Krankenhaus Angermünde
: Klinik für Innere Medizin schließt – was jetzt passiert

Die Entscheidung im Aufsichtsrat zum GLG Krankenhaus Angermünde ist gefallen. Steht Ökonomie vor Fachargumenten? Warum die Stadt dennoch für den Erhalt kämpfen will.
Von
Daniela Windolff
Angermünde
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Die Eingangstafel vor dem Eingang des GLG-Krankenhauses listet eine große Bandbreite an medizinischen Angeboten auf. Das soll bald Geschichte sein.

Die Eingangstafel vor dem Eingang des GLG-Krankenhauses listet eine große Bandbreite an medizinischen Angeboten auf. Das soll bald Geschichte sein.

Daniela Windolff
  • GLG-Krankenhaus Angermünde schließt nach fast 130 Jahren die Klinik für Innere Medizin.
  • Entscheidung im Aufsichtsrat erfolgte ohne umfassende Information und Diskussion.
  • Psychiatrie bleibt bestehen, Spezialisierung soll defizitäres Forßmann-Krankenhaus in Eberswalde retten.
  • Stadt Angermünde will gegen den Verlust der Klinik kämpfen.
  • Kritik an wirtschaftlichen Argumenten vor fachlichen und sozialen Aspekten.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

Das war ein schwarzer Tag für Angermünde. Nach fast 130 Jahren soll das Krankenhaus seine Bestimmung verlieren. Die Klinik für Innere Medizin mit einem breiten Spektrum von Behandlungsangeboten wird geschlossen.

Die Psychiatrie bleibt allein übrig. Spezialisierung ist der Weg, den die GLG mit Blick auf die Krankenhausreform vorantreiben und damit ihr Unternehmen, vor allem das tief defizitäre Forßmann-Krankenhaus in Eberswalde, retten will.

Zwar ist auch die Innere in Angermünde durch die Verflechtung mit der Psychiatrie und der Fachkompetenz für Pulmologie schon sehr spezialisiert, aber das zählt offenbar nicht.

Auch nicht, dass mit dieser historischen Entscheidung, die der neue Aufsichtsrat ohne vorherige Informationen über die GLG-Pläne, geschweige denn einer intensiven Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema, per Tischvorlage beschlossen hat, das Gesamtkonzept des Hauses und die Idee der großen Psychiatriereform zunichtegemacht wird.

Angermünde verliert die Klinik für Innere Medizin

Nach 30 Jahren wird aus der „Psychiatrie im Aufbruch“, die Angermünde bundesweit vorbildhaft umgesetzt hat, ein Zusammenbruch. Waren all die Worte der Entrüstung, des sich erst Informieren- und des Erhaltenwollens, die Aufsichtsratsmitglieder noch kurz vor der entscheidenden Sitzung beteuerten, nur heiße Luft? Haben Argumente der Ökonomie mehr überzeugt als fachliche Argumente der Ärzte? Kannte der Aufsichtsrat diese überhaupt? Wenn nicht, warum bat man sich nicht Zeit aus und vertagte die Entscheidung?

Die GLG-Geschäftsführung handelt nach wirtschaftlichen Aspekten. Das ist ihr Job. Dass die für das gesamte Gesundheitssystem alles andere als rosig sind, ist nicht neu. Das Tischtuch ist immer zu kurz, wenn die Gesamtfinanzierung, die Verteilung, nicht stimmt, egal welche Reform gerade geplant ist.

Auch ein Staat kann den Euro nur einmal ausgeben

Wären die Krankenhäuser Rüstungsbetriebe … Schließlich wurden gerade wieder 650 Millionen Euro für Waffen für die Ukraine zugesagt. Ist das populistisch? Auch ein Staat kann den Euro nur einmal ausgeben.

Sicher, Deutschland hat eines der besten Gesundheitssysteme der Welt. Das ist kein Luxus, sondern soziale Verantwortung, Daseinsfürsorge für die Menschen, denen Politik dienen sollte. Schließlich steht am Reichstagsgebäude noch immer der Spruch „Dem deutschen Volke“, nicht „dem Profit“.

Hoffnung macht nach diesem schwarzen Tag für Angermünde, dass die Stadt, Verwaltung und SVV, so ent- und geschlossen wie schon einmal nach der Wende, für den Erhalt des Krankenhauses kämpfen will.