Feueralarm
: Dürre, Wölfe, Brände und fremde Investoren belasten Landwirt in Angermünde

Der Schäfer Stefan Israel aus Stolpe sieht seinen Berufsstand immer mehr gefährdet. Ein Brand seiner Heumiete treibt die Sorgen höher
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Rauch und Asche: Mehr bleibt Schäfer Stefan Israel von den Heuballen nicht übrig, die in Flammen aufgegangen waren. Mit der Scheibenegge hatte er einen Brandschutzstreifen um den Haufen gezogen. Mehr konnte er nicht tun, als resigniert zuzusehen.

Daniela Windolff

Jetzt sind 80 Heuballen am Dienstagnachmittag hier auf seiner Wiese, direkt neben dem Schafstall in Flammen aufgegangen. Die Feuerwehr konnte nur noch ein Ausbreiten des Feuers durch Wind und Trockenheit verhindern und ließ die Miete kontrolliert abbrennen. Stefan Israel zog mit der Egge einen Brandschutzstreifen. Einer der ersten, der mit zu Hilfe eilte, war Jörg Schmidt, Feuerwehrmann und Landwirt aus dem benachbarten Crussow. Er half mit Technik, den glimmenden Berg auseinander zu ziehen und leistete moralischen Beistand. „Wir waren in der Vergangenheit selbst öfter von Bränden betroffen. Ich kann nachfühlen, wie das ist“, sagt Jörg Schmidt, der in der Crussower Agrar GmbH arbeitet. Ende der 1990er Jahre ließ eine ganze Brandserie die Bauern der Umgebung zittern. Es waren Kinder und Jugendliche, die zündelten. Vor drei Jahren brannten erneut Strohmieten.

Was das Feuer an der Schäferei im Stolper Ortsteil Linde ausgelöst hatte, ist allerdings noch ungeklärt. Der materielle Verlust, etwa 3000 Euro, wiegt für Stefan Israel doppelt so schwer, weil durch die aufeinanderfolgenden Dürrejahre ohnehin kaum etwas auf dem kargen Boden in Stolpe wächst und der Schäfer Futter teuer dazu kaufen muss. Im Sommer sind seine beiden Schafherden zwar draußen auf der Weide, doch die Sorgen drücken an vielen Enden. 26 Hektar Land hat er gekauft, magerer Boden. 260 Hektar nutzt er insgesamt für seinen Betrieb. Landkauf ist durch den Nationalpark hier äußerst schwierig, weil der Förderverein der Freunde des Nationalparks einen Großteil der Flächen aufgekauft hat und selbst entscheidet, wer hier wirtschaftet. Es ist ein  fremder Investor aus Sachsen, der seit einigen Jahren auf Nationalparkflächen Schafherden hält und durch Tierquälerei schon negativ auffiel, weil Lämmer und Mutterschafe auf der Weide qualvoll verdursteten und verreckten. Der heimische Schäfer aus Stolpe, der seit Jahrzehnten hier ansässig ist, muss auf andere Flächen ausweichen. Nicht die Konkurrenz ärgert ihn, damit muss und kann er leben. „Mich bedrückt, dass es zunehmend nur noch um Flächenprämien und Landschaftspflegegeld geht. Nicht mehr um traditionelle Schafhaltung mit Achtung vor dem Tier“, sagt Stefan Israel. Auch die Viehhändler, denen er sein qualitativ hochwertiges Lammfleisch verkauft, drücken den Preis. Doch die Kosten steigen.

Kein Leben ohne Schafe

420 Mutterschafe hält Stefan Israel derzeit. Er lässt sie im Stall lammen, warm, trocken, mit gutem Futter und unter besseren Bedingungen als allein auf der Weide, Wind, Wetter und Raubvögeln ausgesetzt. Doch nun will er seinen Bestand reduzieren. Er ist gerade 65 geworden. Doch ganz ohne Schafe kann er sich sein Leben nicht vorstellen.

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Weidezaungerät gestohlen

Obwohl inzwischen andere Unwägbarkeiten hinzukommen: Wölfe. Zwei soll es  auf dem Stolper Burggelände geben. Gerissen wurde bei ihm noch kein Tier. Er hat mit zwei Herdenschutzhunden vorgesorgt. Viel ärgerlicher seien freilaufende Hunde, womöglich von Touristen, die seine Herde so verschreckten, dass sie  Lämmer in den Schlamm trieben und sich ein Tier die Beine brach.

Außerdem wurde dem Schäfer ein Weidezaungerät gestohlen, so dass die Schafe ausbrechen konnten und sich weit verstreuten, ehe der Schäfer seine Schäfchen mühsam wieder eintreiben konnte. Und jetzt der Brand. Doch sein breites Kreuz wird auch diesen Schicksalsschlag tragen. Wenn er draußen bei seinen Schafen ist, weiß er, warum er das tut.