Wie der Bund setzt auch Brandenburg längerfristig auf eine Zukunft der Raffinerie PCK in Schwedt - unabhängig von Öl. „Ich sehe die Zukunft in einem Standort mit einem neuen, moderneren Raffineriekonzept unter Verwendung von Wasserstoff ebenso wie auch entsprechender Biomaterialien. Also einer Raffinerie 2.0“, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ (Montag).
Er gehe von sieben bis acht Jahren dafür aus, wenn man sichergehen wolle auch von zehn Jahren. „Die Transformation ist eine Aufgabe, die sowieso anstand, weil man davon ausgehen konnte, dass in den nächsten zehn Jahren das klassische Konzept einer Raffinerie nicht mehr tragen würde.“
Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) will am Montagabend die Raffinerie PCK besuchen, um vor dem Hintergrund des geplanten Öl-Embargos der EU gegen Russland mit den Beschäftigten und der Geschäftsführung zu sprechen. Er machte vor seinem geplanten Besuch am Montag deutlich, dass er eine Zukunft für das Unternehmen sieht. „Es gibt eine gute Chance, dass die Raffinerie Schwedt erhalten bleibt, dass wir sie versorgen können mit Öl über andere Wege“, sagte Habeck am Sonntag dem Fernsehsender Welt. Diese Wege könnten über Rostock und Danzig führen. Er blickt in die Zukunft: In einer Kooperation mit dem Hafen Rostock könnte sich PCK auch weiterentwickeln „weg vom Öl, hin zu Wasserstoff“ und damit eine „Raffinerie der Zukunft“ werden.
Die EU-Kommission plant, russische Rohöllieferungen für Deutschland und die meisten anderen EU-Länder innerhalb von sechs Monaten auslaufen zu lassen. Im brandenburgischen Schwedt endet die Pipeline „Druschba“ (Freundschaft) aus Russland. Das Öl wird bei PCK verarbeitet, wo nach Angaben der Brandenburger Landesregierung etwa 1200 Menschen arbeiten.
Der Bund sucht mit Brandenburg nach Alternativen für russisches Öl, was laut Steinbach aber nur bis zu 70 Prozent der bisherigen Leistung ausmachen würde. Mit einer Gesetzesänderung könnte die Bundesregierung die Raffinerie unter staatliche Treuhandverwaltung stellen oder sogar enteignen.
Der Brandenburger SPD-Wirtschaftsminister hält die Rolle von Altbundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) als Aufsichtsratsvorsitzender von Rosneft nach eigenen Angaben nicht für klar. „Mir ist die Wahrnehmung der Rolle, die Herr Schröder im Aufsichtsrat von Rosneft hat, nicht vollständig plausibel“, sagte Steinbach. Deshalb könne er keine Aussagen darüber machen, was Schröder tun oder lassen sollte.

Unsicherheit bei den Anwohnern in Schwedt

Unter den Bürgerinnen und Bürgern in Schwedt herrscht wegen der unklaren Zukunft der Raffinerie auch Unsicherheit. „Das wird sehr schwierig“, meinte Tim Sommerfeld, der aus Schwedt kommt. Ein Umbau der Raffinerie kostet nach seiner Einschätzung Zeit. „So schnell wird es auf alle Fälle nicht gehen.“ Cornelia Paprotka aus dem nahen Angermünde sagte: „Da hängt ja viel dran für die ganze Umgegend.“ Dieter und Cornelia Held hoffen, dass zumindest der größte Teil von PCK gerettet werden kann. Cornelia Held sagte: „Die Hoffnung geben wir in Schwedt überhaupt nicht auf.“
Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) fordert, dass die Zahl der Beschäftigten bei PCK mindestens erhalten wird. „Von denen darf definitiv keiner auf der Strecke bleiben“, sagte der Bezirksleiter der IG BCE Berlin-Mark Brandenburg, Rolf Erler, der Deutschen Presse-Agentur. Daran hänge eine ganze Region. „Es geht darum, dass die Leute auch langfristig eine Perspektive haben.“ Er sei aber zuversichtlich, dass man die Raffinerie erhalten könne.