Freie Schule Angermünde
: Neuer Schulcampus für Inklusion eröffnet – das Konzept

Kleine Gruppen, Lernen ohne Stress, Montessori von Klasse 1. bis 10. Sieht so die ideale Schule aus? In Angermünde findet das viel Zuspruch. Wie funktioniert das und was ist eine Familien-Klasse?
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Die Freie Schule Angermünde bietet Reformpädagogik als Alternative zur staatlichen Schullandschaft und damit sehr großen Erfolg.

Die Freie Schule Angermünde bietet Reformpädagogik als Alternative zur staatlichen Schullandschaft und damit sehr großen Erfolg.

Daniela Windolff
  • Neuer Schulcampus der Freien Schule Angermünde eröffnet für inklusive Bildung.
  • Klassen: Kleine Gruppen, jahrgangsübergreifend, Grundschule max. 26 Kinder, Oberschule 14.
  • Barrierefreie Sanierung, moderne Ausstattung, integrative Förderung.
  • Einführung der Familien-Klasse für Kinder mit besonderen Bedürfnissen.
  • Tag der offenen Tür am 16. November 2024 von 10 bis 13 Uhr.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Eine Schule für alle, von der Vorschule bis zum Schulabschluss, das ist das Erfolgskonzept der Freien Schule Angermünde. Hier lernen 5- bis 17-Jährige, Kinder mit und ohne Behinderung, Hochbegabte und Schüler mit Förderbedarf, alle unter einem Dach. Und das ist seit diesem Schuljahr auch wortwörtlich gemeint. In der Kirchgasse 2/3, mitten in der Altstadt, ist nach kompletter Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudeensembles ein moderner Schulcampus eröffnet und damit ein traditionsreicher historischer Schulstandort gerettet worden.

Die frühere Knabenschule und zu DDR-Zeiten polytechnische Puschkin-Oberschule ist heute eine staatlich anerkannte Ersatzschule, die neue Wege des gemeinsamen Lernens mit reformpädagogischen Konzepten und Inklusion beschreitet. Doch wie sieht das in der Praxis aus?

Ein Schultag in der Freien Schule unterscheidet sich augenscheinlich nur unwesentlich von dem einer staatlichen Schule.

Angermünde: Kleine Klassen und per Du mit dem Lehrer

Dass man hier Hausschuhe trägt und die Lehrer duzt, ändert nichts daran, dass man pünktlich sein und Regeln beachten muss, dass es feste Unterrichtszeiten, Rahmenlehrpläne und Tests gibt. Und doch ist hier vieles anders. Ein wesentlicher Unterschied ist die Klassengröße.

„An unserer Schule lernen die Schüler in jahrgangsübergreifenden Stammgruppen, also 1. und 2. Klasse gemeinsam, 3. und 4. Klasse und so weiter. Dabei sind die Gruppen in der Grundschule insgesamt maximal 26 Kinder stark, in der Oberschule nur 14. Bei Bedarf und je nach Lerninhalten werden die Gruppen geteilt“, erklärt Stephanie Rapp vom Schulleitungsteam. Dass sich drei Leitungskräfte gleichberechtigt diese Funktion teilen, ist übrigens auch ein Novum.

So funktioniert Inklusion an der Freien Schule Angermünde

Aktuell hat die Freie Schule Angermünde mit Grund- und Oberschule 137 Schüler. Viel größer will die Schule trotz steigender Nachfrage nicht wachsen, um dem Konzept der individuellen Lernbegleitung treu bleiben zu können.

Die Schule lebt seit ihrer Gründung 2001 den inklusiven Gedanken, als der Begriff Inklusion in der Schullandschaft weitgehend unbekannt war.

Schulcampus der Freien Schule Angermünde: Das denkmalgeschützte Gebäudeensemble wurde wieder verbunden und durch einen modernen Anbau ergänzt. Der Schulhof wird noch mit Eltern und Schülern gemeinsam gestaltet.

Schulcampus der Freien Schule Angermünde: Das denkmalgeschützte Gebäudeensemble wurde wieder verbunden und durch einen modernen Anbau ergänzt. Der Schulhof wird noch mit Eltern und Schülern gemeinsam gestaltet. Stephanie Rapp von der Schulleitung und Marcel Berschneider vom Trägerverein sind regelmäßig im Austausch vor Ort.

