Täuschend echt. Alles dran. Türgriffe, Fenster, Bänke, winzige Lampen. Selbst die Aufschriften der Deutschen Reichsbahn wirken wie original. Nur einsteigen kann niemand. Denn der Triebwagen T1 der Gernroder-Harzgeroder-Eisenbahngesellschaft lässt sich mühelos mit einer Hand auf einen Tisch stellen. Die Miniaturausgabe des „echten“ Vorbilds hat einen Maßstab von 1:22 und ist trotzdem ein Original. Es gibt davon nur ein einziges Stück in dieser Form. Und das hat Christian Beck gebaut.

60 Meter Gleise im Garten

Der Berliner investiert jede freie Minute in sein ungewöhnliches Hobby. Denn er lässt die Modelle nicht wie meist üblich auf einer gestalteten Eisenbahnplatte ihre Runden drehen. Stattdessen benötigt Christian Beck Platz für das Format IIm. Es handelt sich um eine Gartenbahn. Und weil man dafür ebenjenen Garten benötigt, hat sich Beck etwa sechs Kilometer von seiner Wohnung in einem Stück Grün eine eigene Anlage aufgebaut. Rund 60 Meter Gleise liegen dort. Ebenso Häuser, Bahnhöfe, Bahnanlagen. „Allerdings kommen neuerdings unerwünschte Bewohner“, erzählt der Modellbahner. „Die Ameisen bevölkern den Bahnhof.“
Weil sein Hobby in Berlin aber niemand wahrnimmt, reist Christian Beck gemeinsam mit seinem Kollegen Lutz-Uwe Treichel schon seit etlichen Jahren zum Herbstfest des Gramzower Eisenbahnmuseums. Dort starten regelmäßig die Modellbahntage der Großen Spur. Dieser Begriff wirkt neben den echten Ausstellungsstücken zwar etwas großspurig, doch findet die Gartenbahnanlage jedesmal enormen Anklang.

Großer Auftritt im Lokschuppen

Doch der Aufwand dafür ist beträchtlich. Schon drei Tage zuvor nehmen die beiden Eisenbahnpioniere Urlaub und reisen mit Auto und Anhänger zum Gramzower Bahnhof. An diesem Wochenende haben sie ihren ganz großen Auftritt, bekommen sie doch eine Hälfte des Lokschuppens ganz für sich. 17 Meter lang. Eine Herausforderung. Dort entsteht nun der Harzer Bahnhof Hasselfelde mit allen erdenklichen Anlagen. Dafür gibt es einen regelrechten Bauplan. Und zwar noch analog.
Darauf wird dann der legendäre Triebwagen T1 fahren. Dessen Geschichte ist ebenso spannend. Denn das 1934 gebaute Original überlebte den befürchteten Abtransport durch die sowjetische Besatzungsmacht nur dadurch, weil es zuvor wegen Dieselmangels konserviert und teilweise demontiert wurde und dadurch in der Bestandsliste fehlte. Glück gehabt. Das Unikat fährt heute noch.

Flügelrad auf der Stirn

Christian Beck und Lutz-Uwe Treichel können endlose Geschichten über die Geschichte der Eisenbahn erzählen. Denn beide sind auch im „echten“ Berufsleben Eisenbahner. „Uns steht das Flügelrad auf der Stirn“, witzeln beide. Und weil sie von den Großen offenbar noch nicht genug haben, fahren sie in der Freizeit mit den kleinen Großen weiter durch den Garten. Zwischen 140 und 2000 Euro kostet eine einzige Lokomotive ihres Fuhrparks. Manche machen sogar Sound, zischen, dampfen, leuchten.
Mindestens 15 Lokomotiven und dazugehörige Waggons besitzt jeder der beiden Gartenbahner. Nicht zu vergessen die Häuser. Und mit noch einem Besucher-Gag wartet Christian Beck auf: Er hat das legendäre Gleiskraftrad der Reichsbahn, ein Schienenmoped, nachgebaut. Das Original steht auch im Lokschuppen des Eisenbahnmuseums.
Und während die beiden Modellbahner drinnen ganze Bahnhöfe errichten, passiert vor der Tür die gleiche Aktion im Großformat. Dort entsteht gerade eine Feldbahn mit Rampe und Weichen. 120 Meter Gleise sind bereits verlegt. Es wird die neueste Attraktion für Besucher.

Herbstfest


Das Herbstfest mit den Modellbahntagen der Großen Spur des Klein- und Privatbahnmuseums Gramzow finden am 12. und 13. September auf dem Gramzower Bahnhof statt. Neben Vorführungen einer Anlage der Nenngröße IIm im Lokschuppen gibt es eine Sonderausstellung zur Geschichte der Ost- und Westhavelländischen Kreisbahnen. Der Museumszug nach Damme und zurück startet ab Gramzow um 10.30, 11.45,13.00, 14.15, 15.30,16.45 Uhr. Weiterhin werden Feldbahnfahrzeuge vorgeführt. Die Wurzel-Skulpturen-Ausstellung hat geöffnet. Für kleine Gäste gibt es „Seifenblasenmagie“.