Kampftag: Abgehängt vom Tariflohn

Frühlingsfest mit Wahlkampfansagen: Stefan Zierke, Unterbezirksvorsitzender der SPD Uckermark, steht den Besuchern des Maifestes am Schwedter Bollwerk Rede und Antwort. Gemeinsam mit dem DGB ruft er dazu auf, zur Europawahl zu gehen.
Oliver VoigtNiedriglohnland Uckermark – dieser Missstand kocht regelmäßig zum politischen 1. Mai am Schwedter Bollwerk hoch. Der Landkreis mit einer der höchsten Arbeitslosenquoten Deutschlands hängt beim Durchschnittseinkommen hinterher. Einer der Gründe: „Nur 25 Prozent der Unternehmen sind tarifgebunden“, kritisiert Marianne Wendt vom Deutschen Gewerkschaftsbund. „Das passiert, weil Arbeitnehmer zu wenig organisiert sind.“ Teilweise würden sich die Leute sogar gefallen lassen, unter dem gesetzlichen Mindestlohn bezahlt zu werden. Steckt die Angst vor dem Verlust des Arbeitsplatzes dahinter? „Wo wollen denn die Arbeitgeber bei der Fachkräftesituation ihr Personal hernehmen?“, kontert die Gewerkschafterin. Unternehmer müssten sich spätestens jetzt überlegen, ob sie Arbeiter und Angestellte besser entlohnen.
Kinderfreundlichkeit gefordert
Am Schwedter Bollwerk stehen die Informationsstände von Gewerkschaft und SPD gleich nebeneinander. Die Liste der Forderungen zum Kampftag der Arbeiter stimmt in vielen Punkten überein. Es geht nicht immer nur um Tarife. „Deutschland muss einfach kinderfreundlicher werden“, so Marianne Wendt. „Viele Alleinerziehende haben Probleme, weil Arbeits- und Kinderbetreuungszeiten nicht übereinstimmen.“ Großeltern seien häufig nicht mehr verfügbar, weil sie selbst noch arbeiten.
Mehr Geld für Auszubildende verlangt der SPD-Bundestagsabgeordnete und Unterbezirksvorsitzende Stefan Zierke. Jugendlichen in der Uckermark falle es sehr schwer, sich eine kleine Wohnung zu leisten, Fahrkarten zu bezahlen und von der derzeitigen Vergütung leben zu können. Nächstes Thema – eine Grundrente ohne Bedürftigkeitsprüfung. „Es ist gerade für Ostdeutsche beschämend“, so Zierke. Viele Besucher des Maifestes haben sich in die ausliegenden Unterschriftenlisten dazu eingetragen.
Doch DGB und SPD nutzen den ersten Mai auch für die bevorstehende Europawahl. Gleiche Lohnstandards in verschiedenen Ländern fordert die Gewerkschaft. Und eine möglichst hohe Wahlbeteiligung. „Europa ist eben nicht nur die Gurke oder die Glühbirne“, so Marianne Wendt. „Europa hat gerade für die Menschen viele Erleichterungen geschaffen.“ Das sehe man besonders in Schwedt und in der Region Gartz, sagt Stefan Zierke. Arbeitsplatzsicherheit, grenzüberschreitender Austausch und Stabilität seien Ergebnisse. „Wer aus der DDR kommt, der weiß, was kalter Krieg und Aufrüstung bedeuten. Und so gibt es Ängste, dass durch Nationalismus alte Gräben wieder aufgerissen werden.“
SPD und Linke stellten auch ihre Kommunalwahlkandidaten beim Maifest vor.
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