Still und (un-)heimlich ist eine lange Tradition in der Oderstadt zu Ende gegangen: Der Spielmannszug der SSV PCK hat zum Jahresende 2020 seine Arbeit beendet, ist seit wenigen Tagen einem „Nachruf“ des ehemaligen Spielmannszug-Leiter Jens Pfeiffer auf der Internetseite des Vereins zu entnehmen.
Erste Trainingsstunden gab es 1974 in der Trainingsbaracke Breite Allee (heute steht dort der neue Tanzsaal des Vereins). Ende der 90er-Jahre musste wegen Baufälligkeit eine neue Trainingsstätte gefunden werden. Das PCK stellte moderne, schallgeschützte Räume am Eingang der Raffinerie zur Verfügung. 2015/16 zog der Spielmannszug zurück auf das SSV-Vereinsgelände.

Auch Leipzig und München waren Auftrittsorte

Am 1. März hätten die Spielleute ihren 47. Geburtstag gehabt. Jetzt bleiben nur Erinnerungen: „Mit seinen Auftritten bereicherte er viele Stadt- und Dorffeste in Schwedt und Umgebung, er war stets fester Bestandteil von Lampionumzügen in Kitas. Auch über die Stadtgrenze hinaus kannte man die Schwedter Musiker. Sie nahmen sehr erfolgreich an Landes-, DDR- und Bezirksmeisterschaften teil, waren Teilnehmer zahlreicher Turnfeste in Leipzig, Hamburg, München, Salzburg …“ schreibt Pfeiffer unter anderem.

1988 wurde die DDR-Meisterschaft in Schwedt ausgerichtet

Ab 1974 machte sich der Spielmannszug unter der Leitung von Bernd Neumann schnell einen Namen. 1979 übernahm Wolfgang Schreiber die hauptamtliche Stelle, nach der Wiedervereinigung leitete Jens Pfeiffer ab 1991 den Spielmannszug. Die Mitgliederzahlen stiegen wieder auf über 50 Kinder und Jugendliche an. Teilnahmen an Landesmeisterschaften und am Blasmusikfest in Angermünde wurden gern zur Motivation und Leistungssteigerung genutzt. Von 2010 bis 2020 leitete schließlich Mary Bartel den Spielmannszug.
„Höhepunkte in der Vereinsgeschichte waren 1988 die Ausrichtung der DDR-Meisterschaften der Nachwuchsspielmannszüge und 1999 die Landesmeisterschaft in der Oderstadt“, erinnert sich Jens Pfeiffer. Später waren eigene Weihnachts-, Frühlings-, Neujahrs- und Jubiläumskonzerte immer gut besucht. Reichte zuerst noch der Saal im Kosmonaut, musste später in die Boxhalle ausgewichen werden.“

Über Jahrzehnte aufopferndes ehrenamtliches Engagement

Hunderte Kinder und Jugendliche haben im SSV-Spielmannszug nicht nur ein Instrument erlernt – „sie hatten viele schöne Erlebnisse und lernten, Verantwortung in der Gemeinschaft zu tragen“, heißt es im „Nachruf“. Der Spielmannszug wurde für viele „zur zweiten Familie“. Sehr viele Freundschaften und auch Liebespaare hätten sich in den über vier Jahrzehnten gefunden.
Abschließend würdigt Jens Pfeiffer noch einmal das große ehrenamtliche Engagement über all die Jahrzehnte: „Der Spielmannszug wäre ohne die oft aufopfernde Tätigkeit der vielen Übungsleiter nicht so erfolgreich gewesen. Dafür kann man ihnen nicht genug danken!“ Besonders engagierte Eltern hätten zudem aus Anlass der Landesmeisterschaft in Schwedt einen Förderverein gegründet.

SSV PCK stünde für Neuanfang bereit

„Der Spielmannszug hinterlässt eine große Lücke im Kulturleben der Stadt. Die Musiker hatten im Jahr bis zu 50 Auftritte! Veranstaltungen, Messen, Eröffnungen, Jubiläen und Festumzüge müssen nun ohne ihre musikalische Umrahmung auskommen.“ Pfeiffer endet mit einer Hoffnung: „Vielleicht werden sich irgendwann mal Leute finden, die sich an diese Tradition erinnern und das Erbe des Spielmannszuges fortsetzen. SSV PCK ... würde ein solches Projekt unterstützen. Eines ist sicher: Der Spielmannszug lebt in vielen Köpfen und Herzen ehemaliger Spielleute und der Schwedter Bürger weiter.“