Den Altarraum der evangelischen Kirche Schwedt schmückt ein Foto. Auf ihm ist ein hemdsärmeliger Pfarrer Hans-Rainer Harney zu sehen. Er steht im Garten des evangelischen Gemeindezentrums Schwedt und würzt Grillfleisch für eine Chorfete im Freien. Dieses Foto charakterisiert Hans-Rainer Harney: Gern für andere da sein. Am 25. April ist der langjährige Stadtpfarrer von Schwedt gestorben.
Seine Beisetzung fand wegen der Corona-Beschränkungen nur im engsten Familienkreis statt. Die Kirchengemeinde und Weggefährten von Hans-Rainer Harney hatten das sehr bedauert. Nun konnte es eine Gedenkstunde für ihn in der Kirche geben. – Ebenfalls mit Beschränkungen, aber Gemeindeglieder, Freunde, Schwedts Bürgermeister Jürgen Polzehl und Stadtverordnete waren gekommen. Denn Harney war von 1999 bis 2003 auch Stadtverordneter der Fraktion Bündnis 90/Grüne.

Zuversicht in dunklen Zeiten

Das sozial-diakonische Gemeindezentrum an der Berkholzer Allee, wo er sich einst für seine Chorfreunde ums Grillen kümmerte, lag ihm sehr am Herzen. Er hat an dessen Aufbau mitgewirkt. Harney war aber auch ehrenamtlicher Ausländerbeauftragter von Schwedt, 1989 Mitbegründer des Neuen Forums und Mitglied im Bündnis gegen Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Rassismus.
„Er war so etwas wie ein Vorbild für mich in meiner Zeit als jugendlicher Rebell und junger Vater“, erinnerte sich Kreisjugendpfarrer Falko Becker. „Gemeinsam haben wir 1988 Fürbitten für die Inhaftierten Stephan Krawczyk und Freya Klier gehalten. Sein Mut und seine Zuversicht haben mich geprägt. Er hat mich bei meiner Entscheidung, Theologie zu studieren unterstützt und begleitet.“
Hans-Rainer Harney hat 30 Jahre in Schwedt gelebt und war 15 Jahre Gemeindepfarrer. „Er war ein Mensch, bei dem sich Betrachtung und Tat, Glauben und Alltag eng miteinander verwoben haben“, hatte sich Pfarrerin Christa Zepke zu Beginn an die Zuhörer in der Kirche gewandt. „Was entspringt seinem Glauben und was seinen politischen Überzeugungen? Das konnte man oft gar nicht unterscheiden bei ihm.“ Der Kirchenchor, dem er angehörte, sang in der Gedenkstunde für ihn.

Aktiv bei Bündnis 90/Grüne

Dr. Rotraut Gille, Vorsitzende des Regionalverbands Schwedt im Naturschutzbund, hatte Hans-Rainer Harney zu Wendezeiten kennengelernt, als er die Kirche für junge Leute öffnete, die über Veränderungen in der DDR diskutieren wollten. In der Stadtverordnetenversammlung bildeten beide die Fraktion Bündnis 90/Grüne. „Das waren vier schöne Jahre, in denen wir unsere Themen gemeinsam ausfochten“, sagte Rotraut Gille. „Wir waren uns auch nach unserem Ausscheiden aus dem politischen Leben verbunden und haben die Schwedter Solarinitiative angeschoben, als Solarenergie noch kein Trendthema war.“
Mit Tränen in den Augen wandte sich die Witwe Monika Harney zum Abschluss an die Zuhörer in der Kirche: „Vielen Dank für diese gute Stunde. Ich bin froh über die 30 Jahre, die wir in Schwedt gewesen sind.“

Kondolenzbuch lag mehrere Tage in Kirche aus

Monika Harney war hier ebenfalls als Pfarrerin tätig. Sie bedankte sich außerdem für das Kondolenzbuch, das mehrere Tage in der Kirche ausgelegen hatte, sowie für die vielen Kondolenzkarten, die bei ihr eingetroffen sind und einen Karton füllen. „Viele Menschen haben nicht einfach nur eine Karte geschickt, sondern ganze Briefseiten vollgeschrieben.“
Am Kirchenausgang spendeten Teilnehmer der Gedenkstunde für den Verein Pro Asyl, in dem sich Hans-Rainer Harney engagiert hat.

Der Verein Pro Asyl


Pro Asyl setzt sich für die Menschenrechte und den Schutz von Flüchtlingen in Deutschland und Europa ein. Gegründet wurde Pro Asyl 1986 von Mitarbeitern aus Flüchtlingsräten, Kirchen, Gewerkschaften, Wohlfahrts- und Menschenrechtsorganisationen. Sie wollten der sich damals ausbreitenden Hetze gegenüber Asylsuchenden entgegentreten. Seitdem kämpft der Verein, der Anlaufstellen in allen Bundesländern hat, für den Schutz von Verfolgten. Ermöglicht wird die Vereinsarbeit durch Förderer, Spender und Stifter. Gegenwärtig sind mehr als 24.000 Menschen Fördermitglied von Pro Asyl.