Musik in Angermünde: Klassik für Kinder? Eine Musikschule zeigt, wie das geht

Adventskonzert der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde 2023 in der Marienkirche. Chöre, Orchester und Solisten führen festliche Werke alter Meister auf. Die jüngsten Chorkinder sind erst 4 Jahre alt.
Daniela WindolffKinder in Angermünde singen Klassik. Und das mit wachsender Begeisterung. Was 1983 als kleines Konzert des ökumenischen Kirchenchors begann, ist heute eine Erfolgsgeschichte, der weit über die Region hinausstrahlt.
Aus dem kleinen Chor der Gemeinde ist eine anerkannte Musikschule geworden, die Preise einheimst, internationale Kooperationen pflegt und ein unverzichtbarer Kulturanker in der Stadt ist, mit opulenten Konzerten auf höchstem Niveau.
40 Jahre Adventskonzert in Angermünde
Chorleiterin und Musikschuldirektorin Dorothea Janowski jetzt ein zu Jubiläum feiern, das fast vergessen wurde: 40 Jahre Adventskonzert in Angermünde. Und wie, wenn nicht mit festlicher Musik, Pauken und Trompeten und großen Stimmen auch kleiner Leute?
Zu den traditionellen Konzerten am 1. Advent in der Marienkirche Angermünde fährt die Musikschule alles auf, was sie zu bieten hat: Chöre, Instrumentalisten sowie professionelle Musiker und Gesangssolisten, die sonst auf großen Bühnen in Berlin und anderen Metropolen stehen. Und nicht nur diese Kooperation ist besonders: Dorothea Janowski wagt sich an höchst anspruchsvolle Werke großer Meister des Barock.
Vierjährige singen das Weihnachtsoratorium
Trotzdem bezieht sie schon die Allerjüngsten vom Spatzen– und Kinderchor in die Konzerte ein, die mit dem gestandenen Kammerchor und professionellen Gesangssolisten und Orchester gemeinsam auf einer Bühne stehen.
Da singen auch schon vierjährige Kinder das Weihnachtsoratorium von Bach oder vielstimmige Choräle mit und verleihen den Konzerten mit ihren engelsgleichen Kinderstimmen und unbedarfter Natürlichkeit einen besonderen Zauber, der die Herzen anrührt: Musik mit Gänsehautgarantie.
Festliche Musik zur Weihnacht
Zum 40. Adventskonzert 2023 führte Dorothea Janowski ein festliches Programm mit geistlicher Chor– und Orchestermusik aus dem Barock auf. So erklangen Werke von Michael Praetorius (1571—1621), wie das bekannte Lied „Der Morgenstern ist aufgedrungen“, dessen Klangpracht die Chöre stimmgewaltig ausschmückten, geistliche Konzerte von Johann Schein (1586—1630), der auch Thomaskantor in Leipzig war, und weihnachtliche Weisen aus England, Frankreich und Deutschland. So wurde das bekannte Lied „Maria durch den Dornwald ging“ mehrstimmig vom Kinder– und Jugendchor neu interpretiert. Die Kinder jubilierten beim vielstimmigen Kanon „Halleluja“.

Adventskonzert der Uckermärkischen Musik- und Kunstschule Angermünde 2023 in der Marienkirche. Es ist das 40. Adventskonzert, das Dorothea Janowski (Mitte) in Angermünde organisierte. Mit dabei sind professionelle Gesangssolisten, Volker Nietzke, Antonia Kolonko, Andreas Lorenz und Isabelle Heiss (v.l.).
Daniela WindolffDas Barock–Orchester opus 5, das die Angermünder Musikschule seit vielen Jahren begleitet, ließ die historischen Instrumente bei fröhlichen Hirtenliedern und Weihnachtstänzen klingen. Und schließlich führten Solisten, Chor und Orchester die musikalische Weihnachtsgeschichte „Es begab sich aber zu der Zeit“ von Thomas Selle (1599 —1663) auf.
Die Botschaft der Musik zur Weihnachtszeit ist uralt und doch erschreckend aktuell: Friede auf Erden. Wie ein roter Faden zieht sich dieser Wunsch durch alle Werke der Jahrhunderte.
Die Jüngsten stehen mit auf der großen Bühne
Diesen Sinn der Weihnachtsmusik vermittelt Dorothea Janowski schon ihren jüngsten Chorsängern auf kindgerechte Weise. Sie führt sie spielerisch in die Klangvielfalt des Chorgesangs ein und will vor allem Freude am gemeinsamen Musizieren vermitteln. „Die Kleinen dürfen bei uns jedes Jahr mit auf der großen Bühne stehen und proben dafür vorher wochenlang mit Hingabe“, versichert Dorothea Janowski. Die Kinder haben ihre eigenen kleinen Stücke im Programm und singen teilweise schon bei den großen Werken mit, was sie besonders stolz macht.
Die Kleinen lernen von den Großen
„So lernen sie von den Großen, erfahren von den Profis, wie weit man es mit Geduld und Fleiß bringen kann und erleben, wie faszinierend gemeinsames Musizieren klingen kann. Denn es ist eine einzigartige Gemeinschaft, in die Kinder hier von klein auf hineinwachsen“, erklärt Dorothea Janowski.
Sie hat hohe musikalische Ansprüche, die sie jedoch nie mit Druck umsetzt, sondern mit viel Ermunterung, spielerischen Übungen und Geduld. „Wir möchten Begeisterung für Musik wecken und fördern. Kinder lieben Musik und sie brauchen Musik. Das ist die Sprache, die jeder versteht und die alle Sinne berührt“, ist die leidenschaftliche Musiklehrerin überzeugt.
Gemeinsames Singen fördert viele Kompetenzen
Gerade Singen fördere viele soziale und geistige Kompetenzen, wie Sprache, Konzentration, Selbstbewusstsein und Empathie. Dabei komme es nicht auf Perfektion an, sondern auf den Spaß. Und natürlich helfen Vorbilder, ob es die Eltern sind, die gern mit den Kindern singen und sie an Konzerte heranführen, oder eben ein Chor. Erst recht, wenn die Kleinen an der Seite der Erwachsenen und Profis gemeinsam auf der Bühne stehen dürfen. Der schönste Lohn der Musiker, der Applaus und die Jubelrufe des Publikums, beflügeln und motivieren, weiterzumachen.
Wer die kleinen Musikschüler erleben möchte, hat dazu am 2. Advent erneut Gelegenheit. Am 10. Dezember 2023 um 15 Uhr lädt die Uckermärkische Musik– und Kunstschule zum traditionellen Familienkonzert in die Aula des Einstein–Gymnasiums ein.



