. Oktober dieser Tage per Post“, so Sasson. Gas wird demnach – gegenüber den Preisen seit der letzten Anpassung im Juli 2022 und abhängig vom gewählten Produkt – um rund 40 Prozent teurer. Der Arbeitspreis erhöht sich ab 1. Oktober um netto 4,93 ct/kWh [5,87 ct/kWh brutto bei 19 % Mehrwertsteuer]. Der Grundpreis kann gehalten werden und bleibt unverändert, keine Selbstverständlichkeit im Vergleich zu anderen Anbietern.
Die Stadtwerke rechnen vor, wie sich diese Preiserhöhungen – unberücksichtigt der eventuellen Mehrwertsteuersenkung – auf Beispielhaushalte auswirken. Ein Singlehaushalt mit 5000 kWh im Jahr muss in 2022 mit einer Mehrbelastung von 235 Euro gegenüber 2021 rechnen. Ein Zweipersonenhaushalt mit einem Jahresverbrauch von 10000 kWh zahlt 471 Euro mehr, bei einer Familie mit einem Gasverbrauch von 20000 kWh schlagen die Mehrkosten für 2022 mit 941 Euro für zu Buche.

Zusatzbelastungen für viele Verbraucher schwer zu verkraften

„Als kommunaler Versorger sind die Daseinsvorsorge, stabile Preise und Versorgungssicherheit für uns oberstes Gebot. Die aktuellen Entwicklungen sind daher auch für uns sehr schwierig. Natürlich ist uns bewusst, dass die Zusatzbelastungen durch die gestiegenen Energiepreise für viele nicht einfach zu verkraften sind“, sagt Sasson und bekräftigt: „Jede Entlastung, die von der Bundesregierung beschlossen wird, werden wir natürlich transparent an unsere Kunden weitergeben.“ Bezug nimmt er dabei auch auf die von der Bundesregierung geplante Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 7 Prozent für Gaskunden ab Oktober 2022.
Die Senkung soll zunächst bis März 2024 gelten, wobei Einzelheiten der genauen Umsetzung noch offen sind. „Die Anpassung des Mehrwertsteuersatzes“, so Sasson, „sorgt für eine höhere Entlastung vom Singlehaushalt bis hin zu Haushalten von Familien.“ Ein Einpersonenhaushalt würde für 2022 anteilig um circa 36 Euro entlastet. Ehepaare können mit rund 72 Euro und Familien mit etwa 145 Euro weniger Steuern auf ihre Gaskosten rechnen.

Absenkung der Temperatur um 1 Grad spart 6 Prozent

Trotz gesenkter Mehrwertsteuer empfiehlt sich, den Gasverbrauch zu senken und vorzusorgen. „Viele unserer Kunden nutzen bereits vielfältige Energiesparpotenziale Zuhause. Und das ist auch gut so“, betont Sasson. Einen Rat gibt er dennoch. „Keiner möchte im Winter frieren, aber bereits eine Absenkung der Raumtemperatur um einen Grad sorgt für eine Einsparung von sechs Prozent.“
Um mit der anstehenden Energieabrechnung für das Jahr 2022 nicht von hohen Nachzahlungen überrascht zu werden, passen die Stadtwerke Schwedt die Abschläge für ihre Kunden automatisch für die Monate Oktober bis Dezember an. Dazu erhält jeder Kunde im Nachgang zur Preisanpassung eine gesonderte Information.
Ein Ablesen der Zählerstände zum Zeitpunkt der Preisänderung sei nicht notwendig, diese würden – wie bundesweit üblich – automatisch im Abrechnungssystem ermittelt und am Jahresende im Rahmen der Zählerablesung abgefragt werden.
Auch im Bereich der Stromversorgung zeichnen sich enorme Preissteigerungen ab, die eventuell ab Januar 2023 für die Kunden der Stadtwerke Schwedt wirken. Die Preisentwicklung in Bereich der Fernwärme wird – ähnlich wie beim Gas – zu Kostenerhöhungen zum Jahresbeginn führen.