Sarah Connor in Berlin: Weihnachtskonzert – so war der Abend in der Mercedes-Benz Arena

Alle Jahre wieder: Die Sängerin Sarah Connor, hier 2022 bei ihrem Weihnachtskonzert in der Verti-Music-Hall. 2023 sang sie in der Mercedes-Benz-Arena in Berlin.
Britta PedersenKaum war sie weg von der großen Bühne - im August konzertierte sie im Rahmen ihrer „Herz Kraft Werke“-Tour in der Berliner Waldbühne - ist sie schon wieder da. Diesmal auf der Bühne der Mercedes-Benz-Arena. 1. Advent lud sie, wie passend, zum Weihnachtskonzert, schließlich hat sie vor einem Jahr ein Weihnachtsalbum veröffentlicht.
Die Atmosphäre ist so besinnlich wie sie in einer Mehrzweckhalle mit knapp 10.000 Besuchern sein kann. An den Cateringständen ohne Lichterketten gab es weder Lebkuchen noch Glühwein, sondern Bier und Currywurst mit Pommes. Kulinarisch also the same procedure as every day. Die vorwiegend weiblichen Fans sind trotzdem in wohliger Stimmung, denn sie wissen zumeist, was ihre Sarah gleich zu Beginn launig verkünden wird. „Wir wollen heute mal zwei Stunden den Stress und die Sorgen vergessen, wir machen es uns richtig schön.“ Heißt konkret: „Wir machen heute mal keinen Alarm, sondern eine kleine Reise mit einem Auf und ab, wie im Leben.“ Als Begleitung hat die Musikerin eine Band, ein Streich-Quartetts und ein vier Backgroundvocalisten dabei.
Englische und deutsche Weihnachtslieder mit Sarah Connor
Weihnachtsstandards stehen auf dem Programm, auch deutsche. Sie wolle doch mal sehen, ob ihre Fans auch das Kulturgut richtig beherrschten. Bevor es an die deutschen Weihnachtslieder geht, in der zweiten Stunde, sind erstmal englische Songs dran. Besser gesagt amerikanische Christmas-Klassiker wie „The Christmas Song“ von Nat King Cole. Es sei ihr Lieblingssong, sagt sie, bevor sie den Titel als Klavierballade mit angejazztem Gitarrenspiel vorträgt. Ihre Stimme ist tadellos, nichts anderes war zu erwarten.
Singen kann sie. Und entspannt plaudern auch. In ihrer direkten und grundsympathischen Art erzählt sie gern mal von zu Haus, von ihrer kinderreichen Familie und dem Stress. Welche berufstätige Mutter würde beim Wort Vorweihnachtszeit ernsthaft an Besinnlichkeit denken, fragt sie, die Lacher einheimsend, ins Publikum. Also noch mal an alle Frauen, heute machen wir’s uns richtig schön. Die Halle als bunt ausgeleuchteter Bunker zur kurzen Abschottung gegen den ganzen negativen Kram da draußen.
Dann singt sie im roten Kuschellicht von läutenden Glocken und von Engeln und sonstigem anheimelndem Gedingel. Während sie „The Best side of Life“ von ihrem ersten Weihnachtsalbum aus dem Jahr 2005 singt, fährt eine nostalgische Eisenbahn auf der Riesenvideowand durch eine verschneite Landschaft, die nicht in Deutschland liegen kann, weil hier bei etwas mehr Schneefall bekanntlich die Züge nicht mehr fahren. Es ist also ein fernes Land, dem die Zuschauer mit ihren Handytaschenlampen da entgegenstrahlen.
„Christmas Train“ auf YouTube:
Sich wegträumen, dazu lädt Sarah Connor gern mal ein. Zum Beispiel ins Jahr 2066, wo der Santa vielleicht mit einem Raumschiff statt mit einem Schlitten auf die Erde kommt. Nach dem Song „Christmas 2066“ singt sie noch ein paar amerikanische Standards wie „Let it Snow“ und „Jingle Bells“, nicht süßlich-verklebt, sondern jazzig und mädchenchorfetzig. Manchmal klingen auch 50er-Jahre-Rock’n’Roll-Gitarren durch.
Dann wird es wirklich besinnlich, um nicht zu sagen melancholisch-traurig. Ihre verstorbene, geliebte Großmutter, mit der sie immer Weihnachten telefoniert habe, vermisse sie sehr. Für sie sang sie tief gerührt das Lied „Santa, if you’re there“. Dass es nicht effekthascherisch wirkte, liegt daran, dass die Sängerin für ihre Unterhaltsamkeit nicht auf Ehrlichkeit und Selbstironie verzichtet.
Als sie erzählt, dass ihr Karrierestart bei einer Plattenfirma gewissermaßen mit dem Lied „Leise, rieselt der Schnee“ begann, bringt sie ihr Leben in einem Satz auf den Punkt: „Ich habe das Lied am Piano auf eine Kassette gesungen, ich habe einmal die Hymne falsch gesungen, einmal war ich ohne Unterwäsche bei ‚Wetten dass?‘ und jetzt bin ich hier.“ Gemeint war ihr Versingen bei der Nationalhymne in einem Fußballstadion und ihr arg freizügiges Kleid bei Thomas Gottschalk. Heute kann sie drüber lachen. So wie auch über das gemeinsame Testsingen von deutschen Weihnachtsliedern mit den Fans, während sie durch die Reihen schlendert. „Oh Tannenbaum“ und „Klingglöckchen“, die Textsicherheit ist bescheiden. Der Spaß war groß.