Daniela Windolff

Kinder mit unterschiedlichsten Beeinträchtigungen waren und sind hier immer willkommen und ihre Zahl ist stetig gestiegen. Inzwischen konnte durch die Sanierung der beiden denkmalgeschützten Gebäude die gesamte Schule barrierefrei gestaltet werden, vom Keller bis zum Dachgeschoss, von der Kreativwerkstatt bis zur Kinderküche.

Angermünde eröffnet erste Familien-Klasse

Zusätzliche Räume für Rückzug bzw. Förderung und Therapie stehen ebenso zur Verfügung, wie qualifizierte und erfahrene Pädagogen, Lerntherapeuten und Schulbegleiter. Ganz neu ist die Familien-Klasse. Das ist eine kleine Lerngruppe für besondere Kinder, die nicht normal beschult werden können, aber sonst nirgendwo einen Platz haben, außer in einer Förderschule.

Stephanie Rapp erklärt das Konzept: „Wir schaffen in einer kleinen Gruppe mit persönlichen Bezugspersonen und individueller Förderung Bedingungen, um auch solche Kinder bei uns zu integrieren." Im Unterricht sind die Kinder unter sich, im Schulalltag mit allen zusammen. So gehört das gemeinsame Mittagessen in der neuen Caféteria zum täglichen Ritual. In der eigenen Küche wird jeden Tag frisch gekocht.

Von der Vorschule bis zur 10. Klasse unter einem Dach

Dadurch lernen und praktizieren Kinder ganz selbstverständlich jeden Tag gegenseitiges Verständnis, Toleranz und ein offenes, respektvolles Miteinander, ohne Angst vor Vorurteilen und Diskriminierung. Mitgefühl und oft rührende Hilfsbereitschaft wächst auch durch die Altersmischung von der Vorschule bis zur Sekundarstufe 1. Im neuen Schulcampus leben alle unter einem Dach.

Das ist selbst für das Pädagogen-Team und den Trägerverein eine neue Erfahrung. „Es ist rührend, wie sich ältere Schüler um die ganz Kleinen kümmern, bisher schüchterne Oberschüler aus sich herauskommen, und die Jüngeren wissbegierig nach den Großen schauen. Jeder profitiert“, sagt Stephanie Rapp.

So fließend die Übergänge zwischen den Jahrgängen sind, so verzahnt greifen auch die einzelnen Unterrichtsfächer ineinander. „Fächerübergreifende Projekte anstatt Frontalunterricht in Mathe Deutsch oder Physik, auch mit vielen außerschulischen Kooperationspartnern in der Region, die Vielfalt der Angebote, das ist einer der großen Unterschiede zu den meisten staatlichen weiterführenden Schulen“, findet Marcel Berschneider, Vorstandsmitglied und Vater.

Fächerübergreifende Projekte statt Frontalunterricht

Die Freie Schule Angermünde ist selbstverwaltet und wird von einem Elternverein getragen.  Elternarbeit ist deshalb ein Grundpfeiler des Schulkonzeptes.

Der für ihn wichtigste Unterschied sei jedoch die Selbstbestimmtheit der Schüler und die vertrauensvolle, familiäre Atmosphäre. Bei aller Freiheit orientiert sich die Freie Schule Angermünde am Rahmenlehrplan und vergibt alle Abschlüsse der Sekundarstufe I. Bei entsprechenden Leistungen erwerben die Schüler die Berechtigung zum Besuch der gymnasialen Oberstufe.

Tag der offenen Tür am 16. November 2024

Etwa 50 Prozent der Kinder wachsen direkt aus der Grundschule in die Oberschule hinein. Andere wechseln nach der 6. Klasse von staatlichen Schulen in die freie Oberschule. Die Nachfrage aus der gesamten Region Uckermark, Barnim und Märkisch Oderland wächst, trotz Schulgeld, das Eltern hier bezahlen müssen. Was auf Eltern dann zukommt, was die Schule bietet und wie der neue Campus am historischen Standort aussieht, können Interessierte beim Tag der offenen Tür am 16. 11. 2024 von 10 bis 13 Uhr vor Ort in der Kirchgasse 3 erfahren.