Jubiläum
: „Was sich liebt, das neckt sich“

Hildegard und Hans- Jürgen Stüwe feiern am 20. März 2019 in Schwedt das seltene Fest der Eisernen Hochzeit.
Von
Dietmar Rietz
Schwedt
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Eiserne Hochzeit: Vor 65 Jahren gaben sich Hildegard und Hans-Jürgen Stüwe das Ja-Wort. Bürgermeister Jürgen Polzehl (l.) gratuliert zum Jubiläum persönlich.

Dietmar Rietz

Genau so sonnig-schön wie an diesem 20. März war das Wetter vor 65 Jahren gewesen, erinnert sich Hans-Jürgen Stüwe. Er gab damals, 1954, seiner Frau Hildegard das Ja-Wort. Sie trug – wie das sorgsam gerahmte Hochzeitsfoto bis heute beweist – ein weißes Kleid und einen Schleier und Tulpen als Brautstrauß in der Hand. Er war in  einen dunklen Anzug gewandet, trug Fliege und damals noch lockig gewelltes Haar.

Am Mittwoch wurde das Ehejubiläum in Schwedt gefeiert. Mit den beiden Kindern, Freunden und Bekannten. Bürgermeister Jürgen Polzehl gratulierte dem Jubelpaar persönlich. Alte Geschichten aus dem bewegten Leben der beiden wurden erzählt.

Hans-Jürgen Stüwe wurde in Neubrandenburg geboren und wuchs in der Reuterstadt Stavenhagen auf. 14 Jahre lang war er Verkehrspolizist. Als ungelernter Anlagenfahrer bekam er 1964 im Erdölverarbeitungswerk Arbeit, machte seinen Chemiefacharbeiter auf der Abendschule, den Meister hinterher und verdiente gut in der Bezinverbleiung.

Hildegard ist eine geborene Dey.  Sie stammt aus Danzig, flüchtete in den Wirren des Zweiten Weltkrieges mit ihrer Familie nach Stavenhagen. In einer Zuckerfabrik fand sie dort eine Anstellung. Später war sie Hortnerin und in Schwedt arbeitete sie schließlich in der EDV-Abteilung des PCK und später in  der Mineralwasserfabrik.

Ihren Hans-Jürgen lernte Hildegard beim Pantoffelmachen kennen. „Nur Unsinn hat er da gemacht“, erinnert sie sich. Und zum Lachen hat er sie gebracht mit seinen Streichen. Und Tanzen hat sie ihm beigebracht.  Liebe auf den ersten Blick sei es aber nicht gewesen, gestehen der gebürtige Neubrandenburger und seine aus Danzig stammende Frau. „Wir mussten uns erst mal ärgern“, erklären die Jubilare. Aber was sich neckt, das liebt sich dann doch – zumindest im Hause Stüwe. Drei Jahre dauerte die Verlobungszeit. Dann wurde geheiratet. Ganz in Weiß und mit einem Tulpenstrauß. 1954 und 1958 wurden die beiden Kinder Eveline und Siegfried geboren wurden. Nach Schwedt ging die junge Familie Mitte der 1960er-Jahre der Wohnung wegen. Wohnungen waren im Rest der Republik damals rar wie Rosen im DDR-Winter.

Ihre Heimat im Norden haben Hildegard und Hans-Jürgen Stüwe nie vergessen, aber Schwedt tragen sie seit 55 Jahren im Herzen. Die Kinder wohnen weit weg, die Enkel auch. Familie ist den Stüwes lieb und teuer. Aber wegziehen aus Schwedt? „Schwedt ist Schwedt“, sagt der Jubilar. „Hier haben wir eine ordentliche Genossenschaftswohnung, alles dicht vor der Tür. Gute Nachbarn. Wir sind alt geworden in Schwedt. Alte Bäume verpflanzt man nicht.“